53. Die EOS ist kurz vorm Ziel: Sardinien

 

Mittwoch, den 20.Juli 2016, von Gerdi

Fast Mitternacht- ein Hangout vom Meer

1 Std vor Landfall, nach der Nachtfahrt

Herzlichen Glückwunsch !

Nun ist die Crew bald angekommen auf Sardinien. Nach 38 Stunden auf offnem Meer.

Start am Dienstag 10 Uhr Sizilien-Nord,  Trapani

Ziel Mittwoch, 23 Uhr. Capo Carbonara, Sardinien -Südspitze

Hier  der Google map Link zum letzten Standort: gesandt von Skipper Gerhard um 22 Uhr beim 1. Netzempfang am Smartphone nach der Meeresstrecke bei Vollmond und Sternenmeer.

Auf den Link klicken und ansehn wo sie um 22 Uhr waren.

https://www.google.com/maps/place/39%C2%B005’07.9%22N+9%C2%B035’06.4%22E/@39.0854983,9.5150711,12z/data=!3m1!4b1!4m5!3m4!1s0x0:0x0!8m2!3d39.0855287!4d9.585116

Das „Schinken-Kap“ 🙂 an der Südspitze der großen Insel Sardinien!! Capo Carbonara

Endlich wieder mal eine Insel für die EOS !(rechts Foto EOS in Albanien)

Buano notte!

Bona nox, bist a rechta Ochs. Buona notte, liebe Lotte, bon nuit, pfui, pfui, good night, good night, heut müaß mer no weit, gute Nacht, gute Nacht, es wird höchste Zeit, gute Nacht.— Schlaf fei gsund und werd sche kuglrund. W.A. Mozart.

Ein Kanon!!!


Donnerstag, 21. Juli, 09:30 Mail von Gerhard auf Sardinien:

Um 23.30 haben wir in der Bucht bei Villasimius geankert, wo wir vor ein paar Jahren auch angekommen sind. Da liegen jetzt Ankerbojen aus. Am ersten Tag und der Nacht konnten wir flott hart am Wind segeln, aber am 2. Tag lag das Meer bleiern da. Bei Sonnenuntergang lagen die Inseln im roten Licht wie ein Scherenschnitt vor uns und die beiden Leuchttürme sandten schon ihre Lichtfinger aus Momentan steuert Blabbe nach Cagliari.

53 In Palermo

Busausflug

Gerdi ist abgereist, die Augsburger sind noch nicht da. Monreale würde sich lohnen, sagt man mir. So nehme ich den Linienbus dorthin. Eine eigene Stadt am Hang. Die wuchtige normannische Kathedrale und der große Platz mit 4 hohen Palmen beherrschen die Stadt.

Die Palmen von Monreale (800x533)

Ein Besuch der Kirche schreckt ab. Besucher schieben sich durch den rechten Torflügel ins Innere und andere kommen durch den linken wieder heraus. Unwürdig für ein Gotteshaus. Ein paar Schritte weiter bietet sich ein überwältigender Blick von dieser Aussichtskanzel auf Palermo. Das Häusermeer liegt in einer flachen Landbucht umgeben von Bergen unter mir.

Die Sicht nach Palermo (800x533)

Rückfahrt: Der Bus kommt nur im Schleichtempo wieder zurück nach Palermo. Busfahrer sind geduldige Künstler, wie sie sich durch die zugeparkten, engen Straßen schieben und mit der Hupe auf sich aufmerksam machen, wenn wieder ein Autofahrer wegen einer schnellen Besorgung sein Auto auf Straßenmitte anhält.

Die Augsburger kommen

Die Augsburger kommen auf die Minute pünktlich (800x533)

Großes Fest heute zu Ehren der Stadtheiligen Santa Rosalia. Fast die gesamte Innenstadt gehört den Fußgängern und quillt von ihnen über. Es raucht von den Grills. Jeder Stand und jede Taverne hat Hochbetrieb. Der Zug von Rom fährt auf die Minute pünktlich um 23:00 Uhr in Palermo Centrale ein, mit den Augsburgern an Bord. Unser Taxi fährt einen mächtigen Umweg und kann uns nur in die Nähe der EOS bringen. Dann: Weißwurst, Brezen und Paulaner Weißbier aus der Heimat.  Eine herrliche Abwechslung!

Weißwurst um Mitternacht (800x533)

Draußen Musik aus allen Richtungen. Ganz Palermo scheint hier zu sein, zu flanieren, an der Uferkante zu sitzen. Um 1 Uhr nachts dann das Feuerwerk. Farben explodieren am Himmel oder regnen auf die Erde, bis zum Ende, als ein Feuerball in den anderen übergeht. Erst um ½ 2 Uhr schweigen die Kracher und verschaffen den Musikanten wieder Gehör. Aber das Fest ist noch lange nicht zu Ende

Feuerwerk 2 (800x533)

Warten

Lamma sagt bis Ende Samstag 7 Bft voraus. Es pfeift in den Wanten und EOS legt sich an ihrer Muring schräg. Der Freitag ist einer Prozession vor der Kathedrale vorbehalten. Musikanten in feinen Anzügen, verschiedene klerikale Gruppen in ihren besonderen Trachten mit wertvollen bestickten Fahnen und Würdenträger in ihren schwarzen Soutanen nehmen Aufstellung.  Kirchenmusik beschallt die Straßen.  Zuschauer drängen sich an den Straßen und Plätzen. Die heilige Rosalia wäre stolz auf ihre Bürger.

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52 Palermo musiziert und flaniert

Nach Mitternacht: Eos liegt erste Reihe, Sicht auf den Corso der Fußgänger. Der Lärm der Ausfallstraße verliert gegen die Kraft der Musik. Musik? Von rechts die immer gleiche Bass-Dreitonfolge. Ab und zu brüllt eine Sängerin oder ein Sänger mit (oder dagegen?).  Von links die wunderbaren Töne eines Saxofons und eine Schlagzeugs. Der Drummer vom anderen Hafenufer hat dagegen keine Chance. Und EOS mitten drinnen.

Langsam ebbt der Strom der Spaziergänger ab. Man flaniert , unterhält sich, nimmt auf den marmornen, kunstvoll geglätteten Steinsitzen Platz. Man genießt den Abend, ist froh, der nachmittäglichen Hitze entkommen zu sein. Ein Seelantraining, dieser Spaziergang am Ufer.

Und wir? Einen Steinwurf entfernt an einem Ponton, geschützt durch eine verschlossene Türe und ein kaum umsteigbares Gitter. Der freundliche Herr von Lega Navale gibt uns den Schlüssel zum „Gefängnis“, wie er sagt. Zaungast bin ich momentan, ganz schön, aber doch einsam ausgeschlossen

Diesmal ohne Bilder

PS: Tags trinkt der Käpt’n gern einen Ananas-Smoothie im Chiosco…vorerst  allein…

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Zu starker Wind aus Nord… die EOS bleibt noch in Palermo! 6 Tage lang…

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50. Home is where the anchor drops?

Gerdi am 14.Juli, Eriskirch am Bodensee. 16°C.

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Ade!

Der letzte Cappuccino auf dem Flughafen Falcone Borselino… Erst warteten wir 1 Std. in der Sonne vergeblich auf das am Abend vorher am Bahnhof persönlich für dieci ore alla matina bestellte Taxi, dann rief uns der Barkellner neben dem Chiosco di frutti ein neues, das kam in 5 Minuten!! Bei Transavia stand: 3 Stunden vorher kommen. Nach dem Einchecken um 14 Uhr(!) schickte ich meinen Skipper zurück, im Bus. Wieder mußte ich 2 Stunden warten. ein Kaffee in der Halle, ganz einsam nun nach 53 Tg. Gemeinsamkeit an Bord. Ich bekam einen Fensterplatz in der nagelneuen Boing der nur spärlich besetzten Transavia, aber leider direkt über dem Flügel. Witzig fand ich die froschgrünen Sitze. 30 Min. verspätet starteten wir, eine ungeplante Maschine zwang vorm Landen zu einigen Runden überm Flughafen!

Transavia kennt kaum einer, daher hier die Info:

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Anfangs klarer blauer Himmel, glutheiße Sonne durchs Fenster. Das Meer, dann die ersten Wolken, es hieß 15° und Regen in München. Nach einer Stunde sah es aus wie bei einer Skitour, geschlossene Schneedecke- aber es waren Wolken. Alle anschnallen, starke Turbulenzen! 40 Minuten schüttelte es die Maschine durch, „mein Flügel“ zitterte heftig. Ein Wolkenloch gab einen Blick frei auf einen fast runden oberbayrischen See, die ordentlichen Felder und saftig grünen Äcker und Wiesen, Hopfen, Mais…Dann goß es in Strömen. Hier die Fotos:

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Der umsegelte Felsberg von Palermo,…wär das was zum Klettern, Erika?
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Scheinheilig brav das Meer von oben….
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Als könnte man ne Skitour drauf starten…
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Erste Wolkentürme, heftige Turbulenzen…40 Min. lang
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Welcher See Nähe München?
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Die Regenfront, erste Felder

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Aus ist’s mit dem Blick auf Bayern…
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Ordentliches flurbereinigtes Deutschland

Martin holte mich mit einem Carsharing-Auto im Regen ab und berichtete von neuen Projekten und Ausschreibungen seines Kunst-Labors Labbinaer… so spannend, die Ideen!!! Emil machte große Augen, als die „verschollene“ Omi plötzlich im Zimmer stand… aber meine Mundharmonika weckte die Erinnerung und er versuchte mit dem eignen Mund auf-zu-auf diese Musik nachzuahmen. Nett! Eine Dusche, eine köstliche Brotzeit. Bald zu Bett. Himmlisch geschlafen. Früh hatte es 11°.  Kälter als an Weihnachten.Ich lieh mir eine Winterjacke von Martin und nach Kaffee und Ei bummelten wir mit dem Kinderwagen zum Bäcker und zurück. Dann überraschte mich Luci mit ihrem Kunstwerk, selber entworfen und gedruckt: Ein sinn-reicher Spruch.Lucis Druck-KunstDankeschön. Ich brachte frische Kapern, getrocknete Tomaten und diese sizilianischen Limone-Kartoffelchips mit (die Tüten waren beim Flug im Überdruck aufgeplatzt 😉 im Rucksack. Danke für die Gastfreundschaft. Um 10.30 startete mein EC nach Ulm, verspätet. Sohn No.1 holte mich mit unsrem Opel ab. Die Chorprobe war wunderschön, Reger, Bach, Mendelssohn-Bartholdy… Jojo war 50 km geradelt (Lindau, Schleinsee), Erika kam stolz von den Vorträgen bei der outdoor und voller neuer Begegnungen und Angebote von der Messe.Wir hatten gar nicht bemerkt, daß  das Seehasenfest angetrommelt worden war, im Regen. 4 Tage dauert das Spektakel. Um 22 Uhr Bettruhe 🙂

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49. Palermos Gassen, ein üppiges Abendessen und die Leichenhalle der Fische

Spaziergang am Abend

Erst am Abend lebt die Stadt wieder auf, wenn die Sonne ihre starke Hitzekeule nicht mehr schwingt und die Dämmerung schon beginnt. Palermos Straßen sind voller Autoleben, die kleinen Gassen aber still. Die Leuchten tauchen die Szene in ein warmes Licht.

Schöne alte Palazzi mit anheimelnden Innenhöfen, alte Bürgerhäuser mit kleinen Balkonen auf der Straßenseite, gestützt von kunstvoll geschmiedeten Stützen. Vieles ist bewohnt, aber noch mehr dem Verfall preisgegeben. Eine unendliche Arbeit für die Stadt, die wohl nie endet.

Essen wie die Italiener

Nach 22 Uhr sitzen wir in einem gediegenen Restaurant. Dreigängig speisen, mit Wein. Wie machen das die Italiener? Schon vor dem Hauptgang sind wir satt und können den Fisch nicht mehr so recht genießen. An den Nachbartischen isst man wie wir, aber sie scheinen damit zu Recht zu kommen- mit Nachtisch- auf den wir verzichten. Dabei sind die Leute nicht dick. Ab und zu fährt eine schwache Windböe über den Tisch, ohne die stehende, stickige Luft zu kühlen. Essen kann auch Arbeit sein.

…und ganz früh zur Fischversteigerung

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Da liegen sie, die Leichen. Gestern waren sie noch in ihrem nassen Element. Jetzt warten sie auf Podesten und sind nur noch tote Ware. Blutrot die Kiemen, irisierend noch die Augen. Frisch. Zahlen fliegen am Podest laut hin und her,

Der Mann am Schreibpult notiert in ein Buch (an 2 Pulten wird im Laptop notiet)

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Der Käufer lässt die Fische auf Palettenwagen abtransportieren. Große 2m lange Schwertfische und alles andere auch, was das Pech hatte, ins Netz zu gehen. Draußen warten die Autos der Wirte und Händler zum Abtransport.

Auf der EOS und aus der Ferne klingt wie ein wortgewaltiger Streit. Um das mit zu erleben, muss man um 4 bis 5 Uhr zur Stelle sein. Um 6 Uhr früh hat sich die Halle geleert, zurück bleiben Fischkisten, rot gefärbtes Wasser auf dem Boden und der Geruch nach frischem Fisch in der Luft. Der Parkplatz vor der Halle ist fast leer, die Bar daneben aber gut besucht (sie öffnet um 4 Uhr früh).

Unser letzter gemeinsamer Abend auf der EOS heute. Gerdi nimmt morgen am 13. Juli den Flieger und ist in knapp 2 Stunden in  München.(12°C).2Zwei Freunde aus Augsburg kommen einen Tag später um Mitternacht mit dem Zug(!) von München und segeln mit mir via Sardinien nach Korsika …Sie  überbrücken die heißeste Sommerzeit. 2009 waren sie auf der Rhône dabei und 2014 auf der Donau. Dann ist Mitte August wieder Crew-Wechsel und Paarsegeln.

Eine sehr schöne Zeit hatten Gerdi und ich: Im Mai das liebenswerte Griechenland, das abenteuerliche Albanien, die großen windreichen Strecken im Ionischen Meer , die Straße von Messina und als letztes im Juli die gemütlichen, aber heißen Tage an der schönen sizilianischen Nordküste. Wenn die Temperaturen nicht mehr so brutal heiß sind kommt Gerdi wieder, voraussichtlich nach Nizza. Gerdi, danke!

Wier beide 2

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48. Dankbar für 53 Tage zusammen mit dir

Gerdi am Mittwoch, den 13. Juli 2016, Palermo Centrale, Lega Navale

Heute endet der erste Teil unserer sechsten großen Halbjahres-Reise mit der EOS am Mittelmeer. Dankbar blicke ich zurück auf 53 Tage gemeinsame Zeit mit Dir , Gerhard, auf der Segelyacht, auf nur 10 m Boot und so oft im starken Wind und Seegang.

Kein Unfall trübte diese Zeit, nur das un-dichte Deck und das eindringende Salzwasser störten das große Wohlfühlen. Unsere 42 Jahre alte Lady EOS hat sich wieder tapfer geschlagen und all den Wetterkapriolen getrotzt. Nun haben wir seit der Durchfahrt durch die Straße von Messina und ab Palmi/Kalabrien einigermaßen friedliche Tage, ohne Starkwind oder allzu heftigen Seegang, dafür aber täglich mehr als 38 Grad…Stress am Boot und in der Stadt, die Italiener finden’s normal. Der Wasserschlauch am Steg ist eine Wohltat, „duschen“wenn auch im von der Sonne aufgeheizten Wasserstrahl…:-)

Die Eindrücke in Sizilien waren vielseitig und wir trafen so  sympathische, überaus freundliche Italiener. Bei der Lega Navale setzte man sich kameradschaftlich dafür ein, daß wir einen der vielbegehrten Liegeplätze bekamen. Grazie! Stolz setzten wir einen großen blau-weißen Lega-Wimpel an Backbord. Morgen kommt auf Steuerbord eine neue Italien-Gastfahne dazu, die alte hat vom starken Wind ein großes Loch.

Maria in Termini Imerese beschenkte uns mit einem wunderschönen Abend im Haus mit Meerblick. Die Altstadt von Palermo mit ihren vielen Kirchen und Glocken erinnerte mich täglich an meinen Gott, der uns dieses erlebnisreiche Leben auf dem Schiff ermöglicht und uns beschützt.

So reise ich heute mit dem Flieger nach München und freue mich auf Martin, Luci und Emil. Morgen bringt mich die Deutsche Bahn an den Bodensee, wo schon Joachim seit Sonntag urlaubt mit dem Bike,am Freitag kommen auch Ma+L+E mit dem Zug…. Leider regnet’s…  Erika kommt auch:  sie ist beruflich auf der outdoor-Messe in Friedrichshafen. Großes Familientreffen! Am Donn.-Abend habe ich Kirchenchorprobe zum Fest der Verabschiedung unsres evangelischen Pfarrers am 24.Juli.

Morgen kommen auch Ghs 2 Freunde aus Augsburg, mit dem Zug (der vom kalabr.Festland  auf die Zugfähre nach Sizilien fährt) … Gerade naht ein Starkwindgebiet mit Wind aus Norden, also gar nicht geeignet für die Segelfahrt nach Sardinien/Cagliari… Mal sehen, wie lange die 3 in Trapani aufgehalten werden. 2011 benötigten wir 2 von Palermo bis zur Nordspitze Sardiniens in Maddalena ganze 6 Wochen!! Das Flugziel für meine Wiederkehr auf die EOS ist also unsicher. In 3-4 Wochen segeln wir wohl von Korsika weiter, und hoch nach Marseille zur Rhône…Für mich ist es das erste Mal auf den französischen Flüssen und Kanälen, mein Französisch aus Gymnasiumszeiten muß wiederbelebt werden, nach 52 Jahren!

Gute Reise, keine Schäden am Schiff und Gesundheit wünsch‘ ich euch dreien. Mit der nun wieder gesetzten Genua wird Reffen öfter nötig sein, aber auch flotteres Segeln bei leichten Winden wird möglich. Genießt die Zeit und fahrt mit der Schmalspurbahn in Arbatax ins sardinische Gebirge! Unvergesslich!

Gerdi am 11.7 (5)