Ich besuche das Orgelkonzert in diesem prunkvollen und so angenehm kühlen „Gotteshaus“. Der Organist zeigt, was die Orgel (auch an Lautstärke) kann und die Sopranistin leistet ihren stimmgewaltigen Beitrag. Wunderbar, wie eine Stimme diesen großen Raum füllen kann: Aber der Organist? Wird er nicht auf Dauer taub?
Was macht man, wenn man der Musik lauscht? Ich sehe auf den Boden: Kunstvolle geometrische Figuren, passgenau eingefügt und fein poliert. Eine handwerkliche (stille) Meisterleistung, ebenso wie Orgelspiel und Gesang.
Die Metro M3, eine ältere Linie, bringt mich von außerhalb enorm laut und schnell mitten in die Stadt ( Die andere, M2 dagegen ist supermodern). Über die Erszebet- Brücke und dann hoch zur Citadelle, das ist schweißtreibend bei dieser Hitze. Als Bergfreund muss man ja auf die höchste Erhebung, auch wenns nur geschätzte 100m sind. Umfassende Sicht auf die Stadt in alle Richtungen. Unten im Strom liegen die großen Kreuzfahrschiffe im Dreier- Päckchen. Man begegnet den Fahrgästen dann an den „Sehenswürdigkeiten“ und den besonderen Plätzen. Im Großen Dom mit der riesigen Kuppel komme ich gerade zu einer Messe. Dann nehme ich die Nebenstraßen und genieße einen Green Apple Saft, kalt mit viel Eis. Leer sind diese Straßen am Sonntag. Die vielen Behörden und Niederlassungen sind geschlossen. Immer dann diese schöne sonntägliche Ruhe. Ich kann sie nicht im Bild festhalten. Was sagt schon ein Leere- Straße- Bild aus? Am Nachmittag nehme ich wieder den Ratterraser M3 und fahre zur Gyöngyösi utca zurück. Die Paddler auf dem langen Wasserarm hinterm Hafen tragen noch ihre Endkämpfe aus.
Weiter wie immer, rote Bojen rechts, grüne Bojen links. Dann tauchen in der Ferne Häuser auf, Budapest ist nicht mehr weit. In einer Marina tanken wir, kommen aber wegen des Tiefgangs nicht in den Hafen. Wir wechseln die Donauseite und belegen in der neuen Wiking Marina. Die Leute dort sind komisch und geben uns keinen Marina- Schlüssel. Auch den Club- Sanitärraum dürfen wir nicht nutzen. Statt dessen einen alten Container. Aber einen Pool haben wir.
Anderntags rasen wir mit Metro M3 in die Stadt. Meine Freunde kaufen Fahrkarten. Ihre Reise geht morgen zu Ende. Schade, war eine fröhliche gemeinsame Zeit. Danke, dass Ihr mich begleitet habt. Wir 3 haben die Sache gut gemeistert! Anderntags nochmal Stadt. Gellert Bad, das berühmte Thermalbad und die Markthalle. Beides ein Erlebnis. Dann am dritten Tag zum Bahnhof Keleti und weg ist der Zug. Etwas Einsamkeit. Jetzt fahr ich einen Kilometer die Donau aufwärts. Der „Prestige Jachtclub“ klingt zwar abgehoben, ist aber das Gegenteil. Preiswert, freundlich und sehr gut in Schuss. Da fühle ich mich wohl. Gerdis Ankunft verzögert sich, sie muss noch eine Probe abwarten. Sonntag: Nochmal Stadt. Siehe nächsten Blog.
Die Donau wird breiter und träger. Wir fahren mit 1200 up/m, kommen aber nicht mehr mit 15km/h voran,sondern reduzieren unsere Geschwindigkeit auf 11km/h. Immer wieder Inseln. Auch wenn die Flusszeichen jetzt weiter auseinander liegen, können wir uns problemlos an ihnen orientieren. Man darf eben nur nicht die roten mit den grünen Zeichen verwechseln.
Esztergom, schon von weitem an dem Dom mit seiner übermächtigen Kuppel zu erkennen. Wir rufen Attila, den Hafenbetreiber an, weil der Hafen im Flussarm etwas eng sein soll. Er sieht für uns keine Probleme und so biegen wir in das Altwasser ein, wenden, und erhalten Anlegehilfe. Sehr freundliche Begrüßung und wir fühlen uns gleich wohl in seiner neuen Marina. Der Domhügel bietet eine umfassende Sicht auf das flache Land, von dem wir herkommen und auf die Hügel, durch die sich die Donau ab jetzt windet. Der Dom ist monströs und ihn „ziert“ eine mächtige Kuppel. Beide Freunde nehmen die enge Wendeltreppe nach oben in Kauf und genießen den umfassenden Rundblick. Ich bleib lieber unten, das Geländer dort oben bietet zu viel Durchblick in die Tiefe…
Eine schöne Bogenbrücke verbindet Ungarn mit Slovakien. In Storovo auf der anderen Seite essen wir ganz gut und verlassen Vincents Kneipe um nicht mal 10 Euro ärmer. Das sind eben ganz andere Verhältnisse als bei uns. Wir gehen dann noch etwas an den Rand von Esztergom. Schöne alte Häuser erinnern an vergangenen Reichtum. Jetzt sind die Fensterscheiben blind, der Putz fällt von den Wänden und die kleinen Läden sind längst geschlossen. Man kann sich die Probleme dieser Städte vorstellen. Stecken wir unsere Ziele in der eignen reichen Heimat nicht zu hoch?
Nach Esztergom durchfahren wir die kleinen Karpaten, bewaldete Hügel eng am Strom, so ähnlich wie im Strudengau, nur größer. Wie schon oft frischt vormittags der Wind auf und verstärkt sich zwischen den Bergen. Nachmittags legt er nochmal zu, um abends einzuschlafen.
So etwas: Man spricht auf dem Fluss anders als auf See und Meer. Kanal 10, auf ihm wickeln die Steuerleute ihre Gespräche ab, wenn sie sich begegnen. Hallo Bodenseesegler! Da gibts kein Steuer- und Backbord, sondern rechts und links, oder rote und grüne Seite, je nach dem, welche Bojenseite gemeint ist. Gewöhnlich fahren die Schiffe rechts, wie die Autos auf der Strasse. Wenn aber ein langer Schubverband talwärts fährt und er begegnet einem Bergfahrer, dann wechseln sie gelegentlich die Seiten, weil der lange Bergfahrer mit dem Heck stark „ausschlägt“. Der Talfahrer (der hat Vorfahrt) sagt dann zB: „Amalie, Kilometer 1778, Rechte Seite“. Der Bergfahrer bestätigt ebenso: „Mozart, Rechte Seite, Danke“ Sie fahren also so vorbei, wie man sich in England auf der Strasse begegnet. Begegnen sich die Schiffe normal, dann heißt es „Linke Seite“. Wir haben an der EOS einen Zettel, da sind die Seiten mit roter und grüner Tonne vermerkt und dass rot rechts ist, Unglaublich, wie schnell man sich in der Eile verheddert und das kann dann kritisch werden, fährt man eine der vielen Tonnen von der falschen Seite an. Die Schiffer reden immer von „Abladetiefe“, das ist deren Tiefgang. Zwischen Straubing und Deggendorf konnten sie nur mit 1,5m Abladetiefe wegen des niederen Wasserstandes fahren. EOS mit 1,5m Tiefgang war da auch hart an der Grenze. EOS ist zwar ein kleiner Zwerg, muss sich aber gelegentlich auch in den Funkverkehr einschalten. Immer vor einer Schleuse. Da meldet man sich per Funk an und erfährt, ob man im Oberwasser (die höhere Seite des Fahrwassers) bis zum Aufrufen anlegt oder gleich oder nach einem Berufsschiff einfahren kann.
Eine ganz besondere Sache ist die mit den Pegeln. Wird die Wassertiefe knapp, dann muss man sie für den betreffenden Flussabschnitt wissen. Wenn man die Berechnung begriffen hat, dann ist es ganz einfach. Aber man muss sie eben erst begreifen.
Der wichtige Zettel am Schiff
Die Pegel, hier als Anzeige, gibts aber auch per Telefon oder im Internet
Die Regen-Sturm- Front ist durch und den Wien– Tag begleitet angenehm kühles Sonne- Wolken-Wetter. Kein dichtes Studium der heimeligen Stadt, mehr ein Durchschlendern, um Eindrücke aufzunehmen. Der Naschmarkt bietet alles an Gemüse, Obst, Tee, Naschwerk und Gewürzen, was man sich denken kann. Natürlich der mächtige Stefansdom, der Prater und eine Bedürfnisanstalt aus der K&K- Zeit, schön in Holz, Wasserhähne in goldener Kreuzform, alles reichlich verziert. Abends in einer Wirtschaft am Ufer der alten Donau. Absolute Moderne und die Reste des gemütlichen Donau-Ufers mit Wochenendhütten und Segelschiffen. Die himmelsstrebende Silhouette der Vienna International City dahinter und die moderne U-BahnBrücke daneben. Alt und Neu berühren sich und akzeptieren sich. Alles bequemst mit dem preiswerten Tagesticket auf öffentlichen Rädern erreichbar.
Anderntags weiter bei Sonnenwetter. Die Schleuse Freudenau durchfahren wir in Begleitung eines mächtigen Schubverbandes. Rücksichtsvoll mit schwachem Schraubenwasser verlässt er die Kammer ohne unser Schiffchen in Bedrängnis durch Wasserwirbel zu bringen.
Kurz vor Hainburg legt die Strömung mächtig zu. Mit 16 km/h passiert EOS die Bojen. Strom unterstützt mit 7 km/h. Als wir in den kleinen Hafen gegen den Strom einfahren, fordern wir unseren Volvo mächtig, um gegenan zu kommen.
Hainburg wird geprägt von einer ehemaligen Klosteranlage und 100m höher der Hainburg- Ruine. Ein schattiger Aufstieg dort hinan und ein weiter Blick in die weite Ebene, die wir durchfahren werden. Bratislava ist gut zu sehen. In einem Heurigen- Lokal mit bestem kalten Kümmelbraten und köstlichen Achtele zu günstigen Preisen beschließen wir den herrlichen Tag.
20 km weiter: Bratislava und der Hafen, der weit außerhalb liegt. Nicht nobel und topmodern wie manche vorher, sondern eher zusammengebastelt, schwimmende Hüttchen, dazwischen einfache Stege, aber zum Wohlfühlen. Die Köchin fährt uns in die Stadt und holt uns auch wieder ab. Wieder so ein Blitzeindringen und wieder nur ein Kurz-Besuch, um einen Eindruck zu erhaschen.
PS: 2 Tage weiter mit einem Halt im Altwasserarm von Medvedov. Ganz vorsichtig tasten wir uns hinein in diesen von der Donau getrennten Altwasserarm und ankern inmitten der Natur. Das Wetter macht einen Knick nach unten, es wird kühl, es regnet und der Wind bläst stark.
Dann weiter, eine Kurve nach der anderen, alle gut gekennzeichnet durch rote und grüne Tonnen im Fahrwasser. Die Karte weist viele Untiefen auf. Die sind aber für tief beladene Frachtschiffe wermerkt. Uns bleiben da immer noch 1 bis 2 m Wasser unter dem Kiel. Bis Komarno kommt uns nur ein Würzburger Frachter entgegen. Wir fahren dort in den Hafenarm ein. Ehemalige Werften auf der rechten Seite, jetzt dem Verfall und dem Rost anheimgegeben. Wir legen bei immer noch starkem Wind an einem Steg von Miros Marina an. Miro kommt von der Arbeit kurz her und gibt uns den Chip, damit wir auch wieder „raus“ können.
Anhaltend schönes Wetter. Nach Schlögen windet sich die Donau in Schlingen und durchschneidet die Hügel, um dann wieder träge, begleitet von Dämmen, durch flaches Land der nächsten Schleuse zu zu streben. Einige Stunden mit Motor fahren, dann wieder an der nächsten Schleuse anmelden, manchmal etwas warten. Werden wir aufgerufen, Leinen los und ab in die Kammer. Mit einer Schlinge am Poller belegen, einer von uns am Bug, einer am Heck zum Abhalten. Das obere Tor schließt sich, dann fährt EOS langsam in die Tiefe. Ca. 15 Minuten dauert ein Vorgang, dann öffnet sich das vordere Tor, die großen Berufsschiffe fahren aus und wir auch -mit Respekt-Abstand wegen dem Schraubenwirbel der „Großen“. Noch ein Dank an den Schleusenwärter per Funk. Geschafft.
Dann durchbricht der Strom den Strudengau. Früher eine gefährliche Strecke, jetzt durch eine Schleuse gezähmt. Wir ankern nach Sarmigstein. Dann Grillen am Heck. Bei Dunkelheit leuchtet uns ein Schubschiff mit 2 großen Schuten an und fährt ein Ankermanöver knapp hinter uns. Mit Getöse fällt der riesige Anker und wird bei Morgendämmerung wieder eingeholt. Nun durchfahren wir wieder eine weite Ebene. Ganz wenige Schiffe begegnen uns: das hat den Vorteil, dass wir ab jetzt alleine geschleust werden.
Letztes Gebirge: Die Wachau. Weinberge begleiten uns nun und immer wieder passieren wir die bekannten Dörfer. Jetzt begegnen uns auch viele Kreuzfahrtschiffe. Sie wollen ja alle ihren Gästen die schöne Wachau zeigen. Normalerweise zeigen sich diese Fahrgastschiffe tagsüber selten. Da ist Sightseeing an Land angesagt. Gefahren wird nachts. Im Hafen Krems am Ausgang der Wachau ist Schluss für heute. Wir durchstreifen Krems und das benachbarte Stein und genießen in einer Heurigen-Wirtschaft den Blick auf die Stadt und den herrlichen Marillenwein in Verbindung mit einem Winzerteller.