Eine letzte Bergtour vor der Abreise

 

Morgen verlasse ich unsere EOS und fliege übermorgen heim nach FN. Außerdem ist Sonntag. Die Arbeit ist für mich hier getan. Noch einmal möchte ich diese buchten- und bergreiche Gegend von oben sehen. Ich fahre mit dem Fahrrad das weite Tal bis zum fahrbaren Ende. Höhe: 33 m. 2 alte, verfallende Häuser vermitteln einen Eindruck früheren Lebens. Eng, nieder, bedrückend mit so viel Erde auf dem Dach, aber wohl kühl im heißen Sommer.

1 Haus mit Erddach aus vergangener Zeit

Über der Straße nach Marmaris fängt der Berg erst richtig an. Wie üblich pfadlos durch stacheliges, niederes Gewächs. Immer weiter wird der Blick. Dann will ein Felsriegel den weiteren Aufstieg versperren. Kann er aber nicht. Es gibt einen Durchstieg und dann bin ich schon fast oben. 322 m zeigt das GPS. Nicht gerade eine grandiose Höhe, aber der einzige Berg im Nahbereich. Jetzt blicke ich auf der anderen Seite in die Bucht von Selemye.

8 Die Bucht von Bozburun 10 Auf der anderen Seite, die Bucht von Selemye

Ebenso schön wie die von Bozburun. Ein Steinmann kennzeichnet den Gipfel. Also kommt gelegentlich doch jemand hoch. Aber Pfad oder gar Markierung gibt’s nicht. Dabei findet man den Durchstieg durch das Felsband gar nicht so leicht. Eine gute Gipfelrast mit Brotzeit – und dann geht’s langsam wieder nach unten. Um 11 Uhr fahre ich mit dem Rad wieder in der Werft ein. Da bleibt noch viel Zeit für einen Ausflug ins nette, ländliche Bozburun.

Alle Bilder, aber nur Handy- Fotos findest Du hier

Der Kiel

Hier, halb unter freiem Himmel, entsteht eine 40 m lange Gulet aus Mahagoniholz. Ganz am Anfang bauen die Handwerker den Kiel. Als mächtiges Rückgrat der künftigen Gulet liegt er noch flach. Die geschwungene Bugform wird durch vielfaches Verleimen dünner Mahagonibretter in diese elegante Form gezwungen. Das Heck entsteht durch Verleimen dicker, schwerer Bretter.

5 Noch liegt der Kiel mit dem eleganten Bugbogen flach
Noch llegt der Kiel mit dem eleganten Bug-Bogen flach
6 Das Heck der künftigen Gulet
Das Heck der künftigen Gulet

 

Jetzt wird der Kielkasten aus Stahl mit vielen dicken langen Bolzen fest mit dem Kielbalken verbunden. Diese Verbindung muss sehr stabil sein, um die Kräfte des Rumpfes beim Segeln oder in hohen Wellen sicher auf den schweren Kiel übertragen zu können. Noch ist der Kielkasten leer. Später wird der hölzerne Kielbalken noch einmal angehoben und der Kielkasten mit Stahlgranulat gefüllt um das Gewicht zu erhöhen. Den ganzen Tag hallen die Hammerschläge über die Werft, wenn die langen Bolzen durch die engen Bohrungen getrieben werden.

3 Mit wuchtigen Hammerschlägen wird er Kiel mit dem Kielschwein verbunden
Mit wuchtigen Hammerschlägen wird der Kiel mit dem Kielschwein verbunden

Kettensägen trennen überstehendes Holz und elektrische Handhobel glätten den verleimten Kiel. Jetzt kann der mächtige Kiel senkrecht gestellt werden. Er ist bereit für den Anbau der vielen Spanten. Wenn der Kiel senkrecht steht, lässt, der Tradition folgend, eine Ziege am Bug der Gulet durch Schächten ihr Leben. Wir sind eben im Orient.

10 Der Mitarbeiter löst das Kranseil
Ein Mitarbeiter löst das Kran-Seil
11 Traditionell wird nach dem Aufstellen des Kils eine Ziege geschächtet
Tradition: nach dem Aufstellen des Kiels wird eine Ziege geschächtet

 

Alle Bilder (nur Handy- Fotos): Hier

Vorletzte Arbeiten am Schiff

Die Dichtungsstreifen in der Bilge müssen noch eine Woche trocknen, bevor sie bereit zum Abschleifen sind. Dann werden noch einige Schrauben nachgezogen. Der Baum ist auf dem Schiff, die Holz-Gangway habe ich verbessert (mit Querleisten)  und eine neue Auflage für diese gebaut. Morgen putze ich die EOS innen noch und mache sie segelklar. Strom abschalten, Kühlschrank aus und offen, alles mit der Plane abdecken gegen den Staub der Werft..
Mit Nail habe ich vereinbart, dass er mit der Yard das Aus- der- Halle- ziehen, Kran holen und Einwassern terminlich abstimmt. Ziel: Wir kommen im Mai  am Morgen an, stellen den Mast und wassern ein. Dann müssen wir hier nicht mehr auf dem Trockenen nächtigen sondern vor Anker im Meer.
Strb- Koje, Verkleidung 1      Strb- Koje, Verkleidung 2

Hier ein Foto von der nun mit Holz verkleideten Bordwand in der Stb-Koje, die 40 Jahre lang eine schwedisch-hellblaue Cord-Verkleidung trug, die beim Törn naß wurde und nun entfernt wurde… Als Wiedergutmachung für die „Himmellöcher“ wegen zu langer Schrauben:-)….

Das vorhergesagte schlechte Wetter zog in Form von Wolken und 5 1/2 Regentropfen vorbei. Jetzt glänzt der Himmel wieder.

Döner im Salonu

Der  „ILHAN DÖNER SALONU „…

…so fügt sich der Name auf der elektronischen Werbetafel über dem Lokal zusammen. Größe des Lokals etwa wie ein übliches Wohnzimmer bei uns. Im Tresen, der das Zimmer trennt, machen die angebotenen Speisen den Mund wässrig: Verschiedene rohe Fleischsorten, Köfte, Spieße, Meatballs, ein paar Vorspeisen und natürlich die Schalen für Zutaten zum Döner. Ganz außen zwei Tagessuppen im Angebot. Hinter diesem Wall rotiert der Chef, stämmig, mit Kochmütze. Ganz an der Wand dreht ein Dönerkegel seine schleichenden Runden. Vor dem Tresenwall haben 2 Vierertische Platz. Sie sind bei dem windigen, kühlen Wetter gut besetzt. Alles setzen ein paar Neonröhren ins kalte Licht. Vor dem Lokal auf dem Fußweg haben noch einmal 3 Tische Platz. Passanten weichen auf die Straße aus. Genau gegenüber parkt immer ein Motorrad. Erst als ein Auto ganz nah vor dem Motorrad eine überaus enge Parklücke nutzt und der Kellner mit dem Chef darüber spricht, erkenne ich den Sinn. Das Motorrad hält die Straßenseite gegenüber dem Salonu parkfrei, damit die Autos nicht so nah an den Straßentischen vorbeifahren müssen. Als das Auto den Parkplatz verlässt, postiert der Kellner sein Motorrad strategisch noch günstiger. Jetzt schafft es auch der beste Parkkünstler nicht mehr zu parken.

Ich gehe am Mittag ins Lokal, sehe mir an, was schmecken könnte und entscheide mich für die Suppe, die gut aussieht. Da alles Schwere sinkt und mich ein Blind Date  mit ihr erwartet, hebt der Kellner eine Kelle voll hoch und bemerkt „Fleisch“. Ich bleibe dabei. Dazu noch Su (Wasser). Die elektronische Werbetafel formiert auch „Beer“,  aber das habe ich noch niemand hier trinken sehen. Vielleicht weil die Moschee nebenan steht. Ich sitze noch keine Minute an einem der Außentische, da steht die Suppe und ein Korb Brot vor mir. Rindfleisch, Kartoffeln und Gemüse zeigen sich. Schmeckt sehr gut. Ich erinnere den Kellner „Bitte Wasser“. Der Chef hinter dem Tresen verkleinert den Dönerkegel mit einem langen, dünnen Messer. Viele take away Döner sind gefragt. Das geht zack zack. Brot in den Röstapparat, Klappe zu, Döner dünn runtersäbeln, Brot aus Röstapparat, Zwiebel, Tomaten, Joghurt (?) Salat, 2 lapprige Pommes und dann viel Fleisch zwischen das Brot (sind eher übergroße Semmeln). Alufolie abgerissen, eingewickelt, alles in Plastiktüte, 3 TL (1€) kassiert, fertig. Bei mehr als 3 Döner hat der Säbel Pause, dann rattert das elektrische Dönermesser. Zwischendurch bemerke ich nochmals „Lütfen, Su“ (Bitte Wasser) und esse weiter. Sofort wenn der Teller leer gegessen oder zur Seite gestellt, oder man sich zurücklehnt, wird abgeräumt. Das ist überall so Sitte. Dabei steht der Kellner vor mir, verharrt, wirft den Kopf leicht zurück, erinnert sich und bemerkt „Su“. Er eilt ins Lokal und bringt die Flasche Wasser als Nachtisch. Türkische Kellner eilen, es ehrt, schnell zu bedienen.

Dieser Döner Salon brummt mittags. Handwerker, Männer mit Krawatte…- aber Frauen habe ich dort noch nie gesehen. Drei Gäste, ich sehe an ihren Händen, dass sie Hand-Werker sind, bestellen und setzen sich am Nebentisch. Mit eingezogenen Schultern, vorgebeugt und  mit aufgestützten Armen löffeln sie ihre Suppe. Da fallen mir die Ermahnungen meiner Eltern ein: „Sitz beim Essen gerade und stütz Deine Hände nicht auf. Sonst verbrennst Du dir die Nase in der Suppe.“ Die Handwerker, die den ganzen Vormittag mit einem schweren Hammer und über Kopf 10 cm lange Nägel in dicke Holzplanken geschlagen haben, dürfen gebeugt sitzen und die Hände auf der Tischkante abstützen! Kopfarbeitern sei das nicht gestattet.

Mittlerweile scheine ich als Stammgast zu gelten: weil ungefragt ein Glas Tee auf Kosten des Salonus vor mir steht.

PS.: Die Überholung unserer EOS geht dem Ende entgegen. Das Teakdeck schaut gut aus, Kajüte und Plicht sind frisch lackiert, nicht so super wie bei uns, das habe ich auch nicht erwartet. Die Decke im Salon hat einen schönen, weißen Unterzug. Die Fugen in der Plicht sind geschlossen, können aber erst nach 3 Wochen geschliffen werden, weil die Dichtmasse langsam trocknet. Alle Beschläge sitzen an Ort und Stelle. Das Unterwasserschiff habe ich heute abgeschliffen. Unterwasser- Farbe wird von den Bootsbauern im April aufgebracht. Und ein Teil der Decke im Vorschiff wird eingezogen sobald das Material angeliefert ist, voraussichtlich morgen. Alles Mögliche konnte ich während der Zeit hier in Ordnung bringen und – der Kühlschrank funktioniert wieder -!

Der Ausführungsstandard hat nicht die Klasse wie wir ihn in Deutschland gewohnt sind. Am Können liegt es wohl nicht, eher an der Einsicht, warum so exakt zu arbeiten. Es kostet Nerven, immer wieder auf saubere Ausführung zu pochen und es ist auch nicht angenehm, so als „Aufpasser“ die Arbeit zeitweise zu beobachten. Da gabs einige Diskussionen. Auch wurden einige Arbeiten plötzlich als zusätzlich angesehen  um den Preis zu treiben. Aber es kam alles wieder ins rechte Lot und wir waren eine fröhliche Truppe. Das Ergebnis wird sich sehen lassen können.

EOS mit neuem Salon-Himmel

Ghs Email:

Tiefer Winter hier, aber bei uns würde man sagen: Schöner Sommertag. 16°C Luft, 21°C Wasser. Es heißt, das sei der Winter hier. Also nur wesentlich kälter als im drückend heißen Sommer. Die glasklare Luft und das tiefblaue Meer könnten nicht schöner sein, aber kein Gast (außer mir) schätzt das. Nicht ein Sportboot, das ankert oder im Hafen liegt. Die meisten Restaurants haben geschlossen und die Geschäfte auch. Schade dass EOS nicht schwimmt.

Die Löcher der zu langen Schrauben sind nun abgedeckt m.d.Platte
Die Löcher der zu langen Schrauben sind nun abgedeckt m.d.Platte
Eos Salon mit korrigierender neuer Verkleidung am Himmel
Eos Salon mit korrigierender neuer Verkleidung am Himmel

Heute haben die Bootsbauer den neuen Himmel unterzogen. Er sieht gut aus An den Rändern sind lackierte Leisten. Es ist schon eigenartig. Die Leute haben nicht das Empfinden für sehr saubere Arbeit. Sie sehen die Notwendigkeit nicht. So muss ich immer wieder sagen, wie man das und dies macht und wie ich es auf keinen Fall haben möchte. EOS sieht jetzt sehr gut aus. Heute sollte lackiert werden, aber es bläst ein so starker Nordwind, dass die Oberfläche staubig würde.

Das neue Teakdeck macht sich sehr gut und die Plicht soll übermorgen fertig sein. Die Beschläge sitzen wieder an Ort und Stelle.
Dennoch kostet diese Arbeit starke Nerven. Die beiden Bootsbauer arbeiten fleißig …aber unglaublich schludrig. Ihr Werkzeug liegt überall rum. Die Muttern und Scheiben, die sich im Inneren gelöst haben, bleiben mit allem Dreck liegen, wo sie hinfallen. Natürlich haben sie jetzt viel Zeit mit Suchen verbracht und ich muss immer hinterher sein, dass kein verzinkter oder unpassender Ersatz verbaut wird. Die viel zu kurzen Schrauben für die schwere Ankerwinde am Schiffsbug vorn haben nur 2 Windungen in der Mutter gefasst. So werden manche Arbeiten zweimal ausgeführt-aber nur, weil mein wachsamer Kontrollblick die Fehler entdeckt…. Bei ihrem sehr günstigen Angebot haben sie nicht mit deutscher Pingeligkeit gerechnet. Wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes kommt, dann hat sich die Arbeit hier aber schon gelohnt, zumindest finanziell  (1/3 v. deutschen Preis) und das Boot ist fertig im Mai ’15 zum Weitersegeln!! 

Wäre ich nicht vor Ort,  hätte uns im Frühjahr wohl eine böse Überraschung erwartet. Das ist nix für Leute, die nach 4 Wochen Ferien wieder zur Arbeit müssen.
Dennoch bin ich gerne hier, die Leute sind fröhlich und angenehm und ich tauche in eine andere Welt der traditionellen Holzbootsbauer ein. Da entstehen in Hinterhöfen 30m lange Gulets, Spanten werden zu eleganten Bögen geformt und 6cm dicke Balken legen sich in vollendeter Passform darüber. Die Luft ist erfüllt von Hobelsirren, schweren Hammerschlägen und lärmenden Kettensägen. EOS wirkt etwas filigran in dieser Umgebung. Neben der EOS entsteht gerade eine über 40m lange Gulet. Ich habe hier noch nie jemanden mit einem Plan gesehen. Irgendwie geht alles nach Augenmaß. An einer anderen Gulet fehlt plötzlich die hintere Hälfte. Sie wird verlängert. Gut dass ein Teil der Leute Englisch spricht. So erfahre ich viel über diese kleine aber doch bedeutende Gemeinschaft in deren Mitte ich sein darf.
Ich habe jetzt 3 spannende Zeiten erlebt: Die Donaureise, dann das weite Schwarze Meer und die Segelwochen an der schönen Türkeiküste entlang und jetzt die Zeit hier in der Werft in Bozburun. Nur abends ist’s einsam.  Der Ort ist 3 km entfernt. Kein Geräusch erfüllt die Werft und mein Internet- Guthaben ist erschöpft. So mach ich mir etwas Gutes zum Essen, süffle Rotwein und lese oder höre ein Hörbuch. 

Ungewöhnlich

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1. In die nächste Stadt, kein Problem
Bozburun liegt am Ende der Welt und die Shipyard noch ein Stückchen drüber hinaus. Die Dinge des täglichen Bedarfs, auch die für den Yachti kann ich hier kaufen, aber für alles Weitere ist die Reise nach Marmaris notwendig, das sind etwa 50 km. Ich laufe einen guten Kilometer zur Hauptstraße und wenn der Bus mit dem Schild MARMARIS (es gibt nur diese eine Linie) kommt, dann mache ich mich bemerkbar und steige ein. So geht’s immer wieder,Daumen hoch und ein- und aussteigen, ohne Haltestelle. Der Bus wartet sogar, falls ein Gast etwas abliefern muss und nach 10 Minuten wieder zurückkommt. Die Fahrt ist schön. Sie beginnt am Meer, serpentiert sich zu einem Pässchen hoch, die schöne Bucht liegt rechts weit unten, wunderbar. Auf der anderen Seite breitet sich unvermutet die ebenso schöne Bucht von Selemye aus. Jetzt schraubt sich der Bus wieder abwärts, dem Meer zu und umfährt sie. Links die blaue Bucht und dahinter felsbewaldete Berge. Die Straße windet sich durch ein Tal und erklimmt wieder eine Anhöhe. Noch einmal nimmt eine reich gegliederte Bucht mit bewaldeten Hängen den Blick gefangen. Orhanye. Viele Boote überwintern dort.
Der Bus fährt schnell, durchgezogene Mittellinien sind ohne Bedeutung, auch erkenne ich den Sinn von Zebrastreifen nicht. Querende Fußgänger scheinen völlig rechtlos. Bei meiner vorletzten Fahrt war ich Teilnehmer an einer Wettfahrt mit einem Leichtmotorrad. Dessen Fahrer mit der schönen Sozia (beide ohne Helm) gelang es auf ebener Strecke den Bus zu überholen, auf Steigungen hatte aber unser „Bus“ mehr Schwung zum Vorbeifahren. So ging das hin und her, bis ein Fahrgast aussteigen wollte. Rennen verloren.
Dann der Höhepunkt der Fahrt: Der Bus gewinnt langsam an Höhe und mit einem Mal liegt die Stadt Marmaris an der schönen sichelförmigen Bucht vor uns! Ein traumhafter Anblick. Rechts die fast geschlossene Bucht und links, hohe kiefernbewaldete Berge durchsetzt mit rostbraunen Felsen und in der Mitte die Stadt. Wikipedia informiert: 35000 Einwohner.
Der Bus nimmt auch gewisse Umwege, wenn Fahrgäste das wünschen. So hat er einmal eine Mutter mit ihrem kranken Kind direkt zur Klinik gefahren und am Nachmittag dort wieder abgeholt. Das Kind war fest in Decken eingewickelt und schlief wohl die Narkose aus. Heute auf dem Rückweg bog der Fahrer kurz vor meinem Ziel ab und steuerte ein Dorf in einem anderen Tal an (Gerdi, das Dorf, das wir beim Wandern besucht hatten) um einen Fahrgast abzusetzen Ich bin überzeugt, er würde wieder umdrehen. Stattdessen fährt er weiter direkt nach Bozburun. Muss ich jetzt mit dem schweren Rucksack eine Stunde zur Shipyard laufen? Auf meine Frage: „How can I come to the Shipyard?“No Problem. Und er fährt mich wieder den Weg zurück bis fast an mein Ziel.
Die „Busse“ übernehmen auch so einen Art Lieferdienst. Alle möglichen Pakete liegen neben den Sitzen. Ich habe mal ein geliehenes Fahrrad transportiert. Auch ein Motorroller war schon drinnen. Heute Abend hat er gestapelte Hocker dabei. Ich denke erst, auch das ist Liefergut. Aber als immer mehr Fahrgäste zusteigen, nehmen sich diese jeweils einen Hocker als Sitzgelegenheit. Irgendwie muss das aber doch grenzwertig sein, denn es entspannt sich eine angeregte scharfe Diskussion mit dem Fahrer, in der immer wieder das Wort „Jandarma“ fällt.
Die Busse sehen aus wie Sprinter, haben etwa 10 Sitze (ohne Hockerplätze) und fahren nach festem Abfahrtsplan. So eine Fahrt ist zwar ein Erlebnis, aber eines mit Risiko. Als ich Gerdi vom Flugplatz abgeholt habe, kam ich an einem Unfall mit einem Kleinwagen und einem dieser Busse vorbei. Beim Kleinwagen war die Fahrerseite auf Höhe der Rücksitze stark eingedrückt  und dem Bus fehlte die Frontscheibe. Wie es wohl den Fahrgästen auf den Hockern ergangen ist?

2. Shopping in Marmaris
Marmaris gefällt mir. Eine überschaubare Kleinstadt. Bin ich dort, so muss ich für unsere EOS etwas kaufen. Das Feine: Alle Schiffsausrüster liegen in 3 oder 4 kurzen Straßen. Werde ich beim einen nicht fündig, dann finde ich es bei einem anderen. Bisher habe ich dort ALLES bekommen (außer einem ganz besonderen deutschen Lacköl). Bei größeren Beträgen lässt sich auch handeln, aber nicht so wie auf dem Bazar. Doch 10% sind meistens drin… Obwohl ich das Feilschen nicht liebe. Irgendwie sind immer Leute in den Geschäften, die nur reden, aber nichts kaufen. Es scheinen Freunde zu sein. Dann und wann kommt ein Kellner mit dem besonderen türkischen Messing-Hängetablett mit den zierlichen, tulpenförmigen Teegläsern drauf. Geraucht wird aber draußen.
Neulich habe ich mir eine Jeans gekauft. Unser Größensystem ist dort unbekannt. Ich will immer wieder gehen, weil nichts Passendes zu finden ist, aber der Verkäufer zieht immer wieder  eine neue Hose heraus, bis mir eine gefällt. Nur die Beine sind zu lang. In einer halben Stunde soll ich die geänderte Hose abholen. Ich verlasse den Laden nach rechts, der Verkäufer mit der Hose nach links und nach einer halben Stunde kann ich meine neue Jeans anziehen.
Zeit für einen Kebab oder eine Suppe in einem Döner Salonu muss immer sein. Ich sitze, bestelle und nach einer Minute steht der Döner vor mir. Als ich spät abends hungrig vom Flug aus Deutschland ankomme, gibt’s kurz vor Mitternacht auch noch einen Wrap, serviert von einem freundlichen – sagt man da Wirt -? Er hat bis Mitternacht auf und in der Früh ab 7 Uhr, er selbst bedient, macht das Essen zurecht, 7 Tage die Woche. Wo sind denn die Frauen? Nur einmal bin ich von einer Frau bedient worden und hinter der Theke sieht man sie auch selten und beim Döner-absäbeln nie.
Für Metallarbeiten muss man ins Industriegebiet. Nur ¼ Stunde zu gehen. Das hat wenig gemein mit unseren Hallen. Vielmehr wird hier in größeren Garagen- und davor -auf ein paar Maschinen gearbeitet. Autowerkstätten haben ihren Bereich, Sanitärleute, Schlosser und Edelstahlschlosser auch. Ich will kleine Kerben in Abflußstutzen machen lassen. Der Edelstahlschlosser setzt die Flex an, glättet mit der Feile und poliert am Polierbock. Die Stutzen glänzen wie neu im Laden gekauft, einwandfrei!
Zum Busbahnhof ist’s nicht weit und meistens bleibt noch gut Zeit für ein Glas Tee.

Abenteuer an der Ankerwinsch-Fixierung…

Mail:         Sonntag, 23.Nov. in Bozburun:

Bozburun (800x598)
Klarer Wintertag in der Südtürkei: Blick zur Hafeneinfahrt, rechts die Moschee v. Bozburun
Morgendämmerung, mein Ausblick aus der offnen Werkfthalle früh um 6
Morgendämmerung, mein Ausblick aus der offnen Werfthalle früh um 6 Uhr

„So langsam wird unsere EOS wieder vollständig. Heckkorb, Bugkorb und alle Beschläge sind angebracht, auch die Ankerwinde. Ich bin schon froh, dass ich dabei bin. Durch die unterm Teakdeck angebrachte neue Sperrholzplatte waren die Schrauben zu kurz. So haben die Schrauben nur an 2 Gewindegängen gefasst!!! Die Winde hätte sich wohl bei Belastung gelöst- und das dann im kritischsten Moment bei viel Wind …. Mustafa arbeitet nicht ganz gewissenhaft. Alles schaut zwar gut aus, aber man muss eben immer wieder korrigieren. Ich bin schon mit der Ausführung zufrieden, aber ohne meine Anwesenheit hätten wir im nächsten Jahr schon Überraschungen erlebt…!!“

Bug+Ankerwinsch
Bug+Ankerwinsch
Die EOS hat wieder Heckkorb ,Badeleiter u. Solarzelle
Die EOS hat wieder Heckkorb ,Badeleiter u. Solarzelle
Arbeiten am Heck, vhinter der EOS alles voller Gulets
Arbeiten am Heck, hinter der EOS alles voller Gulets+Yachtmasten