Arki, nördlich von Lipsi

Zauber des Sonnenaufgangs früh um 7 über dem Hügel am Meer. Anker auf. Landleine los. Gleich stürzen wieder die salzgischtigen Wellen über Deck und uns. Ölzeug, Gummistiefel,Lifebelt. Bis um 12 mittags sind wir heil in Arki, nördlich von Lipsi. Ankersalat und eifriges Verlegen. Disput in 4 Sprachen. Schotten. Ein Norweger aus Alesund. Holländer aus Utrecht, Amerikaner, Franzosen. Italiener,Canadier….Wir wandern hoch zur einsamen Bergkapelle. Traumhafter Rundumblick. Inseln. Meer…Man baut neue Ferienhäuser. Es gibt ein großes Solarfeld, im Acker stehen die schrägen Solarzellen, 2 m hoch. Gut so!Abends in der Fischtaverne eine internationale fröhliche Seglergemeinde…Gute Jazz-Musik von der CD als Background.

Patmos!

Sonnenaufgang um 7. Baden im Meer, 22 ° hat es hier im Wasser. Um 8 paddeln wir raus an die Felsen und wandern den Berg hoch, in den frischen Sonnemorgen. Hoch über uns thront die Festung. Ständig traumhafter Panoramablick über die Buchten und Inseln. Feigen am Wegesrand erfrischen uns…Dann tauchen wir ein in das enge Gewirr der steilen Gässchen von Hora. Pittoresk die kleinen niedrigen Häuser, liebevoll gepflegt, Bougainvillea wie Regen von den Mauern herabfließend, blaue Türen, mit Türklopfern…Geranien in Tontöpfen und Oliven-Pitàs,den toenernen grossen Gefaessen.Eines der 76 Kirchlein lässt uns durch die Pforte eintreten in den kleinen Klosterhof. Eine Glocke hängt da, ein Brunnen, Meerblick endlos in die Weite. Hibiskus blutrot, Schefflera mit Früchten wie Beeren, Palmen und Feigenbäume, gelbe Zitronen vor der Kulisse des azurblauen Meeres am Morgen. Keine Menschenseele. Hinter den Kirchfensterchen das brennende Öllicht – Stille. Österlicher Friede. Freude für eine Christin. Ich singe einen Taizé-Kanon…Oben bei der Klosterburg ein Café wie ein Adlerhorst am Fels. Drunter am Parkplatz spucken Busse die Ladungen an Touristen aus, Mönche in schwarzen Kutten als Führer, die Devotionalien-Händler wie Haie, Johannesbildnisse, Ikonen, indische Schals zum Bedecken der nackten Damenschultern in der Hl.Kirche, Nacktärsche am Strand als Postkarten, Schmuck, Namenstassen, Kitsch wie überall.

Wir wandern wieder hinab, immer auf felsigen Weglein, wie Eselpfade. Verlassene kleine Häuser, Ställe für Schafe. Wir blicken aufs Meer, ein großes Kreuzfahrerschiff in der Bucht, im Hafen dicht gedrängt und schaukelig ca. 30 Segler.Als wir den Mast der Eos schwojen sehen, sind wir wohl 15 km gewandert. Sooo schön nach all den Sturmwochen. Baden im Mondlicht. Unter dem Vollmond heute, erstaunlich treu die gleiche Bahn ziehend, ein ganz heller Stern. Es ist der Jupiter!

Beim Bad im Meer hat es noch 22 Grad.

Nordwind. Meltemi. Wie immer seit 5 Wochen.

Wir segeln mit 5-6 bft zur Insel Patmos, tapfer gegenan. Nordwind. Meltemi. Wie immer seit 5 Wochen. Wie Schnee auf dem Gipfel leuchtet weiß die Oberstadt Chora und wie eine Mitra drüber die Johannesburg. In einer nahen Höhle hat Johannes seine Apocalypse niedergeschrieben.Wir ankern in einer zauberhaften einsamen Ankerbucht hinter dem Dorf Grikos. Landgang. Wir wandern hoch und runter und landen in der Hafenstadt Scala unten am Meer. Morgen wollen wir aber eine richtige Tour machen. Ganz früh!

Richtung Türkei

Bis um 12 mittags hat der Skipper alles repariert. Er ist des Lobes voll für den ordentlichen, sehr ansprechenden Werftbetrieb. Viele werden am Travellerkran ausgewassert und überwintern hier. Auf geht’s zur Insel Lipsi!Gleich vor der stillen Bucht faucht uns der 6er heftig entgegen, 2 Reffs, hoch am Wind, hohe weiße Wellen- wie war das doch? Nun wird der Wind immer weniger Richtung Türkei?In Lipsi erhaschen wir eine dicke Mooring-Boje, die aggressiven Fallböen stürzen über die EOS herab. Mein Herkules paddelt das Schlauchboot trotzdem an Land, gegenan. Die Eos hebt fast ab. Im Dunkeln grillt Gerhard bei 1 m hohem Funkenregen die Steaks. Nachts wildes Mast-Vibrato, von 2-5 am wildestenIch hab es langsam satt…

Ein Sonntagmorgen

Wir segeln mit kräftigem Nordwind 4-5 bft voll gegenan nach Leros, später flauend, Motor dazu. Lesen an Deck. Gleich neben der Landebahn des kleinen, aber bedeutsamen Flughafens ist die Marina, viele Landlieger. Sicher an der Boje gehen wir an Land und treffen auf richtig große Ziegenböcke und Hammel, mit Glocken so groß wie die Allgäuer Kuhglocken. Dann baden wir im Meer, gut, dass ich vorgekocht habe: „Der Sultan war entzückt“- Kalbfleisch mit oriantalisch gewürztem Gemüse, Nelke, Zimt, Safran, Lorbeer. Orangen.Zwiebeln.

Die Insel Levita

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Levita
Gerdi und ich sind gerade „am Ende der Welt“, auf einer kleinen Insel mitten in der Ägäis. Zwischen den Zykladen und dem Dodekanes klafft eine Landlücke von etwa 60 Seemeilen und da in der Mitte Nähe Amorgos liegt dieses Inselchen Levita, etwa 2km lang und einen breit. Südlich und damit gegen den immerwährenden Nordwind geschützt liegt man in einer Bucht sicher. Das wäre nichts Besonderes, aber eine Familie bewirtschaftet dieses Land ohne einen einzigen wilden Baum in der 7. Generation. Sie halten Ziegen und Schafe und nehmen ihr Wasser aus einem Brunnen am Meer. Das Wasser ist noch trinkbar, schmeckt aber salzig. Auch werden Feigen und Kaktusfrüchte angebaut. Strom gewinnen die Leute aus einem Solarfeld (regierungsgefördert) und 2 Windrädern. Keine Handy- oder Telefonverbindung. Alles ist top in Schuss, keine Mauer eingefallen und die Häuser gut gekalkt. Gerade diese Insel wird von uns Seglern gerne aufgesucht, um eine Nachtfahrt zu meiden. Die Familie macht sich das zu Nutze, hat 8 Ankerbojen als Mooring versenkt, um das Ankern zu vermeiden, kassiert jeweils 7 Euro und wirbt für seine Taverne mit Selbsterzeugtem. Nahezu jede Mannschaft nutzt das. Wir bleiben hier 2 Tage und genießen die Ruhe an der Boje, paddeln an Land, baden. Die vergangenen 2 Wochen waren von Starkwind gezeichnet. 7Bft (das entspricht Wind für immerwährende Sturmwarnung am Bodensee), Böen 9. Nur unter 2 fach gerefftem Groß, evtl. ein bisschen Fock und mächtiger Schaukelei. In Häfen und Buchten vor 2 Ankern. Jetzt haben wir aber die windreichen Zykladen verlassen und nähern uns der türkischen Küste. Während im August in den Zykladen der Meltimi immer so stark bläst, ist er an den Rändern der Ägäis deutlich gemäßigter. Wir hoffen also auf eine friedlichere Weiterfahrt nach Norden, der türkischen Küste entlang. Morgen wollen wir nach Kos fahren und tags darauf in Bodrum in der Türkei einklarieren.

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Nach Syros, die Wellen haben uns wieder
Mittlerweile sind wir wieder weiter östlich, In Kos Marina. Sehr nobel, großzügige Liegeplätze, Alle Dienste direkt daneben, auch eine Laundry und Duschen, seit 11. Juli in Sizilien die ersten wieder.Arg friedlich war die Überfahrt hierher nicht. Das letzte Stück trieb uns nur das 2-fach gereffte Großsegel mit 5 Knoten vorwärts. Und wie hat uns die türkische Küste enttäuscht! Sie ist nur noch 2 Seemeilen entfernt. Lauter Feriensiedlungen auf einer Länge von 20 Kilometern. Deshalb haben wir unsere Pläne geändert und werden die Inseln des griechischen Dodekanes nordwärts segeln und etwa in Kusadasi auf der Höhe von Samos in der Türkei einklarieren. Diese Inseln haben viele geschützte Buchten.Einen kleinen Ausflug zu manchen griechischen Seekarten: Es gibt 2 hervorragende Werke, Den Eagle Ray und den Portelanos. Das sind dicke Hefte mit allen notwendigen Infos, sogar Pläne von Buchten und Häfen. Sie zeichnen aber die türkische Küste nur als Linie, sodass man gezwungen ist, für diesen Teil eigene Karten zu beschaffen. Die beiden Nachbarn sind sich wohl noch nicht ganz grün.Hier sind die Bilder:

Wind, Wind, Wind

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Syros im Abendlicht
Syros ist die zentrale Insel der Zykladen und die Hauptstadt Hermeopolos, Hermes-stadt = Ermoupolis das Tor nach Piräus und zu vielen Inseln. Tag und Nacht legen Fähren an, die Stadt pulsiert besonders nach des Tages Hitze ab 20 Uhr. Mehrere Tage sind wir dort „Gefangene des Windes“. Immerfort bläst der Mistral. Jeden Morgen informiert mich der Hafenkapitän: 7 Bft, locally 8. Die Wellen und der Fährverkehr wirken sich auch im Hafen auf unseren Liegeplatz aus. Die EOS schaukelt ständig im Schwell, wir haben 2 Heckanker ausgebracht und mit 4 Meter Abstand zum Ufer 3 Leinen festgemacht. „Fähre zum Land“ ist unser Beiboot micro EOS. Wir streichen die Kajütaufbauten außen mit Mahagoniklarlack, UV-beständig und erledigen andere Bordarbeiten, durchwandern die Stadt, die sich an zwei Hügeln erstreckt, oben jeweils mit einer katholischen und einer orthodoxen Kirche gekrönt und gehen gelegentlich hervorragend zum Essen.Nach sechs Nächten sind wir des Schaukelns müde und legen ab. Wie erwartet, erfasst uns draußen der Wind. Ölzeug, Lifebelt. Mit maximal gerefftem Groß, und winziger Fock schiebt uns der Wind ostwärts, 5 Stunden, der kleinen Insel Rineia entgegen.

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Vor Anker und Landleine in Rineia
Die Südbucht verzweigt sich an ihrem Ende, wir ankern im Scheitel und bringen zusätzlich noch eine Landleine aus um den Anker zu entlasten. Es weht mächtig, aber wir liegen sehr geschützt. Rineia ist eine kahle Insel vielleicht 70 Meter hoch mit vielen Buchten. Da und dort stehen ein paar Hütten, einige Schafe weiden. Wie alle Inseln hier ist sie auch braun, kein Grün, kein Baum, alles trocken um diese Jahreszeit. Es ist eine eigenartige Schönheit, die von dieser Insel ausgeht. Das türkisblaue Wasser der Bucht steht im Kontrast zu der braunen Insel. Vor Sonnenuntergang steigen wir auf einen Hügel und überblicken die ganze Umgebung beim Sonnenuntergang. Im Meer die weißen Schaumkämme auf dem Wasser, weiter drüben die Insel Delos und dahinter Mykonos mit den weißen Häusern. Ein paar Segler suchen auch das ruhige Wasser dieser Bucht. Aber weiter draußen weht der Wind nach wie vor mit voller Kraft. 2 Nächte genießen wir den Ort, dann sagt www.windfinder.de für den nächsten Tag „nur“ Bft 5-6 voraus.Tatsächlich flaut der Wind am Morgen stark ab und wir brechen auf. Draußen brist es sofort wieder auf und nur unter Standardbesegelung (2-fach gerefftes Groß) passieren wir die Nordseite der Insel Naxos. Hier haben die Wellen freie Bahn. Keine Insel hemmt ihre Kraft. Sie bilden Täler und Hügel und die EOS tanzt auf und ab. Wir muten die Steuerarbeit nicht dem Autopiloten zu. Zum einen möchten wir ihm diesen Kraftakt ersparen, er soll uns noch länger dienen, zum anderen verbrauchen die häufigen Steuerbewegungen Strom, die unsere Solarzelle nicht leisten kann. Schon seit fast 2 Wochen liefert die elektrische Energie ausschließlich die Sonne! Jetzt, wo die Wellen achterlich kommen, können wir endlich unser Ölzeug ablegen.Die kleine Insel Donoysa=Dendro verspricht eine geschützte Südbucht. Zwar stünde auch ein Hafen zur Verfügung, der erscheint mir aber bei dieser Windrichtung unsicher. Die Bucht ist wirklich geschützt. Das türkisfarbene Wasser säumt ein feiner Sandstrand. Draußen stehen Iglu-Zelte. Sogar Nudisten sonnen sich hier. Die absolute Ausnahme hier in diesem Land. Die Bucht hat aber eine Schwachstelle, ihren höchsten Berg Ormos Papas: Die Böen pfeifen nur so vom Berg herab aufs Wasser. Ich bringe zur Sicherheit noch einen zweiten Anker aus. Trotzdem erzittert das ganze Schiff in den Böen. Zum Sonnenuntergang rudere ich mit micro EOS an Land und steige eine Anhöhe hoch. Dort treffe ich einen Japaner, der von Tokio extra hierher auf diese kleine Insel gekommen ist um hier zu zelten. Weil es so ruhig ist, sagt er mir. Auf dieser Anhöhe steht eine Kapelle mit einem Grab. Ich beachte das Grab nicht besonders . Ein einheimisches Ehepaar informiert mich aber, dass in dieser Bucht ein deutsches Kriegsschiff von einem englischen Flugzeug versenkt wurde und die gefallenen Soldaten in diesem Grab beerdigt sind.Nachts lässt der Wind nicht nach, ja, er verstärkt sich noch gegen 3. Laut windfinder.de soll er ab Mittag für 2 Tage schwächeln. Ich bin gespannt, ob der Wettercomputer richtig liegt!Gerhard