3. Unter Segeln zur Westküste von Euböa

Porto Rafti, vor Anker 25. Mai 2010

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Mit einer weiteren Hallberg Rassy, der „Albatros“,  liegen wir nach einem sanften Nachmittagssegeln und herrlichem leichten Wind im Wellenschutz sicher hinter einer kleinen Insel. Das Meer leuchtet wie ein Smaragd grün-türkis im plätschernden Flachwasser am Felsensaum…

Ein Ausflug in die Politik:

2009 segelten wir ein halbes Jahr im Mittelmeer und  4 Monate davon in Griechenland,  und nun sind wir voraussichtlich wieder für weitere 6 Monate Gäste dieses Landes, das inzwischen von der EU aus dem finanziellen Disaster geholt werden muss.

Zeitung und Fernsehen berichten von Griechen, die über ihre Verhältnisse leben und jetzt, da die Geldvorräte des Staates aufgebraucht sind und Sparmaßnahmen beschlossen werden, sich erlauben, zu demonstrieren und zu streiken.

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In den Häfen, die wir anlaufen, habe ich nicht den Eindruck von großem Reichtum und wenig Arbeitswillen. Die Leute fahren ganz normale Autos, sind nicht teuer gekleidet und Häuser und Wohnungen deuten  auf keinen Luxus hin. Wir stellen fest, dass alles etwas langsamer abläuft und Pausen häufiger sind als in unserem Land üblich. Dafür kann man an 6 oder 7 Tagen einkaufen.

Uns fällt auf, dass in den Banken nicht nur das Geld streng bewacht wird, sondern auch die dort angestellten gleichfalls. Vor vielen Banken stehen kugelsichere Wachhäuschen und in jede Bank wird immer nur eine Person nach Aufforderung und wenn gleichzeitig eine weitere Person die Bank verlässt, durch kugelsichere Schleusen eingelassen. Wiederholte Anschläge sind der Grund dieser Maßnahmen. Kann es sein, dass nicht Einbrecher Geld stehlen wollen, sondern brutal eingestellte Landsleute mit den Verhältnissen unzufrieden sind? Weisen nicht die Verwüstungen gerade von Banken in den letzten Wochen darauf hin, wo eine Ursache der klammen Finanzlage liegen könnte, für die auch die weniger Reichen finanzielle Einschnitte hinnehmen müssen? Ich habe den Eindruck, dass die Menschen hier die klamme Lage ihres Landes deutlich erkennen und auch persönliche Einschnitte in Kauf nehmen. Aber sie klagen die Beamten und Wohlhabenden in den Großfirmen und die Politiker an, die ihrer Meinung nach Ursache des jetzigen Zustandes sind oder durch Vertuschung und Korruption zusahen, wie der Bankrott sich anbahnte. Wenn wir in einen Hafen mit großen, sauberen, weißen Jachten einlaufen, dann habe ich von deren Eignern doch gelegentlich den Eindruck von Hochnäsigkeit. Das ist aber eben nur ein un-gutes Gefühl, und eher selten.

Die liebenswerte Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft aber ist unverändert, der Monteur nimmt mich im Auto mit und erledigt spontan seine Arbeit, 8 € will er, und das ist eigentlich nur der Preis für den Dieselfilter.

Gerhard

Pfingstwoche, 26.Mai 10, Nähe Rafti: GERDI

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Ruhig blieb die Nacht. Am goldenen Morgen ein Bad im Meer…6 Stunden seidenweiches Segeln und 1. Sonnenbad an Deck mit einem Buch. Nach 16 Uhr fällt der Anker hinter der  Insel, die Bucht ein Juwel von blau und türkis bis hellgrün! Einige pompöse weiße Villen zwischen Pinien. Harzduft liegt in der warmen Luft des Nachmittags…

Ich koche 750 g Gulasch aus reinem Rindfleisch, so wenigstens entziffere ich mit Hilfe des Alphabets im Wörterbuch das Artikelschild mit den griechischen BuchstabenJ! Bandnudeln, Ruccolasalat mit reichlich Dill (der hier pfundweise gebündelt verkauft wird), Honigmelone.

Ein traumhaft roter Sonnenuntergang begleitet mein Flötenspiel, das mit Echo vom Inselrücken zurückkommt. Erste Sterne. Gelb die helle Venus. Gerhard studiert erstmals den neuen scheibenförmigen Sternatlas… Überm Mast steht der Große Wagen, und dann geht der Mond auf, fast voll schon.

Lautlos die Nacht, kein Wellenschlag, nur 1 Frosch quakt am Ufer. Auch der Morgen ist voller Zauber. Ich flöte „Die güldne Sonne“ und „Es tagt der Sonne Morgenstrahl, weckt alle Kreatur…“ und „jeden Morgen geht die Sonne auf und die schöne,scheue Schöpferstunde, jeden Morgen nimmt sie ihren Lauf.“ Ein Lobgesang. Auch für Vati, der nach einem Sturz auf Reha verlegt wurde in Nürnberg für 14 Tage.

27. Mai, 6 Stunden, meist unter Segeln

Wir nützen den Wind, der anfangs wieder voll dagegen weht, folgen der Inselküste, an der meist der lokale Wind entlangstreicht oder „der Küste folgt“, kreuzen auf, zählen die endlos in Reihen stehenden fleißigen Windflügler am Kamm. Kaum eine Segelyacht unterwegs. Doch dann: eine blaue kleinere. Ich sag so vor mich hin: Wär doch toll, wenn uns mal dieses junge Paar aus der Schweiz wieder treffen würden, das wir in Leuca („Stop! Don’t go out. 8 Beaufort and more!“) kennenlernten und die mit uns nach Ericousa segelten im stürmischen Seegang. Und da stoppt das Schiff, die rote Fahne mit dem Schweizer Kreuz drin, Rufe vom Bug, „Hey, EOS!!!“. Sie steuern zurück und kommen her, welch eine Freude des Wiedersehens. Sie kommen vom Norden, wo wir hin wollen, haben erneut Zeit bis Oktober. Ein Paar des Glücks.

Dann schwenken wir ein in die uns wohlbekannte Boufalo Bay, die uns am 4. Oktober 09 so friedlich umarmte nach heftigem Gebraus und Gewell. Das kleine Rund des Naturbeckens in der Bucht, die vertrauten paar Häuser, die gepflegten kleinen Kaiken der Fischer. Wir grüßen das Schiff „Prima vera“ mit der vermeintlichen Italienerflagge grün-weiß-rot am Heck mit „Buon giorno“ und schmunzelnd antwortet der bärtige Skipper: Okay, but that’s Ireland, my flag is green-white-orange, my port is DUBLIN!“ Ich flöte ihm nach dem Ankern „Should old aquaintance…“ und er freut sich sichtlich darüber.

Die Franzosen lauschen meinem „Au clair de la lune“ und „Au jardin de mon père les lilas sont fleuris“, ein Verstehen ohne Worte.

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An Land bummeln wir durchs Dorf und 3 alte schwarz gekleidete Frauen, die Jajas, Omas, erkennen mich wieder, die Frau mit der Flöte. Gut, dass mir alle
Zeilen des griechischen Textes vom Schäferlied einfallen: “Prowatakia stin plaja, aspra, mawra, kastana, din din din.“

Wir wandern den Hügel hoch, gesäumt von großen Olivenbäumen, hier blüht noch der stark und süß duftende goldgelbe Ginster, 2 Meter hoch. Daneben mannshohe Disteln, auf denen sich große,metallisch- schillernde grüne Käfer tummeln, gierig zu zehnt nach dem Nektar tauchend, taumelnd umflattert von weißen Schmetterlingen, gemustert wie bei uns der „Admiral“.

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Im nächsten Dorf erkennt uns in der kleinen Bar ein Fischer wieder, ja, Oktober, im letzten Jahr. Die Unterhaltung gelingt nicht recht, dann auch die 5 Frauen reden nur griechisch. Eine war in Tübingen, das verstehen wir. Aber dann kommt eine 15-jährige Schülerin, und die dolmetscht vorzüglich in Englisch. Das dicke Kompliment wird sie der Lehrerin erzählen.

Als wir am Abend im Cockpit im warmen Licht der Petroleumlampe unser Kotelett aus der Pfanne verspeisen, schallt von Land eine Flöte. Virtuos gespielt ein Stück. Ein liebes Geschenk. Ruhig die Nacht. Früh bekommt Gerhard beim Wasserholen einen 40 cm-Thunfisch geschenkt, 6 cm dick der silbrig glänzende Rumpf. Der kommt aufs erste Grillfeuer.

Abends schleicht noch der schmucke Taiwan-Klipper in die Bucht. Nun sind wir 5 deutsche Schiffe. Augsburger, Mannheimer, die mit 50 „aufgehört haben zum Schaffen“ und seitdem Nordsee, Kanal, Biscaya, Tunesien, Griechenland für jeweils 6 Monate besegeln. Nett das mit dem Wein immer fröhlichere Lachen im Cockpit. Man kennt sich, von der Winterlager.

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Am Morgen des 29. Mai kündigt der Wetterbericht für Montag / Dienstag ein kräftiges Tief aus Tunesien kommend an, mit 8-9 Windstärken und 3-4m hohen Wellen. Dieser Blog-Bericht bleibt wohl bis dann im Notebook gefangen, denn bis Chalkida haben wir kein Internet.Diesen Link für die Fotos anklicken

Artikel 2: Unser T??rn beginnt!

Vom Winterlager zum Kap Sounion unter Segeln

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EOS wird sanft zu Wasser gelassen, sie ist dicht, Motor und Echolot funktionieren. Nach einem ölreichen Abschiedsmahl (Sardinen,Calamares, griech. Salat mit Feta) in einer Taverne im Dorf Kilada liegen wir noch eine ruhige Nacht vor Anker in der geschützten und schönen Bucht. Anderntags unternehmen wir einen kurzen Törn in eine ähnliche Bucht bei Porto Heli. Wir durchstreifen dieses Örtchen und kaufen ein. Hotels geschlossen, Vorsaison, nur die Chartersegler sind schon da…

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Der nächste Tag führt uns in eine wilde Bucht bei Kap Skillaion. An den mächtigen Klippen brechen sich die Wellen und bilden mit den Gewitterwolken die richtige Stimmung für uns. Eos schaukelt mächtig, da die Wellen in die Bucht dringen. Der Anker und die neue Ankerkette halten das Schiff aber sicher. Nach einem kurzen Regen am Morgen steigen wir ins 20°C warme Meer. Hoch über uns steht auf einer Klippe ein kleines kalkweißes Kloster. Wir rudern mit MICRO EOS, unserem Schlauchboot, an Land und steigen hinauf. Natürlich findet sich kein Mönch mehr, der hier abseits jeder Siedlung leben möchte. Dennoch wird das Kloster gepflegt. Ein kleines Haus als Wohnung für höchstens 4 Mönche, ein Kirchlein, eine Zisterne und um alles eine Mauer. Herrlicher Ausblick über die türkisblau leuchtende fjordähnliche Bucht, drüber schwere graue Regenwolken.

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Nächste Station unserer Reise: Poros. Erika war vor einem Jahr hier auch dabei. Poros steht für Regen und Ankerprobleme. Letztes Jahr haben wir mit viel Kraft unseren Anker von der benachbarten Ankerkette befreit, diesmal geriet unser Heck-Ankertau bei einem nächtlichen Anlegemanöver um 2 Uhr in die Schiffsschraube der rückwärts fahrenden Charteryacht. Nach einer komplizierten „Befreiungsaktion“ mit Taucheinsatz regelten wir die Sache anderntags in aller Freundschaft und mit neuem Ersatztau, durch den griechischen Skipper bezahlt. Das Anlegen ist an dieser Stelle nicht einfach, da eine Strömung seitlich verschiebt, wenn die Yachten quer zum Strom ankern. Wir hatten anderntags gleichfalls Probleme beim Verlassen des Platzes.

Gerhard

20./21.Mai 2010, Ankerbucht

Um Mitternacht weckte mich mein Schatz, um mit mir bei Kerzenschein und 5mm Ouzo auf meinen 62. Geburtstag anzustoßen. Lieb! Frühstück vor Anker. Im Kirchlein am Felsenrücken zünden wir 3 handgezogenen Kerzen an für unsere 3 Kinder. Ein schöner orthodoxer Brauch. Mit schönem Wind kreuzen wir übers beschauliche Meer.

In Poros ist der neue Kai an der Promenade fertig, mit Blumenrabatten und stiefmütterchen-umrankten Müllcontainern…Es wurde kühler, nur noch 18°C. Wir laufen 1 Stunde hügelan und rund ums Dorf, erwerben 22m dünneres Fockfall, gehen in eine Taverne und sofort geht ein Wolkenbruch nieder, es lärmt der unaufhörliche Starkregen, prasselt auf die Tavernen-Markisen, stürzt wie ein Wasserfall durch Risse und Lücken, in Strömen zwischen die Tische, die Gäste flüchten. Wir sitzen einigermaßen geschützt, speisen Kleftiko (Lamm im Tontopf mit Gemüse, aus dem Rohr), trinken Retsina und Kaffee und staunen über die gewaltigen Wassermengen. Kalt. Lange Hosen, Pullover, die Griechen in Trenchcoats und Anoraks. Gerhard holt 2 Schirme und so kehren wir im Regen (wie im Oktober 2009!) zurück zum Schiff. Das war mein Geburtstag, unvergesslich J !

Früh kaufen wir in der blitzsauberen Markthalle einen 30 cm-Thunfisch und lassen ihn längs halbieren, damit er in der Pfanne gar wird. Marinieren werde ich ihn in Zitrone, Dill, Olivenöl, Knoblauch! Auch ½ Huhn lasse ich in 4 Teile hacken, die maisgelben, krallenbewehrten Hühnerfüße behält der Händler… Für Köchinnen:In Marinade aus Olivenöl, Knoblauch, Rosmarin und Zitrone wird es mit Möhren, Zwiebeln und Kartoffeln ein Schmorhuhn, 20 Min. im Drucktopf).

Wir wandern hoch zur höchsten Kapelle, über zahllose weiß gekalkte Treppen, vorbei an schmucken Häuschen mit karminroter Bougainvillea, leuchtend gelben Zitronen an den Bäumen, Geranien in zahlreichen Pötten vor den hellblauen Türen und die Treppen hoch, Weinlaub-Dächer über den engen Gärtlein, 3 m hohe „Hasenohren-Kakteen“ mit gelben Blütenzapfen wie Kerzen auf den Rändern, Palmen rascheln im Wind, unten dicht an dicht die Yachten, oft wehen stolz die großen Fahnen der Norweger, Schweden, Finnen, Engländer, Franzosen. Noch wenige Deutsche sind da. Wir werden den Kai verlassen und frei ankern vor dem Kloster.

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Gerhard montiert an Stelle der havarierten Heckanker-Leine die ehemalige Buganker-Kette am Heck.

Um 20 Uhr ertönt dieses uns schon bekannte Trompeten-Solo und der Ruf zum Fahne-Bergen zum Zapfenstreich auf dem Turm der Kaserne.

Am Morgen ertönt das Glockengebimmel des Klosters und von halbacht bis halbzehn Uhr singt der Pope wunderschön die Pfingstzeremonie. Was für ein Morgen! Blau das Meer, weg die düsteren Wolken, leichter Wind… Wir sind dankbar für den Urlaub….

Martin rief aus Erfurt an, wo er seine Multimedia-Installation für die Augsburger Puppenkiste abfbaut, übermorgen in Eisenach, Erika freut sich nach 2 arbeitsreichen 15-Std-Tagen im Hotel auf eine Radtour und das neu erlernte Kajakfahren, Jojo macht eine Bergtour, I+H sind in Südtirol auf Wanderurlaub und Vati freute sich putzmunter über mein morgendliches Flötenständchen („Lobe-den-Herren“)-und so sind wohl heute mal alle glücklich. Liebe Grüße nach Deutschland, wo es ja inzwischen auch endlich wärmer ist!

Pfingstsonntag, 23.5.,

vor Anker unter dem ehrw&uuml
;rdigen Tempel auf dem Felsenkap Sounion, dem wohl nach der Akropolis berühmtesten Foto-Motiv aller Griechenlandurlauber. Die EOS schwojt zwischen (meist viel größeren!) Yachten diverser Nationalitäten. Es schaukelt hin und her und ich bin froh, dass ich den Drucktopf habe zum Huhngericht, denn der Deckel bleibt hermetisch zu und dicht auch wenn der Topf recht voll ist.

Ich wurde im letzten Jahr gebeten, doch öfter auch das Rezept zu schreiben zum Nachkochen. Hier also aus dem Kopf dieser Schmortopf mit Huhn und Gemüse, dessen türkischer Name in einem früheren Kochbuch mediterraner Küche diesen romantischen Namen trug:

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HUHN, „ Der Sultan war entzückt“

4 bis 6 Hühnerteile, 1 Tag mariniert in Zitrone, Olivenöl, Knoblauch, Rosmarin, Paprika u.Curry

1 Zwiebel, gespickt mit 2 Nelken

6 Pfefferkörner

3 Wacholderbeeren

½ Tl Chili-Samen

½ Tl Kreuzkümmel

1 Tl Zimt

Thymian + Rosmarinnadeln

Selleriesalz

Pfeffer aus der Mühle, reichlich

3 Kartoffeln, 3 Möhren, in Stücke schneiden

1 Tasse Weißwein

Zwiebel anbraten, Knoblauch dazu, Huhn anbraten und danach rausnehmen.

Gemüsewürfel anbraten, Gewürze dazu, mit Weißwein ablöschen( ich nahm den geharzten Retsina)

Braunen Bodensatz losköcheln, noch 1 Tasse Wasser dazu u. evtl. einen Hühnerbrühwürfel

Im Drucktopf 15-20 Minuten, im Backofen bei 160° ca. 45 Min.

Nachwürzen mit Salz, Zitronensaft, etwas Wein, evtl. etwas braunen Zucker.

Kali orexi, Guten Appetit! Danach 1 Glas Ouzo und 1 Tasse Kaffee!

Tip: Möglichst ein „gutes“ Huhn kaufen, keines aus der TK-Truhe nehmen, hier gibt es vollfleischige köstliche mit etwas Fett unter der Haut.

GERDI, inzwischen im Fährhafen Loutrion, Ausgangspunkt vieler Charterskipper

Hier die Bildershow:

Den folgenden Link anklicken, falls Ihr die Slideshow sehen wollt, anschließend über den Fotos auf „Slideshow“ klicken

Die bisherige Reiseroute könnt Ihr hier sehen.

EOS wird vorbereitet

Wieder bei der EOS

Wir lassen die Eisheiligen im kühlen Norden zurück und fliegen ins sonnige Griechenland. Dort in Kilada, südlich von Athen, hat unsere EOS den Winter vollkommen unbeschadet überstanden.

Schlagartig legte der Wind gestern am Abend auf 6 Bft. zu und das hielt er 24 Stunden durch. Dabei strahlte die Sonne aus stahlblauem Himmel, 28°C. In Böen vibriert das gesamte Schiff auf seinem Stahl- Gestell an Land.

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Arbeit an den Schiffen an Land

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An dieser schönen Bucht hat die EOS den Winter verbracht

50 Meter zusätzliche Ankerkette füllen den Ankerkasten, die Solarzelle steht wieder am Heck und lädt die Batterien fleißig und das Unterwasserschiff wirkt mit dem neuen frischen schwarzen Anstrich ganz edel. Ich habe im Herbst einige Dreikantmuscheln am Propeller übersehen, eigenartige Tiere, die sich immer im Kreis drehen, ohne Schaden zu nehmen. Auch andere vorbereitende Arbeiten sind jetzt erledigt, Stahl und Messing  glänzen in der Sonne. Morgen wird  die EOS zu Wasser gelassen. Das ist für uns ein spannender Augenblick: Haben wir nichts übersehen? Dringt kein Wasser ein? Funktionieren Motor und Echolot?

Hier einige Bilder vom „shipyard“:

Die Vorbereitung zur Reise 2010

Unsere EOS „schläft hoffentlich sicher und behütet in Kilada auf dem Peloponnes, während wir uns auf die neue Reise vorbereiten:

  • Post umleiten
  • Wichtige Dienste zu Hause regeln
  • Wohnungsmieter während unserer Abwesenheit einweisen
  • Auslandskrankenversicherung regeln
  • usw

Eine Kiste ist mit allem was wir mitnehmen möchten vorbereitet. Die Flüge sind gebucht, wir haben unseren voraussichtlichen Termin zum Einwassern der Werft mitgeteilt.Gelegentlich sehen wir uns im Internet unter „poseidon“ das derzeitige Wetter dort unten an. Der Wind kommt jetzt überwiegend aus Süden und Südwesten und auch die Sonne scheint oft bei 16 bis 18°C. Gelassen sehen wir unserer Reise entgegen und genießen den schönen kalten Winter.Auch diese Reise wird keine Rekorde brechen. Gerdi und ich möchten Land und Leute kennen lernen und segeln: den Schlag der Wellen am Bauch des fahrenden Schiffs hören, in Buchten vor Anker die ständig wechselnde und immer wiederkehrende Sicht genießen und die Gestirne an nachtdunklen Ankerplätzen sehen. Dass wir uns bei unangenehm starkem Wind bewähren müssen, das nehmen wir in Kauf.Die Reiseroute wird vom Peloponnes über Santorin und Rhodos in die Südtürkei führen. Von dort möchten wir die türkische Küste ostwärts bis Zypern segeln. Der weitere Weg geht dann  die türkische Westküste nordwärts in die Dardanellen nach Istanbul und vielleicht noch etwas ins Schwarze Meer. Dann wenden wir uns südwestwärts bis  zum Peloponnes und evtl. besuchen wir noch die Ionischen Inseln. Wir sind auf diese Route nicht festgelegt und werden sie ändern, wenn das Wetter nicht so will wie wir oder wenn andere Gründe dagegen sprechen.Die GESAMTE Reiseroute könnt Ihr mit einem Klick auf die Karte sehen

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Das ist unsere geplante Reiseroute                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       

Wir verlassen unsere EOS

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Wir verlassen die EOS, bis nächstes Jahr
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EOS ist gut versorgt: Unterwasserschiff gestrahlt, Segel entfernt, innen sauber gereinigt von Gerdi, die Bordwand ebenfalls gereinigt und gewachst, den Motor eingewintert, das ganze Schiff mit einer Persenning abgedeckt, alle Schaps geöffnet und die Kleidung locker im Schiff aufgehängt. Dann bleibt nur noch, uns von den Nachbarn zu verabschieden, noch einmal zu schlafen und um 5:30 Uhr am nächsten Morgen auf das Taxi zur Schnellfähre zu warten. Wir tragen die Leiter vom Schiff und damit ist die Nabelschnur zwischen uns und unserer EOS getrennt.Das Tragflügelboot fährt uns im beginnenden Morgen nach Piräus, vorbei an Buchten und Häfen, die wir Tage vorher auf eigenem Kiel befahren hatten. Wehmütig ist uns schon zumute. Noch ein längerer Aufenthalt auf dem Athener Flughafen und dann düst das Flugzeug bei wenig Sicht München zu. Wir können wieder deutsch reden, verstehen Hinweise und Werbung und genießen ein erstes Dunkles mit Brezen. Das ist gut! Das griechische Mythos ( unsere Lieblingsbiermarke) war ja auch nicht schlecht. Eine etwas unbequeme Bahnfahrt im vollen Zug nach Eriskirch ,ein kurzer Fußmarsch und wir sind zu Hause, kurz vor Mitternacht. Anderntags kommen Erika, Joachim und Martin. Wir alle sind gesund und froh. Die Reise hat ihr glückliches Ende gefunden.Eos steht in guter Gesellschaft anderer Schiffe in Griechenland. Wir erbitten uns von unserem Herrgott Gesundheit und ausreichend Kraft für eine weitere Reise. Wie werden wir die EOS im nächsten Mai vorfinden? Holen wir sie nächstes Jahr zurück, über die Adria oder über die französischen Flüsse? Legen wir noch mal eine mehrmonatige Reise in griechischen und albanischen Gewässern ein? Unser Entschluss steht noch nicht fest. …………………Hier sind die letzten Bilder:

Ende einer Reise

Seit vorgestern steht EOS an Land, kein Schaukeln, kein Ausrichten nach dem Wind vor Anker mehr. Abschlussarbeiten stehen noch an, Motor konservieren, Außenholz streichen, Bordwand polieren und wachsen, Innenbereich reinigen und, und.

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EOS verlässt ihr Element
Eine sehr schöne Zeit geht zu Ende. Wir hatten keine Eile, bei 6 Monaten spielt die Zeit nur noch eine untergeordnete Rolle. Gerade das Zeitlose war ein wertvolles Geschenk. Es nimmt den Druck aus einer Reise. Wir richteten uns nach dem Wetter und unseren Eindrücken. Drohte starker Wind, blieben wir wo wir waren, fanden wir eine Stadt oder eine Ankerbucht besonders schön, dann blieben wir auch.Die Fahrt begann mit der Fluss- und Kanalfahrt auf dem Rhein-Rhône Kanal. Max und Jörg waren gute Begleiter. Wir haben viel gelacht und nur einen einzigen Regentag erlebt. Eine Flussfahrt ist eine angenehme Angelegenheit. Die Natur am Ufer ist nah, Wind und Wellen sorgen uns nicht und die Liegeplätze sind ruhig. Ab und zu bietet sich ein Schwätzchen mit Leuten am Ufer an. Die Häfen sind preiswert. Nachteil: Man muß ständig steuern und kann das Schiff nicht dem Autopiloten überlassen.Nach 2 1/2 Wochen und 130 Schleusen waren wir bei Port St. Louis im Mittelmeer. Ab hier, nachdem der Mast gesetzt war, wurde die EOS wieder ein „richtiges“ Segelschiff. 15 Tage etwa tingelten wir die französische Küste ostwärts bis kurz vor Nizza. Jetzt wechselte die Mannschaft. Max und Jörg nahmen den Flieger zurück und Gerdi flog ein. Korsika, Sardinien und Sizilien, Abstecher nach Elba und die Äolischen Inseln waren unsere nächsten Ziele. Die nächtlichen Überfahrten gelangen problemlos, der Wind war schwach oder meist mäßig. Die Straße von Messina zwischen Sizilien und Calabrien durchfuhren wir mit Strom im Eiltempo. Die Südküste Italiens fanden wir überraschend schön. Nach der nächtlichen Überfahrt durch den Golf von Taranto hielt uns Starkwind 8 am italienischen Sporn in Santa Maria de Leuca einige Tage fest. Trotzdem wurde die Fahrt über die Adria eine windige Angelegenheit und noch am gleichen Tag zogen wir die griechische Flagge hoch und ankerten vor der Insel Erikousa in Sichtweite von Korfu. Die Ionischen Inseln kennen wir von früheren Reisen mit unsrer „Marion“ und den Kindern. Sie gefallen uns sehr gut, dennoch durchfuhren wir sie im Eiltempo.Ab Zakynthos, der südlichsten Insel dieser Gruppe begleitete uns Tochter Erika 9 Tage lang. Schon im Golf von Korinth hemmte uns heftiger Gegenwind, der Saronische Golf meinte es noch mal gut mit uns, aber dann zeigte uns Rasmus, was er zu bieten hat. Die Fahrt von Kithnos nach Kea gegen Wind und Wellen war das Unangenehmste der gesamten Reise. EOS war mehr unter als über Wasser und zum ersten und einzigen Mal trat die Bilgenpumpe in Aktion. Die Rückfahrt nach Piräus wurde uns mit starkem und halbem Wind gestattet. Pfeilschnell war Eos über dem offenem Gewässer und eilte dem Ziel entgegen Hier ging Erika von Bord und flog zurück. In diesen 1 ½ Wochen hat sie vieles erlebt, was die Ägäis bieten kann. Schöne Buchten und Dörfer, Flauten und starke Winde. Sie hat sich gut gehalten und war immer eine hilfreiche und kompetente Hand.Von Piräus aus querten wir die Ägäis, fuhren die türkische Küste gegen den Wind nordwärts, Kusadasi, Cesme, Ayvalik, bis zur griechischen Insel Lesvos. Von Sigri querten wir die Ägäis wieder windreich westwärts und nahmen von den schönen bewaldeten kleinen Sporaden südlichen Kurs Süd zwischen der großen waldreichen Insel Euböa und dem griechischen Festland durch bis in den Saronischen Golf.Die Ägäis hat uns mit andauernden Starkwinden überrascht. Wir segelten nur mit kleinem Vorsegel und fast immer mit maximal gerefftem Großsegel. Erst im späten September, als der Meltimi an Kraft verlor, war der Wind mit uns und in angenehmer Stärke. Einen Vorteil hat der Meltimi: Er bläst immer aus nördlichen Richtungen, es scheint die Sonne und man kann bedenkenlos in Buchten ankern, die nach Süden hin ungeschützt sind. Allerdings ist Vertrauen zum Anker notwendig. Der Wind entwickelt auch nachts erhebliche Kräfte.Die südlichen Ägäischen Inseln strahlen eine karge Schönheit aus. Wenig Bäume, viel Gestrüpp, dazwischen weiße Dörfer. Kein Vogel lässt sich in den Buchten hören. Die nördlicheren Inseln, Lesvos, die kleinen Sporaden, das nördliche Euböa und die Inseln im Saronischen Golf sind bewaldet. In den Buchten riecht es nach Harz und Vögel zwitschern und Grillen zirpen.Wo wir auch waren, die Leute sind uns freundlich und hilfsbereit begegnet. In den Häfen muß man manchmal 6 bis 8 Euro pro Nacht bezahlen. Marinas sind insbesondere in Sizilien teuer (40 Euro). Den Vogel schießt Olympic Marina bei Lavrion ab mit über 50 Euro für unser 10m-Schiffchen ab. Dafür darf man im Schatten von Megajachten liegen. Ähnliches bietet die Marina in Palermo auf Sizilien.Noch einige Zahlen:05. Mai bis 23. Mai:
Fluss- und Kanalfahrt,
460 Seemeilen (850 km) 130Schleusen25. Mai bis 03. Juni:

Auf dem Meer mit Max
200 Seemeilenund Jörg04. Juni bis 23. Oktober: Reise mit Gerdi von Nizza ab 2802 Seemeilen(fast alles unter Segeln)Insgesamt 3462 Seemeilen (6412 km)

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Die Reise vom Start bis zum Winterlager
Lebensraum für 6 Monate7 qm pro Person:Fühlen Sie sich zu zweien in einer Wohnung mit 14qm – Balkon inbegriffen – wohl? Nein?Unsere EOS bietet nicht mehr Fläche. Der „Salon“, unser Wohnzimmer mit Kochnische, misst 2,5 x 2,5 Meter. Die „Plicht“, unser Balkon, misst noch weniger. Die Leistung der Reise liegt nicht darin, ein Ziel zu erreichen, sondern sich auf dem Schiff wohl und geborgen zu fühlen. Es erstaunt, es gefällt mir auf dieser kleinen Fläche. Sind Gerdi und ich verschiedener Meinung, bleibt nur das Vorschiff für eine zeitweise Trennung. Man muß sich gut verstehen, um unter diesen Umständen auf Dauer Freude zu empfinden. Ich bin Gerdi sehr dankbar, dass sie das mit mir aushält und bereit ist, noch einmal im nächsten Jahr zu starten. Mit Freude!Eine Fläche dieser geringen Größe hat einen Vorteil: Man kann nicht viel mitnehmen und was man nicht dabei hat, macht auch keine Arbeit. Kein Garten, kein Keller, keine Kleiderschränke. Als Ersatz ringsum Natur. Sie bedarf keiner Arbeit, macht aber viel Freude. Die Küche ist klein, Gerdi kocht gern und zaubert mit einfachen Mitteln Gutes für den Magen, ab und zu sprüht der Grill am Heck Funken. Wir essen zu Abend bei Petroleumlicht in der Plicht und sehen dabei über Land und Meer, – über uns das Firmament, diamantenklar. Wir schlafen gut bei säuselndem Wind und unruhig, wenn der Wind das Schiff zum Erzittern bringt und am Anker zerrt. An Kleidern braucht man nichts oder sehr wenig. Die Sonne sorgt für backhendl-artige Bräune. Wir lernen viele Leute kennen, die auch per Segelschiff unterwegs sind. Die Chartersegler, die von Ort zu Ort eilen, die Langzeitsegler wie wir, die tagelang an einem Ort verweilen können, und die Segelprofis, die über Ozeane, um die Welt oder die Donau herunter fahren. Die EOS ist eines der kleinsten Schiffe in dieser Gegend.Wir waren auf dieser Reise sehr glücklich gerade mit dem wenigen an Ausrüstung, aber mit uns beiden. Der Herrgott hat seine schützende Hand über uns und unser Schiff gehalten, wir waren immer geborgen, hatten kein längeres Gezänke, keine unüberwindbaren Technikprobleme, gerieten nie in echte Stürme und hatten bis auf Gerdis Sturz keine Unfälle und keinerlei Krankheiten. Vielleicht lag das auch an den Menschen zu Hause, die in Gedanken und auch mit Gebeten bei uns waren. Dafür sind wir dankbar.Hier die Bilder:

Im Regen an Land

Um 5 früh prasselt lärmend ein gewaltiger Wolkenbruch über uns hernieder, Blitz und Donnerschläge. In Bächen gurgelt das Wasser aufs Deck, es trommelt auf die Plane. Um 8 hagelt es schussergroße Eiskugeln. Der Shipyard ist im Nu ein lehmbrauner großer See, alle Schiffe stehen im 20 cm tiefen Wasser, der Wind kräuselt Wellen darauf. Alles ist eine riesige Wasserfläche, die Leitern versinken in der Brühe, unpassierbar die Wege zum WC. Manche Yacht ist unterspült unter ihren Holzbalken unter dem Stahlgerüst. Ein landwirtschaftliches Anwesen ergoss seine ganze Erde unter der Trennmauer hindurch in den Shipyard, es gibt fließende Flüsse, die sich in Kurven zwischen den Yachten ausbreiten. Weicher Schlamm. Stromausfall. Sirenen. Regen.

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Kilada, Winterlager. Opa kann sich an keinen so starken Regen erinnern
Erst um 2 läuft das viele Wasser ab, mit Gummistiefeln kann man den entstehenden Mäanderpfad begehen zwischen den Riesenpfützen.Wir aber machen es uns leidlich gemütlich und beenden den Törn. Dankbar, erholt, voller Vorfreude den 2. Teil auf 2010 im Mai. Daheim werden uns zwei Tage nach unsrer Rückkehr alle drei Kinder besuchen, in Eriskirch! Sie freuen sich auf uns. Und wir auch. Es wird Käsefondue geben. Und heiße Maroni. Und Muskatellertrauben.Und alle werden viel erzählen. Von 6 Monaten und 6500 km Reise auf dem Mittelmeer durch 6 Länder und zu unzähligen Inseln, durch Sonne und Wind.Von einer aufregenden Zeit auf See. Von einer erfüllten Epoche unseres Lebens, unserer Ehe! Wir fühlten uns nie einsam und spürten die begleitenden Fürbitten der Freunde daheim.Und am Sonntag wird es im Gottesdienst Gelegenheit zum Dankgebet geben.Denn unser Herz ist voll des Dankes für dieses wundervolle Erlebnis.