Ein wenig Trauer ist schon dabei

Wir schlafen wunderbar bei offnen Luken. Aber ja, ein wenig Trauer ist schon dabei, als wir zum letzten Mal im Meer schwimmen und um 7 frühstücken. Die Eos schaukelt uns sanft. Glitzernde Wellen. Manche Segler segeln raus.Ab 8 sind wir bereit – das Handfunkgerät bleibt eingeschaltet auf Kanal 8, die spanische Mascarell wird aufgerufen, die Geja Mare, die Manfred von der Ostsee um ganz Europa segelte, der Sturmvogel – und um 11 Uhr: „Kalimera, EOS, EOS, you can come now. It’s your turn!“Gerhard steht am Buganker, ich will ins Cockpit zum Schalthebel und den Motor starten und rums! – da ramme ich mein Schienbein an den Travellerbalken der Großschot. Bis wir am Kran sind, ist es ein dicker Bluterguß. Ein Souvenir besonderer Art.In nur 10 Minuten hängt die EOS in 2 dicken Schlaufen und schwebt aus dem Meer. Kiel und Ruder tropfen, als würde sie weinen. Nun ist Land unterm Kiel. Der Skipper befühlt ihre Wunde dort unten vorm Kiel. In der Rhône stieß sie sich im Mai amUnterwasservorsprung: eine Kuhle von 10×2 cm. Das wird eine fachmännische Gfk-Reparatur.Die EOS wird auf ein massives blaues Stahlgerüst gestellt, zu ihrem Winterparkplatz gefahren und gleich mit starkem Wasserstrahl aus dem Hochdruckreiniger am Unterwasserschiff abgestrahlt. Gerhard kratzt mit dem Spachtel die steinharten, winzigen Kalkmuscheln ab.Um 16 Uhr Erikas Rückmeldung von der Bewerbung :

SMS: „Bin dann mal für 5 Monate in Hamburg!!!“

Sie flog hin, kam, sah und siegte: Praxis-Semester in der Weltstadt am Meer. Wie schön! Ganz ohne „Vitamin B“ – Persönlichkeit und Charme, gute Zeugnisse, auch von jahrelanger Gastronomie-Praxis, hübsche Erscheinung, Gewandtheit, Witz und süddeutsche direkte Art?Für uns beginnt das Landleben am Shipyard. Eine 4 m hohe Leiter lehnt fast senkrecht am Heck. Rumpf neben Rumpf die Boote, kein Clo mehr an Bord, Strom und Wasser aus Kabel und Schlauch, Spülwasser in einem Kanister sammeln und wegschleppen, nur 2 WC’s und 2 Duschen 400 m weiter. Wir werden uns auch an dieses Campingleben gewöhnen für 6 Tage.Gerhard deckt die EOS vorsorglich schon heute mit der grünen großen Plane ab. Herbstlich wird es! Düstere Wolken bedecken den Himmel. Kein Stern mehr. Ich verpacke heimlich das Geburtstagsgeschenk, 20 goldenen Ferrero-Pralinen, und decke einen Geburtstagstisch mit Fotokarte und Brief und Kerze.Doch es kommt noch was dazwischen: Nachts um 2 fängt der angekündigte große Regen an. Und zwischen 3 und 4 braust ein kräftiger Wind über uns hinweg, hohes Pfeifen in den Stahlwanten erfüllt die Luft. Ob das ein Abschiedsgruß vom Windgott Rasmus ist?

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Geburtstagsfladenbrot
Geburtstagsfrühstück mit Rührei und Kerzenschein. Es reeeeeegnet.Gerhard schmirgelt unter der Plane den erst in Syros aufgebrachten Klarlack auf dem Mahagony-Kajütaufbau ab. Eine staubige Arbeit! Ich verpacke Nudeln, Reis und Linsen mäuse- und mottensicher in Plastikdosen. Mit dem Schirm laufe ich ins Dorf. 600 g grüne Bohnen als Geburtstagsmahl. Trauben. ½ Huhn vom Metzger. Käse, Bacon, Tomaten, Origano, Nescafé – man lacht herzlich, als ich mir den Rucksack umschnalle, aus dem die Gurke spitzt und ich reime: „Anguri-Gaithuri! (griechisch für “Gurke-Esel“) und mit I-A Rufen antrabe.Am Abend laufen wir, bei den Zigeunern am Feuer vorbei, ins Dorf, lesen die lieben Geburtstagsmails im kleinen Internet Café und speisen in der gut besuchten Taverne Lende Timberlain, mit Senf-Estragon-Soße und „Stroganoff“ – für je 7 €. Die Damen in kniehohen Stiefeln, sehr elegant gekleidet mit Wollkostüm, Lederjacke, schwarzem Kleid, Schmuck, üppig frisiert, die Herren im Anzug oder feinem Hemd mit Sacco. Man geht zum Essen aus.Wie im Tessin.

Letzter Tag auf dem Meer.

Stille wundervolle Nacht. Sonnenmorgen. Joachim freute sich sehr über den gefüllten Geburtstagsbrief aus Piräus, mit dem süßen Sesamriegel. 28 Jahre ist er heute.Bei der Hafenpolizei erledigen wir den Papierkram fürs Winterlager. Dann ist Großputz vor Anker angesagt. Gerhard macht den Ölwechsel, nimmt die weißen Segel runter. Leer der tapfere Mast. Ich bringe alle Bodenbretter vom Salon raus ins Cockpit und schrubbe den aufgeklebten Teppichboden mit Neutralseife gründlich ab. Im Schiff reinige ich alle weißen Decken, der Petroleumkocher ist die Ursache des Grauschleiers. Alle Ritzen und Rillen findet mein Schwamm, Sonne und Wind trocknen alles. Die Ledersofas werden gesalbt. Gerhard baut die Solarzelle ab und bindet sie neu am Mast fest, damit die Decksplane Platz hat.

Luft: 14??C, Wasser: 22??C

Nach stark schaukeliger Nacht durch den Schwell von draußen freuen wir uns am Baden im Meer. 22° hat es noch, die Luft nur 14°C. Erikas SMS: „Es ist hundskalt.“ Wir empfinden den Morgen als Gnade.

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Wunderbarer letzter Segeltag
Mit beiden Segeln und ohne Reff segeln wir raus aufs blaue Meer. Ich sonne mich auf backbord am Teakdeck. Um 17 Uhr schlage ich vor, eine Segelpause einzulegen – wer weiß, ob es vor Törn-Ende noch mal solch eine traumhafte warme Pause gibt. Schwimmen. Herrlich.Abends segeln wir mit Ziel Kylada zum Winter-Liegeplatz. Mal anschauen. Die neue Heimat für unsre EOS. Ob sie es „spürt“?Unter Segeln biegen wir ein in die Bucht vor Kylada: wirklich eine Oase zwischen Bergen und Hügeln gelegen. Eine nur 1-4 m tiefe Bucht, kaum Wellen, viele Segelyachten schwojen vor ihren Ankern. Ein Bild tiefen Friedens.Kein schönerer Ort fällt mir ein für das „Verharren“ unsrer EOS! Die Kaiken-Werft, der Duft nach Holz, große entrindete Baumstämme, Teak, Pinien, der Mastenwald schöner Schiffe an Land. Ein kleiner Ort ohne Hotel und Hochhaus, kleine Fischerboote, ein paar Tavernen, Tatis Sweet Café mit WiFi, ein Tante-Emma-Laden, Anglerbedarf.Die Eos wird nicht allein sein am shipyard, viele Segler leben im Winter hier an Bord! Im Büro professionelle Planung und Ordnung. Fließendes Englisch, sehr freundlich und kompetent.Wir erfahren, dass man ein großes Regen-Tief mit Unwettern fürs Wochenende erwartet. Evtl. kann der Travellerkran am Montag nicht eingesetzt werden. Es wird eng. Am Donnerstag geht unser Flug. Wir paddeln zurück zur EOS. Denken nach. Dann entschließen wir uns, sie lieber gleich morgen am Freitag raushieven zu lassen. Also kein Weitersegeln nach Nauplia. Stop und Ende des Segeltörns hier.

Stille Nacht ohne Wind

Stille Nacht ohne Wind. Gerhard joggt. Ich fotografiere um 7 halb in der Nacht den tiefroten Morgenhimmel vor Sonnenaufgang. Noch vor dem Frühstück wandern wir flott hoch zu der orthodoxen Kirche und der Windmühle und genießen die Panorama-Aussicht über die weite Bucht. Wie ein Fjord.Um 11 segeln wir raus und gleich muß Gerhard wieder das Großsegel einreffen. 3-4 bft., das ist hier viel mehr als am Bodensee! Herrliches Segeln, die Eos läuft gerefft fast ohne Ruderführung. Hellblau schlichten sich die Hügelketten hintereinander wie eine moderne Multimedia-Installation! Zauberhaft öffnet sich vor uns die flache Ankerbucht vor Porto Cheli. Da soll unter Wasser eine versunkene Stadt schlummern. Viele Dauerlieger ankern hier winters frei an je 2 eigenen Ankern. Windgeschützt und kostenlos.Wir ziehen die Einsamkeit vor und ankern in einer kleinen bewaldeten Bucht hinter einem Felsenriff. Nur 3 Fischer besuchen uns. Sonnen. Baden. Abends brate ich ein halbes Huhn auf französische Art mit Paprikagemüse und Reis. Skippers Kommentar: „Mei, geht’s uns guat!“Erste wehmütige Gefühle in Herz und Seele. Ein un-gewöhnliches Halbjahr in Freiheit, aber auch abhängig von den Naturgewalten, neigt sich dem Ende zu. Leben zu zweit auf engstem Raum, oft bei viel Wind und starkem Seegang. Wir haben keinen Unfall erlitten, das Schiff meisterte die rauhe See und kam nicht zu Schaden, wir beide vertrugen uns gut. Wir schufen eine gemütliche kleine Welt an Bord, mit kleinen Ritualen, die auch bei Starkwind und Krängung gepflegt wurden: Gerhard war der Navigator und sorgte für geniale Routen und suchte schöne Ankerbuchten aus. Früh war er der Chefkoch für biologischen grünen Tee, Gunpowder, und zwei Tassen echten handaufgebrühten Filterkaffee für mich nebst schön gedecktem Tisch. Um 11 gabs einen halben Ouzo zur Captain’s hour. Mittags Salat oder bunte Brote. Gegen 3 gönnten wir uns fast immer eine Tasse Nescafé und ein Mini-Biscuit mit Canella, Zimtzöpfchen aus speziellen kleinen Bäckerläden.

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Über Ermouni
Fein gekocht hab ich sehr oft, es gab in 150 Tagen nur 6 mal Spaghetti mit Parmesan. Abgespült wurde zu zweit. Vor dem Schlafengehen saßen wir im Cockpit bei einem Glas Wein und Pistazien. Am Morgen schwammen wir im Meer.Wir durften unendlich viele schöne Buchten entdecken und Inseln ansteuern. Wunderbare Stimmungen am Morgen und am Abend boten sich unsrer empfindsamen Seele. Liebenswerte Menschen sind uns begegnet. Die 40°-Hitze im Juli und August haben wir unbeschadet überstanden. Wir sind flexibel gewesen bei dem einfachen Bordleben, haben die Aufgaben nach Begabung verteilt und erledigt. Wir erlitten keine Depressionen, keinen Kummer und keine Krankheiten. Wir waren ein gutes Team, als Segler und als Partner.So sind wir Gott dankbar, und auch uns gegenseitig. Viele Einhandsegler sind allein am Schiff, weil „die Frau nicht mehr mit will“ – doch die Paare auf Langzeit-Törn wirken ausgeglichen und gelassen. Ein Geschenk, wenn es gelingt – zu zweit gemeinsam!

Fr??hst??ck im Cockpit in der Morgensonne

Nachts brist es auf. Heftig. Erst um 2 läßt der Wind nach! Um halbacht klopft Gerhard vom Meer aus an die Bordwand. Die Sonne schickt sich an, über dem Inselrücken aufzusteigen. Ich bade ausgiebig im Meer.

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Schweinebraten auf See
Frühstück im Cockpit in der Morgensonne! Um 9 klar zum Ankerlichten. Wir segeln vor der besonders reizvollen Kulisse der bläulich dunstigen Inseln durch, bizarr im Morgenlicht die Querschichtung der Felsen am Steilstufenkap. Finstere ausgespülte Höhlen sind Zeugen der Arbeit des Nordwinds, der hier wohl oft sein Unwesen treibt. Wir haben SÜDWIND! Wenig Krängung, also brate ich um 10 den bayerischen Schweinebraten an, mit Zwiebeln, Lauch und Karotten , gewürzt mit Senf, Kümmel, Wacholder, Majoran und einem Bund Petersilie. Nach 20 Minuten ist er fertig im Fisslertopf. Es duftet himmlisch.Warm. Bikini. Sonne. Unglaublich. Dann taucht vor uns ERMIOUNI auf, pittoresk schmiegen sich die weißen Häuser an den Hügel. Ein netter, gemütlicher Fischerhafen. Das knallrote Tragflügelboot und der gelbe „Flying dolphin“ fahren von hier nach Piräus. Auch für uns beide – am 29.Oktober schon! Bei Starkwind fahren sie aber nicht! Wir sind optimistisch und kaufen 2 Fährkarten.Mittags gibt’s gesundes Essen: An Bord gezogene frische Kresse auf Majo-Brot und Gurkensalat. Neben uns Finnen und eine Charterfamilie aus Delitzsch/Leipzig!

Ganz nass ist die Eos – regennass

GERDIINSEL POROSGanz nass ist die Eos – regennass. Die Glocken der orthodoxen Kirche läuten um 7 Uhr. Bei offner Kirchentüre können wir den Popen singen hören.Noch dräuen dicke graublaue Regenwolken über dem Inselrücken. Die Segler in Ölzeuganoraks tragen aber die Schirme zugeklappt. Das stimmt optimistisch.Als die Sonne um 8 rauskommt, parke ich die von der hohen Luftfeuchtigkeit klammen Decken, Kissen, Hosen oben auf der strammen Fockschot und lasse sie flattern.Ab in die Kombüse: Ich säble von dem großen Stück Schweinehals (samt allen Wirbeln, vom Markt) 3 Scheiben ab und bestecke 4 Spieße mit Zwiebeln, Paprika, Speck und Fleischwürfeln. Der Rest soll ein bayerischer Schweinsbraten werden!Um 10 segeln wir mit raumem Wind los und schon gegen 12 ankern wir in der Bucht Skylaryon. Baden im warmen Meer. Lesen. „Die Welt“ vom Samstag. Und Alexandre Dumas: Die Kameliendame. Quälend langatmig der erste Teil, aber Weltliteratur. Über das Leben der schwindsüchtigen schönen Courtisane Marguerite am Montmartre in Paris. Weltliteratur. Deshalb: Augen auf und durch.Nach all dem Starkwind genießen wir diese Ruhe vor Anker. Sonne! Träumen. Und ab und zu an daheim denken. Erika. Martin. Joachim, der inzwischen in der Schweiz arbeitet und wohnt!Alle reden wieder deutsch statt englisch, französisch, italienisch, türkisch, holländisch, griechisch! Man ist kein Ausländer mehr. Wieder eine Wohnung! 4 Zimmer, Küche, Bad, Keller. Aktuelle Nachrichten! Die Tageszeitung am Morgen! Die Tagesschau und der Meteo auf DRS 1 am Abend.Der elektrische Wasserkocher. Ein Telefon, bei dem auch wer anruft. Der Elektroherd mit dem Backofen. Warmwasser aus dem Wasserhahn. Die Dusche. Kühlschrank und Staubsauger. Radio und Fernsehen. Licht aus großen Lampen. Der PC. Waschmaschine und Bügeleisen. Staubsauger und Nähmaschine. Heizung! Einkaufen mit Auto ohne Rucksack. Ein großes Bett. Schuhe. Tanzschuhe mit 7 cm Absatz. Bald schon Stiefel. Strümpfe. Mantel, Schal und Mütze. Reisen mit dem Koffer. Die Violine, wie schön. Mein Besuch in Nürnberg am 2.November bei Vati! Das Dorf Eriskirch. Die evangelische Kirche. Waltraud und Romana. Eckehards Akkordeon. Der Tante Emma Laden und der riesige Kaufland. Autofahren und Tanken. Die Wendeltreppe zur Galerie. Der große Esstisch. Ein Geschirrschrank. Früh im Wald zum Nordic Walking. 40 Bahnen Schwimmen im Hallenbad. In die Aerobic-Stunde. Ins Fitness-Studio zu Laufband und Kraftgeräten. Jede Woche zum Tanzkreis!All das ist 5 Monate nicht vermisst worden!Gerhard ohne die Eos. Gerhard beim Handwerkern im Keller. Seine Tennisfreunde. Seine Skitouren (Joachim war schon auf der ersten!). Vati zum ersten Mal im betreuten Wohnen in der Hallerwiese besuchen. Der Nebel bis zum Mittag am See. Im Dezember zur Langlaufloipe Scheidegg. Plätzchenbacken. Weihnachten. Und im April zur Fideriser Arflina-Hütte und Skifahren.Und im Mai zurück zum Mittelmeer, nach Kylada zur Eos. Das ist gar nicht so lange: 6 Monate nur.

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Morgenstimmung in Ermiouni
Hier in der Bucht gibt es nun herzhaft gewürzte Grillspieße vom Heck-Grill. Das mir so vertraute Sternbild des Skorpions erstrahlt hell an einem unbeschreiblichen Sternenhimmel. Eine Gnade, das so wunderbar ungestört von Licht und Lärm im späten Oktober beobachten zu dürfen. Ich singe ein Abendlied, das in Moll so schön sentimental klingt:

„Ruhet von des Tages Müh, es will Abend werden, laß die Sorg bis morgen früh, GOTT bewahrt die Erden.“

Und ich vermisse die drei fehlenden Kanon-Stimmen.

Die kurze Strecke von Athen nach Poros

Gerhard, Samstag 17. Oktober 2009Von Athen in Richtung Süden3 Tage lagen wir im Hafen von Glyfada, einer Vorstadt von Athen. Wir mussten einiges Spezielles für EOS in Piräus einkaufen, wollten noch Athen sehen und 7- 8 Bft in einem Hafen abwettern.Athen, Piräus und die umgebenden Vorstädte sind eine Steinwüste zwischen Meer und Hügeln, von See aus schön anzusehen und durch eine Straßenbahn für Fremde gut zu erreichen. Jede Fahrt kostet, egal wohin, 1 Euro, einfach. Mit ihr fahren wir bis unter die Akropolis. Uns fehlt das Wissen üben die geschichtlichen Zusammenhänge, so umrunden wir dieses Monument staunend, besichtigen die einen oder anderen Tempelreste und steigen auf einen Hügel um von höherer Warte einen Überblick zu erhalten. Das Meer aus Stein bestätigt sich.

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Tempelreste
Anderntags hat sich der Wind gelegt und wir segeln mit angenehmer Brise nach Ägina, einer belebten Insel 10 Seemeilen südlich der griechischen Hauptstadt. Der Hafen ist groß und wir ankern mit Heckanker. Erstaunlich viele Segler sind noch unterwegs, hauptsächlich Charterboote. Mehr und mehr füllt sich der große Hafen, verschiedene verlassen den Ort wieder wegen Platzmangel, andere liegen in 2. Reihe. Der Regen verstärkt sich in Schauern. Der Himmel hat längst deutsche Farben angenommen. Alle paar Minuten läuft eine Fähre diese quirlige Insel an. Die Hafenorte der Ägäis sind alle ähnlich. An der Front in erster Linie Cafes und Restaurants, Souvenirshops und Boutiquen, dahinter in zweiter Reihe Läden für den täglichen Bedarf. wie Metzger, Supermärkte, Bäcker, Obstläden. Dahinter beginnen die Wohnviertel. Waren noch vor einem Monat die Tavernen voller Gäste, so sind sie jetzt kaum besucht. Anderntags jagt ein Schauer den anderen. Wir laufen aus und schon gießt es aus Kübeln in Begleitung von Blitz und Donner. Die Sicht ist gering und so gehen wir in Schleichfahrt. Nach einer viertel Stunde ist der Himmelskübel leer. Die Wolken im Westen deuten aber darauf hin, dass er sich wieder füllt. Wir steuern unter Motor ziemlichen Südkurs auf die nördliche Einfahrt in das geschützte Gewässer von Poros. Diese Stadt liegt am hügeligen Ufer einer allseitig geschlossenen Bucht. Zu Beginn unseres Ägäistörns waren wir mit Tochter Erika schon mal hier. Vorher müssen wir noch durch ein Gewitter. Donner folgt unmittelbar auf Blitz und der Himmelskübel hat Hagel über uns ausgeschüttet. Dann ist Schluss mit Regen für heute. Mit Heckanker legen wir an der südlichen Stadtpromenade der schönen Stadt an. Maurer hübschen diese Promenade gerade auf, der Pope von der Kirche gegenüber misst mit Metermaß nach. Sehr geruhsam alles.Noch etwas zum Ankern mit Heckanker. Die meisten Schiffe senken den BUGanker und fahren dann mit dem Heck an die Pier um dort festzumachen. Wir und meist auch Segler die alleinig sind, senken den HECKanker und fahren mit dem Bug an die Pier. Das hat den Nachteil, dass der Ausstieg ungünstiger ist, da der Bug oft viel höher als die Pier ist. Der Vorteil „unserer“ Methode: Vorwärts lässt sich ein Schiff leichter steuern und eine Person kann gleichzeitig steuern und ankern. Die zweite Person belegt am Bug. Außerdem kann, wenn der Bug zur Pier zeigt, nicht jeder von Land ins Schiff gaffen. Auf der EOS fahren wir den Heckanker mit 5 m Kette und dann mit Seil. Das spart Gewicht und beschädigt das Heck unseres Schiffes nicht. Das Seil geht allerdings schräg ins Wasser und wenn ein anderes Schiff nicht aufpassen sollte, kann es sich im Ankerseil verfangen. Das ist allerdings noch nie geschehen.Nach klarer Nacht hängen am Vormittag wieder Wolken am Himmel und es regnet. Eben hat es aufgehört und das Prasseln auf dem Dach der Kajüte wird durch eine angenehme Ruhe und die Hoffnung auf Sonne abgelöst.GERDIGlifada, Windstärke 8, sicher im kleinen YachthafenWir laufen rüber zum Ort Glyfada, immer am Strand entlang, wo gestern noch bei 27° zahlreiche Badefreudige lagen. Das Barometer war unglaublich stark gefallen – nun erleben wir, wie rasch der angesagte Sturm eintrifft!Das aufgeregt um scih schlagende Meer brandet in hohen Wellen in die Bucht, kräuselt bizarre Muster auf entstandene große Pfützen auf der weiten freien Fläche davor.Zu unruhigem Leben erwacht jagen Becher, Äste, aufgeblähte Müllbeutel waagrecht dahin. Hohes Pfeifen erfüllt die Luft, schwindelig wird mir fast beim Gegen-den-Wind-Laufen, der Lärm überlagert alle üblichen Geräusche der sechsspurigen Straße und der vertrauten Tram, die nach Piräus und Athen fährt.Bunte kleine Farbtupfer inmitten der Wellenwildnis der stürmgepeitschten See nah am Strand lassen sich als kleine Motorboote erkennen, die an ihren Bojen fast hysterisch auf und nieder hüpfen. Die Menschen gehen am Fußweg spazieren und blicken aufs Meer.Zurück in unserem vollbelegten Yachthafen „Glyfada 4“, in dem wir für zwei Nächte Schutz fanden, kehren wir im Café ein auf einen Frappé, das ist ein kalter aufgeschäumter Nescafé in einem hohen Glas mit Eiswürfeln. Die an Moorings in Reihe fixierten hohen glänzenden Motoryachten, poliert von jungen Filipinos, drängen sich Wange an Wange aneinander, nur je 15 cm durch weiße Fender voneinander getrennt. Der starke Wind bringt die ganze lange Reihe gleichzeitig in Bewegung, wie von einer Riesen-Hand geschoben, bewegen sie sich 1 Meter nach rechts, verharren kurz, dann allmählich wieder 1Meter nach links. Es sieht aus, als bewegte sich unser Café und nicht die Reihe der Schiffe davor!Die bunten Wimpel in der Saling der Segelyachten und die Nationalflaggen am Heck knattern im steifen Wind, immer nervöser reißen die gewichtigen Schiffsbäuche an ihren Mooringketten und Ankern, quetschen sich ihre weißen Flanken mit Gequietsche und Murren an die ständig auf und nieder bewegten Fender, die wie Kissen oder Korken zwischen den Leibern stecken.An Bord der Eos wird es eine unruhige Zeit. Es knarrt überall, die 2 cm starken Festmacherleinen am Bug vorn ächzen und zerren an den hölzernen Klampen, es klingt, als würde sich das Schiff beschweren, dass man ihm das alles zumutet.Der Rumpf wird mächtig schräg zur Seite gedrückt, Krängung mitten im Hafen. Die ganze Nacht stöhnt der Hafen unter dem Sturm, denn Windstärke 8 ist wohl einer. Wir sind so dankbar, dass wir in diesen vollbelegten Hafen eingelassen wurden. Der Hafenmeister Vassili war gebürtig aus Lesbos, gut dass ich gleich erzählen konnte beim Zuwerfen der Bug-Leinen, dass wir da waren und dort den versteinerten Palmenwald im Museum betrachtet hatten. Das war ein rascher Kontakt zum Herzen, zum Heimweh vielleicht. Wir durften noch einen Tag länger bleiben – eine Gnade.So sahen wir 2x Piräus, die Plaka in Athen, die Akropolis von unten.

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Erster richtiger Regen seit 5 Monaten
Bei der Weiterreise segelten wir durch Blitz und Donner, Star
kregen und Hagelschlag. Hagelkörner mit 1 cm Durchmesser, es wird nie langweilig. Meine neue Ölzeughose wird eingeweiht, der Wolltroyer und die Neoprenhandschuhe werden hervorgeholt aus den Tiefen des Schiffs….Tolle Wolkenstimmung, teils düsterschwarz und finsterblau die Wolken, teils totale Nebelwand vor uns, dann wieder freie Sicht durch Regentropfen, als wir uns der Insel Poros nähern. Zum zweiten Mal auf diesem Törn, nun sind viele Jalousien geschlossen, Läden verlassen, die Tavernen leer aber liebevoll vorbereitet auf die letzten Schiffscrews. Viele aus Deutschland. 9 Tage Segeln in der Ägäis. Mit Familie oder als deftigen Männertörn.In Deutschlands Süden, in Sachsen und Österreich soll es ein Schneechaos haben. Mitte Oktober. Wir machen es uns gemütlich an Bord, ich koche lecker mariniertes geschnetzteltes Thai-Kalbfleisch im Wok und am Tag darauf deftige Rindfleischsuppe mit zartem Gemüse. In einer Woche werden wir unseren letzten Hafen dieser 6 Monate anlaufen und die EOS an Land stellen für den Winter.

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Mitte Juni auf Sardiniens Ostküste
Als am Militärgelände oben am Turm der Zapfenstreich mit der Trompete erklingt und die griechische Fahne zum Sonnenuntergang eingeholt wird, stellen sich auch bei mir Gedanken an den ausklingenden langen Urlaub ein…!Die Bilder: