Wir verlassen unsere EOS

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Bis bald, EOS
EOS ist versorgt: Unterwasserschiff gestrahlt, Segel entfernt, innen sauber gereinigt von Gerdi, die Bordwand ebenfalls gereinigt und gewachst, den Motor eingewintert, das ganze Schiff mit einer Persenning abgedeckt, alle Schaps geöffnet und die Kleidung locker im Schiff aufgehängt. Dann bleibt nur noch, uns von den Nachbarn zu verabschieden, noch einmal zu schlafen und um 5:30 Uhr am nächsten Morgen auf das Taxi zur Schnellfähre zu warten. Wir tragen die Leiter vom Schiff und damit ist die Nabelschnur zwischen uns und unserer EOS getrennt.Das Tragflügelboot fährt uns im beginnenden Morgen nach Piräus, vorbei an Buchten und Häfen, die wir Tage vorher auf eigenem Kiel befahren hatten. Wehmütig ist uns schon zumute. Noch ein längerer Aufenthalt auf dem Athener Flughafen und dann düst das Flugzeug bei wenig Sicht München zu. Wir können wieder deutsch reden, verstehen Hinweise und Werbung und genießen ein erstes Dunkles mit Brezen. Das ist gut! Das griechische Mythos (unsere Lieblingsbiermarke) war ja auch nicht schlecht. Eine etwas unbequeme Bahnfahrt im vollen Zug nach Eriskirch, ein kurzer Fußmarsch und wir sind zu Hause, kurz vor Mitternacht. Anderntags kommen Erika, Joachim und Martin. Wir alle sind gesund und froh. Die Reise hat ihr glückliches Ende gefunden.Eos steht in guter Gesellschaft anderer Schiffe in Griechenland. Wir erbitten uns von unserem Herrgott Gesundheit und ausreichend Kraft für eine weitere Reise. Holen wir sie nächstes Jahr zurück, über die Adria oder über die französischen Flüsse? Legen wir noch mal eine mehrmonatige Reise in griechischen und albanischen Gewässern ein? Unser Entschluss steht noch nicht fest.GerhardDie letzten Bilder:

Die Stadt Lavrion, das Kap Sounion und Pir??us

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Kap Sounion, unsere Ankerbucht
Mit der neuesten Süddeutschen Zeitung und 1 kg Rindfleisch für ein Goulasch segeln wir mittags los. Herrliches Schönwetter-Segeln, k e i n Starkwind, – ein Geschenk. Ich werde Poseidon danken. Sonne, 27°C, Glitzerwellen, raumer Wind, die Fock genügt.Und dann: das stolze Kap Sounion! Der Anker fällt, wir schwimmen um das Schiff, genießen die Ruhe. Der nächste Starkwind ist für Dienstag mit 7 bft angesagt!1 Stunde lang schnippele ich Gemüse und koche ein wunderbares Goulasch. Dann rast ein Motorboot durch die stille Ankerbucht und hops! – die 12 Gewürzgläser rollen davon, die Kartoffelwürfel purzeln auf den Teppich, die Teller rutschen vom  Navigationstisch. Gemein!

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Die Sonne hinter dem Opfer-Tisch
Wir paddeln an Land und wandern hoch zum Kap. Bis um 7 sind viele kulturbeflissene internationale Touristen versammelt und sicher auch viele Romantiker, um den weltberühmten Sonnenuntergang zu er-leben. Es ist wahrhaftig mehr als nur ein Sunset! Es ist ein stilles Staunen, eine geradezu ehrfürchtige Ruhe stellt sich ein, als der feurige Sonnenball sanft ins Meer taucht und ein unbeschreibliches, fast göttliches Abendrot hinterlässt am Abendhimmel. Andächtig verharren die Menschen nach diesem Schauspiel noch eine Weile, bevor sie gemächlich den Felsenberg hinunterwandern zum Parkplatz.Wir beide lassen uns Zeit, dieser Himmel ist atemberaubend in seinen Farben von Gold über orange bis zinnoberrot. Im Finstern paddeln wir im Schlauchboot zur EOS. Die Fotos mögen für sich sprechen und den Blog-Leser teilhaben lassen. Nachts erstrahlte der Säulentempel bis um 3 im Scheinwerferlicht. Grandios.Am Morgen flöte ich für Poseidon und für meinen Gott Morgenlieder in das Rund der Bucht, der Tempel nun im gelben Morgenlicht.Als wir nach einer weiteren ruhigen Nacht in einer Bucht der Insel Megalo Limani, über der die im Minutentakt landenden Düsenjets ihre Bahn zogen, friedlich übers blaue Meer zu den Ufern der Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele von Athen segeln, darf sogar mal das Großsegel ungerefft hoch an den Mast! Wir erbetteln uns einen Platz in dem 2. gnadenlos überfüllten Hafen Glifada 4. Wäre nicht grad für 1 Woche ein Deutscher mit seiner Halberg-Rassy rausgesegelt, hätten wir nicht gewusst, wo wir Schutz suchen sollen vor den vorausgesagten 7 Windstärken. Schon zogen dunkle Regenwolken auf und verfinsterten den griechischen Himmel über PIRÄUS.

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Fährhafen Piräus, Heimfahrt-Planung
Wir fuhren mit der TRAM für 1 € nach Piräus, buchten zuerst eine Kajüte auf der geliebten MINOAN- Fähre, aber nachts riefen wir unsre flinke Erika an und erfuhren, dass der Flieger viel billiger ist…Sie erledigte alles, am 29.Okt. werden wir hoffentlich pünktlich genug mittags in Piräus ankommen mit dem schnellen Katamaran ab Ermiouni am Peloponnes.Erika verdient großes Lob für die Nachtarbeit. Sie kam grad aus London zurück.Während ich das hier tippe, fegt ein Starkwind über den Hafen und legt die Schiffe in Schräglage zur Seite, es heult und pfeift. Kommt uns bekannt vor. Der Skipper bringt nochmals 3 Leinen aus, Springs, weitere Fender. Und das Barometer fällt und fällt. Der Wind drehte auf Süd und Südwest. Kalt ist es geworden.Früh waren wir in Piräus, um Schiffszubehör zu kaufen, in l a n g e n Hosen! Und Pulli! Und es hat geregnet. Die illegalen Händler boten heute nur Regenschirme an.Wir flirten mit dem Hafenmeister und er lässt uns wahrhaftig noch einen Tag hier liegen, im Schutz vor dem fauchenden Wind und vor den hohen Wellen, die wir von der Tram aus gut betrachten konnten. Dankbar sind wir ihm dafür….Hier sind die Bilder:

Lavrion und das Bergbau-Museum

Lavrion, Marina. Sooo teuer. Der Starkwind hält uns fest. Aber am 2.Tag schlüpften wir noch vorm Frühstück ins Ölzeug und steuerten die Eos hinaus aufs weiß-gischtige Meer. Gegen den Wind wühlte sich der Bug in die Wellen und bis halbzehn Uhr hievten wir bereits die Mooring-Leine im Stadthafen Lavrion hoch und vertäuten das Schiff.Erstaunlich viele Charteryachten kommen und gehen noch im Oktober. Bis auf Bayern und Baden-Württemberg haben alle Bundesländer Herbstferien, auch die Schweizer segeln mit Kindern. meist tummeln sich 10 – 12 Leute auf den großen Yachten.

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Lavrio, ein neues Fischernetz
Malerisch liegen die burgunderroten Netze der ägyptischen Fischer am Kai ausgebreitet. Ein zauberhaftes Farbenspiel! Eine Umarmung von den finsteren Kerlen fürs Erinnerungsfoto, eine Tüte voller „Babyfischle“ als Geschenk…Die wandern abends ins siedende Fett in den Wok an Bord!Dann bummeln wir Richtung Stadt und Markt, auf dem unbeschreiblich vielseitiges Obst und Gemüse aufgebaut wartet, sowie frischer Fisch, Haushaltwaren, Elektroartikel, Wäsche, man brutzelt Spieße am Grill, der starke Wind fegt Leergut in Wirbeln über den Platz…Eine Zigeunermama mit Kleinkind am Schoß hockt bettelnd am Boden. Sie kriegt 2 Souflaki-Spießle geschenkt und ein Limo fürs Kind. Vor Marktschluß packt uns ein Händler 4 kg Äpfel für 2 € ein. Der Kohlkopf kostet 1 €, Trauben das kg auch. So geht’s zurück zur EOS!

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Bergbau-Museum
Wir sind neugierig, was das am Hafen bedeutet:Hinter unsrem Schiff ragt ein rostig-brauner 170 m langer Eisensteg ins Meer, da muß es mal Erzbergbau gegeben haben. Wir erkundigen uns beim Hafenamt. Diese „French Skala“ ist ein Förderband zum Beladen und Entladen der Schiffe gewesen: Ein Relikt aus der Zeit der Französichen Bergbau-Gesellschaft, die dieses technische Wunderwerk 1888 errichten ließ.Noch sieht man die Halden der Erzschlacke, man barg auch Blei hier, und es riecht nach Schwefel. Die Eisenbahnschienen der Schmalspurbahn waren bis 1950 in Betrieb. Ein restaurierter Hochofen und etliche ehemalige Bergbauhäuser sind stumme Zeugen der Bergarbeiterzeit der Italiener, Franzosen und Griechen. Seit 1992 renoviert man das Gelände des ehemaligen Bergwerks und installierte ein Kultur- und Bergbaumuseum. Es gibt Konzerte, Kunstausstellungen, Führungen für Schulklassen und Studenten der Technischen Universität, ein feines Bistro mit Polstercouch und Sesseln mit weißen Kissen und Glastischen davor. Ein pittoresker Gegensatz vor den verfallenden, maroden alten Gebäuden!

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Lavrio, das Amphitheater von Thoriko
Wir wandern noch 2 km weiter zum Amphi-Theater Thorikos, immer das azurblaue, bewegte Meer rechts neben uns im Blick. Dieses Theater ist das älteste Theater des Altertums. Gebaut wurde es aus großen imposanten Steinquadern vor 2500 Jahren, und derzeit wird es renoviert. Es bot Platz für 6000 Zuschauer auf 3 Etagen mit großen Stufen im Oval, die sich um die Elypse der Bühne auf Stufen niederließen. Eindrucksvoll. Wir 2 sind aber heute die einzigen Gäste.

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Der Poseidon Tempel nach Torschluss
Morgen wollen wir weiter segeln zum Kap Sounion, auf dem majestätisch der gewaltige unvollendete Tempel des Meeresgottes POSEIDON aufragt, mit seinen hohen dorischen Säulen aus Marmor. Er stammt aus dem 5.Jahrhundert. Homer beschrieb ihn bereits in seinen Aufzeichnungen.Wir bummeln früh noch einmal durch diese Stadt, die so gar nicht „touristisch“ ist: Lavrion. Da ich gerade das Buch „Der Blick aus meinem Fenster“ von Orhan Pamuk lese, zitiere ich wörtlich eine Passage daraus, weil sie so treffend beschreibt, wie diese Stadt auf uns wirkte.„Mir gefallen die muffigen kleinen Läden voller vergilbter Bücher, das müde unaufgeregte Gebaren der Leute, die Zeitungskiosks auf den Boulevards, die spürbare Energie auf den Straßen, die Gesichter der Menschen, die kleinen Lokale und Imbissbuden, die freundschaftliche Art, in der die Leute ohne weiteres miteinander ins Gespräch kommen. Ich mag, wie bescheiden die Leute hier wirken, wie fest sie mitten im Leben stehen, das fröhliche Lachen der Leute, die vor den Cafés sitzen, die vollgepferchten Busse, das kalte Neonlicht in den Lokalen, das Knistern und Brummen der großen Kühlschränke an den Buden. Ich mag auch die moderne Verfallenheit dieser Stadt, die alten Häuser. Wenn ich diese Mischung aus Armut und Energie sehe, aus Wille und Empfindlichkeit, Ehrgeiz und Mittellosigkeit, dann kommt mir in den Sinn, was wir Türken für einen Komplex mit uns herumschleppen…“(Der türkische Schriftsteller beschrieb hier allerdings Sao Paolo!)

Von Chalkida nach Loutra N??he Kap Sounion

GERDI’s Stimmungsbild von der BOUFALO BAY, im südl.Drittel von Euböa3.-4.-5-Oktober 2009

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Seit langem mal wieder Regen
Dunkelgraue Regenwolken hingen schwer und nass über den Hügeln, als wir früh nach schaukeliger Nacht im großen Rund der Bucht von Ertreia in vollem Ölzeug und Gummistiefeln lossegeln. Nach 4 Monaten Nordwind haben wir Südwind! Also erneut gegenan, Wind von vorn, Welle auch. Den Seegang würden die Italiener mit „molto rumoroso“ umschreiben – heftige kabbelige beschäumte Wellen, die spitze Gipfel bilden und gegen die Bordwand knallen, die Eos von einer auf die andre Seite schleudern. Tapfer sucht sich die EOS ihren Weg, mal mit gerefftem Vorsegel, mal ohne, der Wind 4 kommt genau von vorn.Dann ein kurzer Schlag unter mir, die Schraube? Der Motor bringt nur gebremste Kraft.  Sicher ein Seil oder Fischernetz, das sich verfangen hat. Gerhard tauchte im Hafen und säbelte ein Knäuel aus 6 verschiedenen Seilen vom Propeller.Wir biegen nach backbord um das Kap. Gischtiges Gewell, Fallböen, und dann?Einladend und friedlich empfängt uns die geschützte Bucht, die in der Seekarte Boufalo Bay heißt!

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Windflügler auf dem Bergkamm
Grüne Hügel, Olivenbäume den Hang hoch, unzählige fleißige Windflügler auf den Kämmen der Berge, ein paar Häuser, eine Kinderschaukel, ein einsames deutsches Wohnmobil, etliche neuere Ferienwohnungen, ein fast runder Naturhafen ohne Kai, einige Kaiken der Fischer: hellblau bemalte Holzboote nach traditioneller Bauart, ca. 9-10 m lang und bauchig, gebaut genau für die Spezies Wellen der hiesigen griechischen See. Am Ufer spielen kleine Kinder mit der Oma, die „Yaya“ passt auf, wenn das rote Bobbycar-Auto polternd Richtung Meer rollt: “Si’gà! Si’gà!“ Langsam, Alessandro!Die älteren Geschwister sind in der Schule, seit 11.September. Eines der kleineren Boote heißt Eirini – Irene = Frieden. Und so fühlt sich auch unser Ankertag an.

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Und langsam bricht die Nacht herein
Wir wandern den Hügel hoch. Gegen 17 Uhr ballen sich die Wolken zu malerischen Schaumgebilden, türmen sich fotogen über den Inselkuppen. Ich fixiere dieses Schauspiel mit meiner kleinen Canon Camera, 9 mal, wunderschön!Als die Sonnenstrahlen schräg hinter den Cumuli ihren geometrisch direkten Weg zum Meer finden, sieht es aus wie auf alten Gebetsbildchen und spontan singe ich Abendlieder. Zeit zum Nachdenken. Heute vor 21 Jahren lag ich schon 3 Tage in den Wehen mit unserem 3.Kind. Dankbarkeit wärmt mein Mutterherz. Auch Stolz, ja.Abends gibt es Linsen. Da ich sie schon früh am Morgen vorgekocht habe, schmecken sie besonders würzig und wir können sogar im Cockpit speisen, kein Wind, keine Fallböen stören die Abendruhe.Am nächsten Morgen wandern wir beide über die Hügel zum nächsten Dorf. Unter uns breitet sich ein weites Tal aus, brettl-eben sagt der Bayer. Eine Talsohle voller Felder und Olivenhaine, eine Kapelle, Glöckchen bimmeln, Ziegen, Schafe. Es sieht aus, als wäre da früher Sumpfland gewesen.Die Vermutung bestätigt sich, als wir im nächsten Dorf an einem der 3 kleinen Tische neben dem Tante-Emma-Laden Platz nehmen auf ein Bier. Einer der Männer spricht Englisch, ist Aufseher in der Fischzucht. Er berichtet, dass es im moorigen flachen Tal früher große Büffelherden, boufalo auf griechisch, gab. Man trieb sie in unsere Ankerbucht und verfrachtete sie auf Schiffe. Daher der Name! Der Mann lädt uns zu seiner Hochzeit im Juli 2010 ein, eine richtig große Dorfhochzeit, mit Musikanten, Tanz, gutem Essen. Dabei zeigt er mit der Geste des Würgegriffs am Hals, dass er ab dann ein Gefangener in der Ehe ist. Ich mach ihm Mut.Das Dorf strömt jene Behaglichkeit und Anspruchslosigkeit aus, die unsere Dörfer oft verloren haben: Trauben reifen an den Weinlauben, Löwenmäulchen blühen gelb und rosa, die letzten Rosen leuchten am Zaun. Eine Frau füttert ihre 25 Hühner, alle in einer Reihe hinter ihr her. Schafe recken ihre wolligen Hälse und beäugen uns, Katzen streichen um unsre Beine, in Käfigen zwitschern kleine Singvögel, die Hofhunde geben Laut, wenn wir vorbei laufen. Und dann erkenne ich den Geruch aus meiner Kindheit bei der Oma in Leutershausen: Schweinekoben irgendwo hinterm Wohnhaus.Durch die Abendsonne wandern wir zurück, paddeln mit dem Schlauchboot zur EOS, baden bei +24° Wassertemperatur. Gerhard grillt am Heck-Grill die 3 Fische, die ihm ein Fischer geschenkt hat nach der Bergtour bei Sonnenaufgang. Und ich bereite aus den letzten 2 großen Kartoffeln einen fränkischen Kartoffelsalat zu.

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Gerdis Musik tönt in die Nacht
Im traulichen Schein der Petroleumlampe lese ich mein Buch des türkischen Literatur-Nobelpreisträgers Orhan Pamuk. Es steckt in der Buchhülle, die Inge mir mal genäht hat und vorne hat sie einen Dampfer draufgestickt. Eine liebenswerte Erinnerung…Draußen ist Vollmond. Der 5. auf meiner Segelreise! Er hat das Mondgesicht aber waagrecht, also die 2 Augen rechts senkrecht übereinander. Mild fällt der Lichtschein der großen 100 Jahre alten Ankerlaterne am Heck ins Cockpit. Wir gehen früh schlafen, um Strom zu sparen.Am neuen Morgen segeln wir mit gerefftem Vorsegel bei 4-5 bft in die Petali Bucht und ankern vor Trivila, die Düsenflugzeuge vom Athener Flughafen fliegen nah über uns und wecken Gedanken ans Heimkehren an den Bodensee. Wir erkundigen uns mal nach Busverbindung Kylada/Patras und nach einer Minoan Fähre Ende Oktober. Mit Kabine.GerhardDer BergskipperSegler sehen die Welt meist aus der Froschperspektive. Aus 2 Meter Höhe ist die Sicht doch sehr begrenzt. Alle Berge sind hoch und nur von unten nach oben zu sehen. Darum muss auch der Segler gelegentlich das Ufer verlassen und in die Höhe steigen.

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Boufalobay, Die Welt von oben
Boufalobay: Der Tag ist noch nicht angebrochen und ich laufe die Asphaltstrasse landeinwärts. Ich zweige dann auf einen Schotterweg ab, der sich meinen Zielberg &ndash
;sein Name ist mir nicht bekannt, seine Höhe auch nicht- hochzieht. Grau löst im Osten das nächtliche Schwarz ab und der Weg endet nach kurzer Zeit an einem Wasserbehälter. Ich wähle die direkte Richtung zum Gipfel durch niederes Gestrüpp auf felsigem Grund. Je höher ich steige um so interessanter wird die Gegend, die sich aus der Nacht schält. Überall Berge, dahinter das Meer und noch weiter das griechische Festland. Dazwischen unsere kleine, schnuckelige Ankerbucht. EOS ist als Punkt zu sehen. Am Gipfel angekommen, steigt gerade die Sonne über die Meereskante um gleich wieder hinter einer Wolkenwand zu verschwinden. Die kleinen Sporaden sind nördlich im Dunst zu erkennen, die Insel Andros im Süden. Es ist eine schöne, buchtenreiche Gegend, die wir bereisen. Jetzt erst erkennt man die Weite eines Landes und man denkt an die elektronische Reise in Google Earth.

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Starker Gegenwind
Der Gipfel und die benachbarten Bergkämme sind mit Windflüglern bestückt. Ich zähle 170 dieser Energiemaschinen. Sie bewegen sich nicht an diesem ruhigen Morgen. An jedem dieser Geräte steht ein Transformator und eine 20.000Volt Freileitung führt den Berg hinab. Energie aus der Natur, wie unsere Solarzelle am Schiff, nur hat die 24 Volt Spannung.Stundenlang könnte man von hier in die Tiefe sehen, aber das Frühstück lockt. Ich wähle den direkten Abstieg durch Stachel und Dorn, kaufe im Dorf noch etwas ein und als ich mit dem Schlauchboot wieder zur EOS zurückrudere, hat Gerdi den Tisch schon gedeckt….und die Bilder:

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Von Skiathos zur Insel Euböa

Gerhard Sind wir am Bodensee?

Die Ägäis hat uns viel Wind beschert, als wir nördliche Kurse fuhren. Jetzt steuern wir südwärts und nicht mehr auf dem „offenen“ Meer, sondern zwischen dem griechischen Festland und der langen Insel Euböa durch. Diese Wasserstraße misst im nördlichen Teil nicht mehr als 10km in der Breite. Der Wind schiebt uns mit mäßiger Kraft, Steuerarbeit übernimmt der Autopilot. Das schmale geschützte Gewässer, die bewachsenen bergigen Ufer erinnern an unseren Bodensee. Unser erster Ankerplatz liegt am Eingang der Orei- Straße, etwa auf 38° 10´Nord und 23°05´Ost (für diejenigen, die in Google Earth nachsehen). Der Wind pfeift uns hier sein Abschiedslied, das Grillfeuer an EOS` Heck ist ein Funkenregen achteraus.

Am Morgen verlassen unseren Anker die Haltekräfte und EOS geht auf Wanderschaft. Wir ankern noch mal kurz fürs Frühstück. Der Himmel hält sich bedeckt, sendet aber nochmals Rückenwind in passabler Stärke. Wir haben es nicht mehr eilig und lassen den Anker bereits nach 20 Seemeilen an einem Kap fallen. Die Wasserstraße knickt hier um 100° nach Osten und genau gegenüber erstreckt sich noch eine riesige Bucht. Wenn man sich einen Seestern mit 3 Armen vorstellt, liegen wir in dessen Mitte. Gerdi kocht im Wok Reisfleisch mit Paprikagemüse, türkisch mit Chili, Nelken und Kreuzkümmel gewürzt.

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Wir liegen ganz ruhig – bis 2 Uhr nachts – dann weht der Wind auflandig und ich wecke Gerdi. Wir verlassen den Platz und manövrieren uns vorsichtig in den Schutz einiger Inseln zum Ankern. Das ist etwas knifflig, da einige Riffe den direkten Weg verhindern. Gerdi steuert und ich suche mit Seekarte, Leuchtfeuer und den Uferlichtern gegenüber einen Ankerplatz. Zur zusätzlichen Absicherung hängen wir die große Ankerlaterne ins Heck. Es ist stockdunkel, ohne Mond. Als ich am Morgen die Lage sondiere, liegen wir genau richtig. Der Himmel sendet noch einen Schauer, dann lichtet er sich und die Sonne scheint wieder. Angenehm segeln wir zwischen den Ufern und machen im Hafen von Scala Atalantis fest. Den Häusern und Tavernen nach zu urteilen ist das ein beliebter Ferienort. Jetzt sind wir aber vermutlich die einzigen Gäste. Herbstliche Endzeitstimmung, klare Sicht und über allem liegt eine seltene Ruhe. Ich habe den Eindruck, als gingen die Uhren langsamer. Die Ufer sind fruchtbar, die Hänge bewaldet und nicht so kahl wie die südlichen Inseln der Ägäis. Es gibt überall genügend Wasser, alles ist grün. Die felsigen Berge erheben sich an den Ufern bis über 1000 Meter. Eine sehr angenehme Landschaft! Mit Genuss lassen wir uns von der EOS südostwärts tragen, lesen und sehen zu wie die Ufer wandern. Es gibt wenig zu tun. Mittags gibt´s Salat, nachmittags trinken wir Kaffee und abends kocht Gerdi einen Gemüseeintopf. Diesmal im kleinen Fischerhafen von Politika. Dort finden wir zwischen den hölzernen hellblauen Kaiken der Fischer einen ruhigen Platz. Mit uns ist ein Lübecker Segler, der über die Biskaya ins Mittelmeer allein gesegelt ist und nun auf der letzten Etappe nach Thessaloniki unterwegs ins Winterlager ist. Sehr mutig!

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Ab halbacht ist es schon dunkel. Im Finstern wandern wir noch ein paar Kilometer in den Ort zum Einkaufen.

Anderntags, noch bei Dunkelheit, kommen 2 große Fischerboote in den Hafen und übergeben lautstark den Fang an einen Lastwagen. Dann rötet sich der Himmel im Osten, und wird zu einem wolkenlosen Himmel. Ich kaufe Schollen bei einem heimgekehrten Fischer, nehme sie aus. Gerdi hübscht meine Frisur mit dem elektr. Haarschneider auf, wir frühstücken und lassen uns bei leichtem Halbwind der Meerenge bei Chalkida entgegen schieben. Dort steht eine niedere Brücke der Weiterfahrt im Wege. Sie wird nachts, je nach Gezeitenstrom, nach 24 Uhr geöffnet. Wir zahlen 18 Euro für die Passage und werden gebeten, ab 22 Uhr auf Kanal 12 erreichbar zu sein. Dann werden wir irgendwann zur Passage aufgefordert.

GERDI, Chalkida, letzter Tag im September….Mittags ist es noch angenehm warm! Im Bikini liege ich auf dem sonnigen Teakdeck in der Backbordrinne, am Rücken, und blicke den flinken Schwalben nach. Hoch fliegen sie, überm Mast und über unserem vom starken Wind der letzten 4 Monate zerfetzten halbierten SMCF-Clubwimpel. Die Leute auf der Promenade neben uns tragen alle lange Hosen, die haben wir seit Ende Mai nicht mehr getragen. Herbst. Auch hier. Mit der kleinen Canon digital Kamera bin ich auf die Pirsch gegangen und habe einige Motive eingefangen. Rosen in ihrer Pracht, goldgelbe Quitten, reifende Brombeeren, Trauben am Weinstock, die letzten großen Tomaten im welken Laub, Unkrautbüsche in voller Blüte – wie bei uns nach Ostern.

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In den Tavernen sind nun die Sonnenschutzrollos hochgerollt, die vielen Stühle gruppieren sich leer um die Tische. Keine Rent-a-car-Autos mehr, viele leere vergeblich wartende Taxis. Nicht mal einen Briefkasten gibt es mehr, um die Geburtstagspost für unsere Erika auf die Reise zu schicken. Die englisch-sprechenden Kellner sind weg, die Bulgarin zuckt bedauernd die Schultern.In den hier im Euböa-Fjord so kleinen seichten Häfen schaukeln dicht an dicht nur noch himmelblaue Kaiken mit Bergen von gelben Fischernetzen. Die Fischer „häkeln“ neue hauchzarte Fangnetze an Leinen, ganz bedächtig, 3 Stunden, oder 4. Das Leben kann warten. Man hat Z e i t ….!Kiwitt! Kiwitt! Das waren Seeschwalben! Mit Gabelschwanz und sehr elegante Flugkünstler.. Ob sich in Deutschland nun schon die Zugvogel-Schwärme sammeln und auf den Abflug warten? Wir genießen den späten warmen Sommer und richten unsren Kurs nach Süden. Da wird es vielleicht noch wärmer. Baden geht noch gut, 23° hat das Meer. Draußen wird die Luft aber nicht mehr so richtig heiß. Hier die Fotos:

Von Ayvalik in der Türkei nach Skiathos/ griechische Ostküste

Inzwischen in den Kl.Sporaden, 24.9.09 GERDI

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Nachtragen will ich, dass es in den Sporaden bleistiftdünne, 35 cm lange silbrige Fische gibt mit langen „Schnäbeln“ wie Sägen, abstehenden Krokodilsaugen. Beim Schnorcheln kommen sie auf 20 cm nah vor die Maske.Kormorane hetzten Fischschwärme, so dass sie aufflogen bei der Flucht, viele , wie kleine Vögelchen.Den alleine segelnden Skipper der neben uns ankernden Yacht „Sinai“ aus Tel Aviv luden wir zum Sundowner auf ein Glas Rotwein und Nüsse ein. Er erklärte uns, was das für eine „Tresortür“ sei im Spiegelheck, senkrecht am Schiffsende also. Es sei ein in 10 J. Arbeit selbstgebautes Schiff, und wenn Terroristen an Bord kommen, sei das der 2.Notausgang für den Skipper.

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Am 22. September segeln wir , erneut bei hohen Wellen aber angenehm halbem Wind nur 3 ½ Std. an grünen Inselrücken entlang. Die Bucht Vassiliko empfängt uns zauberhaft, bewaldet, neue Ölbaumplantagen, 3 große hellblaue Kaiken, 3 Häuser mit Garten und 2 m hohen Zäunen. Nichts ist mehr gelb oder strohtrocken am Ufer, es sprießt allerorten grün und saftig. Gras, Klee, frische Pfefferminze, pralle Anissamen an den hohen Dolden, Tamarindenbeeren leuchtendrot, Granatäpfel sonnengereift.Wir wandern den Hügel hoch, den Eselspfad entlang. Oben das Haus des Hirten, daneben 16 Solarzellen im Modul groß wie eine Freiluft-Kinoleinwand. Tomaten in halbierten Wasserfässern unterm Aprikosenbaum.Ein atemberaubender Ausblick über die Bucht. Wie ein bayerischer See. Solch ein Ruhetag mit Landgang ist Balsam für die Seele.An Bord gibt es Spaghetti arrabiata mit in Olivenöl frittierten Knoblauchscheibchen.Nachts un-beschreiblich das Sternenmeer. „Mein“ Skorpion mit dem flackernden Antares, nun wieder der Mond als vanillegelbe Sichel. Und dann, neben mir, PLATSCH! Und noch mal. Nass werd ich. Schnaufffff, Pruuuust. Stöhn. Keuch. Eine Stunde lang. Wer oder was jagt uns da? Ein Seehund? Im nächsten Hafen erfahren wir’s: Es war tatsächlich ein Seehund monachus monachus.Eine Mönchsrobbe!! Eine Kolonie lebe im Refugiom auf der nahen Insel Piperi.PS: Als wir im touristisch aufstrebenden Alonnisos, wo wir nur zum Einkaufen kurz anlegen, ist unser 1. Logbuch vollgeschrieben. 98 Seiten Erlebnisse.Und hier die Bilder:

Die EOS ist tapfer

Ich bewunderte den tapferen Skipper, der stoisch diese wilde Seefahrt fast alleine meisterte, mal von meinem selbstgekochten aber kalten Auberginen-Zucchini-Tomate-Gemüse aß und den kalten Reis löffelte, sich im von links nach rechts gerissenen Schiffsinnern ein Glas gepumptes Wasser reichen ließ, vom stillen Ayvalik … Meine Wache bis um Mitternacht war fast gnädig gegen die, die für Gerhard folgte. Ich konnte bis Mitternacht noch mit gereffter Fock und doppelt gerefftem Groß per Windpilot steuern lassen und mich unter das schützende Segeltuchdach, die Sprayhood, verkriechen – im Ölzeug mit Gummistiefeln in eine Ecke des Cockpits verkrallt und an der Lifeline gesichert, die an der Schwimmweste hängt und an Deck in einem ums Schiff laufendem Stahlseil mit Karabiner eingeklinkt wird. Gerhard musste alles von Hand mit Männerkraft an der Pinne aussteuern, jede Welle, wohl 4 m hoch und wie Kreuzseen, sie waren die EOS heftig von links nach rechts, nie war eine gleichmäßige Krängung zu spüren, nur Turbulenz und Lärm.Wenn man so an einem stillen, ja beschaulichen schon rötlichen Abend vor Anker liegend so ad hoc lossegelt, ist schon anfangs die Angst noch dabei. Doch unsere Erfahrung, seit 1973, sagt doch wie eine innere Stimme: Das schaffen wir!Schon sonderbar, dass jeder „starke Wind“ und „irre Seegang“ irgendwann übertroffen wird, und gemeistert. Dieses mit 10 Metern in der Ägäis doch kleine Schiff bewundern wir inzwischen beide sehr, denn es schlägt sich wacker mit den doch schon 36 Jahren auf dem Buckel. Die EOS ist tapfer und zeigt immer wieder von Neuem, dass sie von den Schiffskonstrukteuren „zu größerem“ als Ostsee oder Bodensee geboren wurde. Selbst 4m hohe Wellen, kabbelige See und Starkwind stellt sie sich kraftvoll entgegen, manchmal denk ich, sie ist eine kämpferische, ja stolze Persönlichkeit. Gerhard refft sie freilich rechtzeitig und vorausschauend, bevor Segel reißen oder gar der Mast bricht. Wir beide bemühen uns um gute Seemannschaft, bewahren Ruhe, räumen sehr ordentlich all das seglerische Material auf, so dass jeder Handgriff von uns beiden getan werden kann und keine Unachtsamkeit die Sicherheit beeinträchtigt. Heute nacht aber war eine kleine Schiebetür in der Kombüse nicht ganz zu, die Schräglage bei 45° und der Schub der langen steilen Welle zu heftig, – und hopps, schon polterte eine Keramiktasse heraus und in die Spülschüssel, peng, da war der Henkel ab.