Ein Morgen auf See

Wir lagen vor Anker in Sigri auf der Insel Lesbos. Wie immer blies der Wind stetig und kräftig aus Norden. Und was sagt der Internet Wetterbericht um 19 Uhr? Heute Nacht und morgen früh Bft 5-6, dann für die nächsten 5 Tage Bft 6-7. Also kurz entschlossen: Los und dem stärkeren Wind davonfahren.Ziel waren die kleinen Sporaden auf der westlichen Seite der Ägäis, 90 Meilen über See. Bis um 21 Uhr sind wir gemeinsam im Cockpit, dann Gerdi. Wind zunehmend. Um 12 sind die 2 gerefften Segel zu viel. Weiter nur mit 2fach gerefftem Groß.4 Uhr Früh: Es steht nur noch das 2 x gereffte Großsegel. Der Autopilot kann den Kurs nicht mehr halten, ich steure nach dem GPS, immer dem Bildschirmpfeil nach. Seit 1 Uhr geht das so. Gerdis Wache ist längst zu Ende. Sie liegt in der schaukelnden Backbord-Koje, ruht, aber schlafen kann man nicht. Das ganze Schiff ist von Geräuschen erfüllt. Draußen die Wellen, die gegen den Rumpf prasseln, drinnen ächzt und knarrt es an allen Ecken. Ich erwarte den Morgen und stelle mir ein gutes Sonntagsfrühstück mit Ei in einer ruhigen Bucht vor.Aber noch ist es stockdunkel und das Firmament strahlt ohne Mond. Außerhalb auf dem Wasser erkenne ich nur die brechenden Wellen, wenn sie aufs Schiff zurollen. Dann schiebt sich die Venus als hellster Stern und Morgenbote über den östlichen Horizont. Das Sternbild des Orion wandert immer höher. Um 5 Uhr der erste Schimmer des neuen Tages. Das tiefe Schwarz färbt sich im Osten zum dunklen Anthrazit. Bald müssen wir die unbewohnte und unbeleuchtete Insel Piperi südlich passieren. 2 mal unabhängig übertrage ich den Schiffsort vom GPS in die Seekarte, um nicht versehentlich auf diese Insel zu stoßen. Außerdem stelle ich den Tiefenalarm auf 130 Meter ein. Sollte er ansprechen, bleibt noch genug Zeit für Maßnahmen. 05:30 etwa: Der östliche Himmel nimmt ein helleres Anthrazit an.Im Norden wird der gerade Meereshorizont durch eine „Beule“ unterbrochen: Die Insel Piperi. Wir fahren genügend weit entfernt vorbei. EOS rast mit 6-7 Knoten und kleinster Besegelung dem Ziel entgegen. Um 6:15 Uhr kommt die Insel Kyra Panaghia als graue Masse in Sicht. Der Kurs stimmt. Wir halten auf die Südspitze zu. Jetzt entfaltet auch das Meer seine ganze Dramatik. Hohe Wellen wälzen sich auf uns zu, Eos wird emporgehoben und sinkt gleich wieder in ein tiefes Tal. Nur ganz selten bricht sich ein Wellenkamm an der Bordwand und greift über die EOS. Rundum besteht die Farbpallette nur aus weiß und dunkelgrau. Im Hintergrund die hohen Felsinseln, gleichfalls dunkelgrau. Es sind dramatisch schöne Minuten. Die Müdigkeit verfliegt. Das meiste ist geschafft. Um 06:30 etwa nimmt der Himmel die dunkelrote Morgenfarbe an, sie hellt sich immer mehr auf. Auch die nahen Inseln zeigen das Dunkelgrün des Bewuchses und das Braun und Grau der Felsen. Die Sterne sind bis auf die helle Venus verschwunden. Die Farbenpracht am Himmel wird gewaltig und bevor alles in ein helles Gelb übergeht, hebt sich die dunkelrote Sonne über das Meer.

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Megali Vala, im frühen Morgenlicht nach der Überfahrt von Lesvos
Unser GPS hat uns richtig geführt. In Abdeckung der Insel werden die Brecher zu kleinen Wellen, der Wind lässt nach. Ich schlage im Seehandbuch die Karte der Ankerbucht auf, hole das restliche Großsegel runter. Gerdi und ich fahren die EOS in die türkisleuchtende Ankerbucht und einem guten Frühstück steht bald nichts mehr im Wege.PS:GERDI es gab frisch gepressten Orangensaft, weiches Ei, Rinderschinken, Schnittlauchkäse, Filterkaffee, Grüntee, Quitten- und Orangenmarmelade, frisches Weißbrot, Schafsjoghurt mit Zimtzucker und Mandeln von Cesme.

Segelhose gerissen, Herbstkleidung im Schrank nass geworden

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Beim Aufklaren in der Bucht Panagia, kleine Sporaden, leuchtete meine dunkelblaue Ölzeughose hinten hell. Die Naht war gerissen beim ruckartigen Hocken und Schleudern auf der Cockpitbank. War aber auch nur 5 mm tief Stoff eingenäht, unverzeihlich, bei solch einem Strapazierstück, Helly Hansen! Besser nicht in China nähen lassen. Bei der Kontrolle war Meerwasser ins Gebäckfach eingedrungen und in den Schrank. Naja, die Kekse waren in Blechdosen. Und die langen Hosen, Anoraks, Wolltroyer flatterten bald am Großbaum zum Trocknen. Die rostenden Kleiderbügelhaken umwickelte ich mit TesaTextil und die besseren Klamotten bekamen eine professionelle Schutzhülle aus neuen Müllbeuteln, oben ein Loch für den Haken, unten das Bindeband zugebunden. Auf zur nächsten Nachtfahrt „landunter“.

SIGRI, ein Dorf mit kleinem Hafen, Westseite von Insel Lesbos

Nach einem wunderschönen Segeltag von Ayvalik, Türkei, nach Lesbos, Griechenland- mit sportlichen 4 bft halbem Wind und schöner Krängung – biegen wir an der Nordkante der Insel Lesbos ab und können endlich bequemer segeln als die Wochen vorher mit dem ewigen Nordwind. Nach 10 Stunden an meist kahlen Inselrücken entlang, vegetationslos, braun, öde – plötzlich Aufforstung, neue Häuser mit roten Ziegel-Walmdächern, das Dorf SIGRI.Leider ist der winzige flache Hafen voller Fischerboote und gar nicht für Segelboote gedacht, schon gar nicht bei dem strammen Wind. Also raus und ankern, unter einer wuchtigen Bastion am Meer, die uns Schutz vor dem auffrischenden Meltemi bietet, im Meer, 22°, herrlich. Landausflug. Sehr sauber die betonierten Gassen, üppig die Blumen in den Gärtchen. Im Fort nach den Regentagen frisches grünleuchtendes Gras, auch auf den Wegen sprießt es wie Kresse, gelbe Löwenzahnblüten strahlen, Schwarzäugige Susanne, die kleine Sonnenblumen wie Büsche, Dahlien in allen Farben, rote hohe Rosen blühen vor der griechisch-orthodoxen Kirche. Innen wunderbar gemalte Bilder, zauberhafte Männergesichter, ich hab sie fotografiert. 5 Kerzlein brennen nun, und die Bibel liegt geöffnet bereit. In einem kleinen Strandlokal essen wir einen Teller Sardinen, trinken ein Glas Retsina und griechischen Kaffee. Der Sohn erzählt uns, dass das Wrack der großen Segelyacht, die mit 60° Krängung auf den Felsen des Riffs liegt, erst 4 Jahre da sei. Russisch. Zu viel Wodka und – rumms.

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Ein Wrack auf den Felsen des Riffs, ein Wodka-Opfer
Jasmin duftet am Weg zum Museum des versteinerten Waldes von Lesbos, für den nach Vulkanausbruch hier verschütteten Palmenwald. 20 Mio. Jahre ist das her. Die Stämme haben einen neuen „Aggregatszustand“, chemisch nun Stein, wenn man sie aufschneidet und poliert, sieht das aus wie Edelstein, Tigerauge, Topas oder Rosenquarz. Ein erstaunlich interessantes Museum.Draußen erkennt man auch an den Dornbuschinseln ganz frische grüne Triebe. Es ist, als wäre Mitte September hier ein 2.Frühling ausgebrochen…Bei uns ist die Ruhe der Pflanzen im kalten Winter, hier wohl im glutheißen Sommerhalbjahr.Abends koche ich Auberginen-Zucchini-Tomate-Paprika-Gemüse, al dente, und dazu Reis und 2 erlesen gute Rindersteaks mit Pfeffer in der Pfanne. Als Dessert Honigmelone. Da wussten wir noch nicht, dass der nächste Tag zwecks 13 Stunden Starkwindsegelei mal ohne Abendbrot sein wird.Seglerglück und sportliches Abwettern liegen eben eng beisammen. Gut, wenn man dabei keinen Zeitdruck hat.

Von Cesme nach Ayvalik

Wettrennen der GestirneKaraada ist eine sehr schöne Bucht. Begegnungen mit Leuten aus fremden Ländern sind immer ein Erlebnis. Und dann senkt sich die Nacht herein. Der Lauf der Gestirne erinnerte in dieser und der vorgehenden Buchten an ein Wettrennen. Wir bemerkten es, als ein heller Stern ein wenig unter dem Mond stand. Unser astronomischer Berater, Herr Dr. Seng informierte uns, dass gerade der Jupiter den Mond überholt. Jupiter ist Sieger. Jeden Tag war er ein gutes Stück mehr vor dem Mond zu sehen. Abgeschlagen erscheint weit nach Mitternacht die Venus als helles Gestirn am Himmel.Es wird ruhig in den Buchten und Marinas. Während früher schon mal ein paar Jachten zuviel da lagen, kann man sich jetzt die Plätze aussuchen. Die großen Ausflugsboote liegen arbeitslos an den Kais und über allem liegt eine ungewohnte Ruhe.

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Ein alter Fischer verkaufte uns den halben Fisch
Von Karaada schiebt uns der Motor in die Bucht von Loutron. Sie liegt an einem weit in die Insel ragenden schmalen Meeresarm. Auch hier nur 2 weitere Boote. Eines aus Neuseeland, etwas länger als unseres, aber das Ehepaar segelt seit 22 Jahren darauf und hat es auch von dort hierher gesegelt. Da wirkt unsere Reise klein dagegen. Nachts hat der Regen die EOS gewaschen, am Morgen liegt das Wasser da wie ein Spiegel, kein Lufthauch ist zu spüren. Den Abend vorher haben wir einem alten Fischermann in seinem Ruderboot einen halben großen Fisch abgekauft. Gerdi hat ihn in Scheiben geschnitten und gewürzt. So wanderte er auf den Heckgrill und war bald gegessen.Über die Hauptstadt der Insel Mitilini führte der Kurs nordwärts nach Ayvalik in der Türkei. Diese Stadt liegt in einem verzweigten Buchten- und Inselbereich. Der Wind ist mit 4 Bft wieder dagegen. Wir suchen uns den schönsten Platz unter einem Felshügel aus. Eine wunderbare Gegend! Auf der einen Seite bewaldete Hänge, auf der anderen die ersten Häuser von Ayvalik und vor uns dieser Felshügel. Unter den Gipfel schmiegt sich die Ruine einer Kapelle. Mit Maroni rudere ich ans Ufer und schau mich in dieser Gegend um. Die Mauern und die eingefallene Zisterne deuten auf ein ehemaliges Kloster hin. Was war es vor vielen hundert Jahren wirklich mal? In dieser Gegend könnte man einen Urlaub auf dem Wasser verbringen. Abends gibt´s Krautsalat und Fleisch vom Grill, im Funkenregen gegart. Der Wind nimmt zu und lässt das ganze Schiff erzittern. Bis zum Morgen hat er sich verausgabt und ist zum Hauch mutiert. Wir machen noch eine kleine Rundfahrt in den Buchten und fahren dann zur Marina. Ich tanke 50 Liter Diesel und es wird bestätigt: Der Volvo 3-Zylinder, 24 KW schluckt nur 1,4 Liter/Stunde. Damit kann man leben. Das Ausklarieren übernimmt die Marina gegen Gebühr (selbst müsste man 3 weit auseinanderliegende Ämter besuchen) Gerdi füttert derweilen die Waschmaschine in der Marina.Die Wetterberichte im Internet sagen für morgen und übermorgen Bft 3-5 voraus, Ab Sonntag soll es dann mit 7 Bft dicke kommen. Da müssen wir uns dann wohl einen sicheren Unterschlupf suchen.Hier sind die Bilder:

Erdal, der Solarfarmer

Wieder Sonne, aber noch umgeben uns Wolkengebirge. In Athen soll es furchtbar regnen. Dieses dunkel-violette Sturm und Regen-Tief beäugten wir bereits auf Ugrip, der Internet-Wettervorhersage, als es sich unter dem Peloponnes räkelte, ummalt mit Windfahnen 6+7 Bft! Also zog es nordöstlich weiter. Und ist wohl auf dem Weg zu uns. Nun sei Euböa bedroht von dem „Disaster“, das Istanbul schon hinter sich hat. Da schippt man derzeit den Schlamm aus den Wohnungen und Gassen. Hoffentlich verliert das Tief seine Kraft und tobt sich jenseits unsrer Segelroute aus.Nach 10 Seemeilen schleicht unsre EOS in eine traumhaft schöne, einsame Bucht. Ein Fels muß noch umschifft werden, oben Ruinen von Kapelle oder Hausresten aus längst vergangener Zeit…

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Unsere Ankerbucht auf der Insel Karaada
Die Wolken verziehen sich. Im Sonnenglast glänzt ein großes einsames Windrad in Strandnähe, silbern blitzen die Glasflächen von vielen Solarzellen auf. Ein bescheidenes Fertighäuschen dahinter, Tier-Gehege. Viel Grün. Bäume. Ein Gerüst am Strand mit großen Wasserbehältern, Kabeln, Leitungen. Wie auf einer „Ranch“ in Australien.Der Wind weht den typischen Geruch von Eseln herüber. Ah, dort: Viele Esel, weiche Langohren in braun und grau. Kamelhaarfarbige Ziegen, einige Schafe, ein Gockel kräht, Hühner scharren im Sand. Wir paddeln, da das Meer nur gekräuselte Wellen hat, unsere kleine hölzerne MARONI ans Ufer. Gleich naht der Farmer, allein. Leider spricht er ausschließlich türkisch, dabei hätte ich soviel zu fragen und zu loben. Es ist eine völlig autarke kleine Farm! Erdal malt mit einem Ästchen die Zahlen in den Sand vor der Veranda: 40 Esel, 35 Ziegen. Nein, keine Milchziegen. Klar, er ist ganz allein mit den Tieren und der Arbeit.Er holt aus einem Ordner die Fotos seiner Esel. Wir erfahren, dass Esel auch geschoren werden und das Wolle ergibt. Ich frage ihn: “Bayan? (Frau)“ Er antwortet: „Evet! (ja) + 4 Kinder.“ Und er schreibt die türkischen Namen alle feinsäuberlich auf ein Blatt und die Adresse in Ayvalik, für die Fotos, die wir ihm senden wollen. Dann kocht er am Gaskocher das gepumpte Wasser und bietet uns 2 Henkeltassen Nescafé an. Etwas ungeduldig bittet er uns in ermunternden Gesten: „Komm!“ Wir sollen ihm folgen. Mal ruft er, mal pfeift er durch die Zähne. Ob ihm ein Esel durchgegangen ist?Durch dorniges Gebüsch, Disteln, Ölbäume und Buchs folgen wir schmalen ihm auf Trampelpfaden über Felsgrund hoch zu den verfallenden Ruinen, daneben eine uralte tiefe Zisterne. Ein christlicher Ort, der Schlußstein – zerbrochen – mit Kreuz. Die Jahreszahl 1179. Unweit davon Mauerreste eines türkischen Gebetshauses. Im Stein eingemeißelt „Imam 925“. Stumme Steine nur noch.Und dann in unsre Jetzt-Zeit: Wir posieren für ein Freundschaftsfoto vor der großen Plakatwand mit der leuchtendroten türkischen Nationalflagge!

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Erdal, der Solarfarmer
Am Rückweg zum Strand klettern wir alle drei drunten am Meeressaum über die zerklüfteten Felsen. Erdal klaubt jede gefundene Trinkflasche, Kanister, Styropor, Holzlatten, Bierflaschen, Turnschuh, Schwemmgut auf und schleppt die vollen Kunststoffbeutel zu einem tiefen Felsloch. Wir helfen bereitwillig. Dort schlichtet er alles hinein, zündet ein Feuer an. Es wird restlos verbrannt. Ah, deshalb ist dieser Strand in der Bucht so auffallend sauber gewesen! Eine vorbildliche Bucht: umweltfreundlich der Züchter, sauber die Energie, Sonnenstrom, Windkraft. Wunderbar – eine Begegnung, die irgendwie ergreifend ist in all ihrer Einfachheit aber auch Konsequenz beim Umweltschutz. Ein Blick in die Zukunft, Solar&Windkraft.Das stimmt uns optimistisch. Mehr als der heiße „Wahlk(r)ampf in Deutschland.Ich hol mir die Flöte ins Cockpit und spiele alle Abendlieder in die sternklare Nacht. Eine Nachteule ruft. Stille.

Eine kalte Dusche im maroden Container ohne Tür

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2 Tage, 3 Nächte im muslimischen Cesme. Regen, Blitz und Donner, schwere finstere Wolken. Eine kalte Dusche im maroden Container ohne Tür, türkische Männer, die langsam genau da vorbei bummeln, die Zigarette lässig im Mundwinkel. Da bin ich schnell fertig mit dem Haarewaschen.Bazar, winzige Läden und Kebab-Lokale, Jungen, die am Tablett mit Tragebügel von irgendwo in den Nebengässchen dampfenden Cai in kleinen tulpenförmigen Gläsern tragen. Der türkische starke schwarze Tee mit Zucker. Wohltuend ist, dass die Mädchen und Frauen kein Kopftuch und keinen „Schleier“ tragen im Stadtbild. Da sieht es eher in deutschen Städten „muslimisch“ aus – hier ist man ganz normal angezogen.Aber uns fällt auf, dass nun alle lange Jeans oder lange Hosen tragen und Strickjacken am Arm tragen oder Jackets anhaben.Bäcker in weißer Kleidung, die wunderschön ihr Gebäck präsentieren, mit grünen Pistazienwürfelchen verziert, oder mit Sesam, wenn es Käse-Mürbteig-Ringel sind. Alles frisch geformt, aufgerollt mit Walnussfülle, oder in kleinen Kugeln der ruhende neue Teig, der erst noch „gehen“ muß, auf den bemehlten Backblechen.

Von der Insel Samos in Griechenland nach Cesme in der Türkei

Von Pithagoria auf der Insel Samos nach Kushadasi, zur kleinen Bucht bei Bölme Adasi und nach Cesme06:15 UhrAnker auf. Der frühe Start soll uns bis mittags ans Ziel bringen, denn üblicherweise entfaltet der Meltimi seine größte Stärke am frühen Nachmittag. Ziel ist der Hafen Cesme, am türkischen Festland gegenüber der griechischen Insel Chios. Wir fahren hart am Wind und müssen bald wieder reffen. Der Wind nimmt auf 5 Bft zu. Dann müssen wir einen nördlichen Kurs einschlagen und wieder den Motor bemühen. Gegen Wind und Wellen machen wir nur 2-3 Meilen pro Stunde gut, normalerweise bei gleicher Motorleistung das doppelte an Geschwindigkeit. Aber dann lässt der Kurs wieder Segeln zu und im Nu müssen wir das Anlegen vorbereiten. Über Funk, Kanal 72 bitte ich um einen Liegeplatz. Ein Marinero kommt uns entgegen und ist beim Anlegen bei der Übergabe der Mooring behilflich.

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Der Hafen ist nahezu leer. In dem weiten Hafenrund unter der historischen Bastion wird eine große moderne Marina gebaut bis Frühling 2010. Die Stege werden vollkommen neu verlegt und der Hafen wird darum in einer Woche geschlossen. Nur noch wenige Transitjachten liegen hier.Jetzt haben wir ein Problem. Das Petroleum für unseren Kocher geht endgültig zur Neige. Wir wollen schon mit dem Bus nach Izmir fahren, da begegnet uns Mehmet, ein Kapitän. Er vermittelt uns 10 Liter Petroleum direkt von der Raffinerie. Wir wussten einfach die türkischen Worte nicht für „gereinigtes Petroleum“ So konnte auch niemand unsere Wünsche verstehen. Die Landessprache nicht zu können, das ist der größte Nachteil in einem fremden Land. Mehmet war dann noch auf der EOS und hat geholfen, den Alkoholvorrat zu vernichten. Zuvor war ich aber noch bei ihm zum Essen. Er kocht gerne und gut!Jetzt ist es Nacht und es regnet, blitzt und donnert. Wir wollen abwarten, was der morgige Tag bringt. GERDIWir bummeln durch die engen Bazargassen, lauter kleine und winzige Läden, kaum Kunden, immer 1 Verkäufer am Hocker davor wie ein Wächter, gelangweilt oder werbend: „Deutsch? Alles klar? Kaufen Leder? Tasche? Billig!“ Zwischendrin Gemüse wunderbar ausgebreitet und köstliche Früchte, gelbgrün getreifte Melonen, Nektarinen, Pfirsiche, Zwetschgen, kleine süße Weintrauben, Erdbeeren! Aber auch viele ganz heftig riechende Verkaufsstände mit Innereien am waagrechten Spieß, Döner mit Ayvar 5 türk.Lira, Köfte, Balik (Fisch), Kaffee, Chai, Eis, Pastizzerien mit unglaublilch schön verzierten, mit Mandel, Walnuss oder giftgrünen Pistazienwürfelchen gekrönten Stückchen, süß und salzig, in flüss.Honig schwimmend oder nach Schafskäse riechend mit Gekräusel wie Fadennudeln drauf. Wir probierten aber keine der Köstlichkeiten.Als ich , wie in Kushadasi, keinen einzigen Briefkasten finde, frage ich. Kopfschütteln. Ratlosigkeit, obwohl ich Vatis Brief fertig frankiert und adressiert in der Hand halte. Immer wollen sie lesen, an wen er ist und wo derjenige in Cesme wohnt, dass sie mich dahin leiten könnten. Endlich ein Aufleuchten in einem Gesicht: „Aaah..! Post!!“ Und nun werden wir ganz zurück zur Seaside, also an die Hafenpromenade geschickt. Geschafft. Auch hier misst der „Briefkasten“, hellgelb und unscheinbar am Drahtzaun, nur 28×20 cm!Wir tauchen wieder ein in die engen Gässchen, wo es alles gibt. Schneider, Schuster, Bäcker, Fischhändler, viele Gemüsehändler, Kleider, Fotoläden mit unglaublich hergerichteten Bräuten , Motorrollerverleih, Tickets für Fähren nach Ancona, Brindisi, Bari. Gewürzläden bieten alle denkbaren Gewürze und Tees an, kräftig rot, gelb, grün, braun feinpudrig Paprika, Chili, Safran, Nelke, Zimt in Körben , oder die Samen wie Pfeffer, Koriander, Anis, Kreuzkümmel, aber auch Körbe voll von Blättrigem wie Origano, Basilikum, Thymian, Sennesblätter, Pfefferminze, und Zimtrinde, Ingwerwurzeln, alle getrockneten Früchte. Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Erdnüsse, Halva- das süße Sesamzuckerzeug, das wir aus Griechenland kennen.

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Dann finden wir ein entzückendes kleines Kebab-Lokal. Mama Zeynep macht Hefeteigkugeln für die Fladen und rollt mit dem Nudelholz behände die hauchdünnen Pitascheiben, die dann auf ein nach oben gewölbtes, mit Öl eingepinseltes Blech gelegt wird, das von unten mit Gasflammen erhitzt wird. Einmal wenden, braune Punkte zeigen an, dass das hauchdünne Pfannküchlein fertig ist. Papa brutzelt Hackfleisch für Kebab und Köfte, die 7 jährige Tochter kommt und hört, dass ich Lehrerin bin und Flöte spiele. Sie auch! Schon sind wir beim Malen: Die EOS mit türkischer und deutscher Flagge. Wir falten Sampan, Segelboot, Flieger, Himmel und Hölle, das hier nach 4 Tieren benannt wird. Wir zählen auf türkisch bis 12 und die Kleine fehlerfrei auf Englisch bis 15. Ich esse Sircele, winzige Ravioli in warmer Joghurtsoße oder Ayram, Gerhard Et tantuni kebab, lecker und fremdartig. Dieser Abend bleibt uns lange in Erinnerung, die geknipsten Fotos lassen wir gleich bei einem Fotoladen ausdrucken und bringen sie ins Lokal. Und für Vati einen Selbstauslöser von uns 2 Captains auf einer Insel – nun weiß ich ja, wo der einzige Briefkasten hängt!!!!…und hier die Bilder:http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157622215893617/show/

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