Nebelfahrt

Die ruhige Wetterlage mit schwachen Winden hält an. Wenn wir erwachen, liegt seit 2 Tagen dichter Nebel um uns. Auch heute. Dann hebt sich die Nebeldecke, wir fahren noch zur Tankstelle und dann den  Mellanfjerden entlang aufs offene Meer zu. Unser Motor treibt uns durch die spiegelglatte See.  Das Inselchen Storhällen liegt auf unserer linken Seite. Rechts sichert eine Boje vor dem flachen Hammergrund und weiter südöstlich eine andere vor dem Flach der Britas klack. Dann wenden wir den Kurs in Richtung Süd. Von Osten her zieht eine weiße Wolkenwand.

Die Nebelwand nähert sich (4) (Copy)

Ein kalter Hauch umstreicht uns und lässt mich zur Jacke greifen. Das Festland im Westen, 10 Seemeilen entfernt, fehlt plötzlich. Ebenso die große Doppelinsel Jätt-Holmarna im Norden. Die Sonne zeigt sich als milchiger Ball am Himmel. Winzige Nebeltröpfchen huschen glänzend übers Schiff.

Bei Nebel nach Hölick (3) (Copy)

Im GPS habe ich die Durchfahrt zwischen Festland und der Insel  Balsön als Route eingetragen. Die ist aber schmal und kurvig. Was würde geschehen, wenn die GPS-Hilfe ausfällt? Ich ändere den Kurs um die Insel Balsön und den vorgelagerten Untiefen auf der östlichen Seite herum. Um auch bei Ausfall der Elektronik den genauen Standort zu kennen übertrage ich den Standort auf der elektronischen Karte auf die Papierkarte und das jede Stunde. Auch sehen wir nicht mehr nur gelegentlich nach vorne, sondern richten den Blick ständig in Schiffsrichtung. Die Insel Balsön liegt nur eine halbe Meile neben uns, aber wir sehen sie nicht. Einige Minuten später liegt die Insel hinter uns und wir können den Kurs auf Süd-Südwest ändern, immer noch eingehüllt in eine weiße Umgebung. Über uns wird der Himmel jetzt blau. Es erinnert mich an Skitour- Aufstiege, bevor wir die Nebeldecke durchbrechen und dann auf einmal die klare Bergwelt sehen. So entdeckt Gerdi auf einmal den weißen Leuchtturm auf der Klippe im Sonnenschein. Und neben uns fährt ein Segler auf gleichem Kurs. Die weiße Wolke löst sich auf, die Jacke wird überflüssig und die Küste liegt rechts vor uns.

Jetzt orientieren wir uns wieder an Küste und Inseln und umrunden die Südspitze der Halbinsel Hornslandet. Noch ein paar Seemeilen und wir machen EOS im Hafen von Hölik fest

Überraschungen

Reiseweg(1)

Unsere Toilette funktioniert nicht mehr! Kein Absaugen in den Tank ist möglich. Im Edsätterfjorden nehme ich das Rohr zum Absaugen heraus und versuche den Urinstein mechanisch und chemisch zu entfernen. Das gelingt teilweise. Das Absaugen geht aber weiterhin schwer.

Von Härnösand segeln wir bei gutem Wind in die kleine Bucht von Skeppshamn. Ein wunderbarer Platz mit alten Hütten und einer Kapelle. Mit Mühe werfen wir den Heckanker und machen den Bug an einer Klippe fest.

Dann besuche ich den Wetterbericht im Internet noch einmal. 5-6 Bft. EOS kann sich hier nicht nach dem Wind ausrichten. Was ist, wenn aus den 6 Bft mehr werden? Um 14 Uhr lösen wir uns und nehmen Kurs auf den Hafen von Lörudden. Hohe Mauern und südlich vor der Einfahrt Klippen. Mit äußerster Vorsicht steuern wir die Einfahrt an. Der Wind hat mittlerweile etwas zugenommen. Da kommt ein Fischer entgegen, schwenkt die Arme und deutet uns an, wir sollen etwas zurück und weiter nördlich fahren. So führt er uns an den Klippen vorbei in den winzigen, vollbelegten Hafen. Er lässt uns an seinem Fischerboot längseits gehen. Herzlichen Dank, lieber Fischer! Dann sehen wir die beiden Richtbaken, die eine Einfahrt gewiesen hätten. Weder in der elektronischen noch in der neuen Papierseekarte waren sie vermerkt! Unser Blick auf die nahen Klippen hat uns das wichtige übersehen lassen. Ich lerne aus diesem Ereignis: Bei Wind möglichst in keinen Hafen, den ich nicht kenne oder über den keine Informationen vorliegen. Rundblick statt nur Blick auf die Gefahrenstellen. In unserem Hafen erwächst sich der Wind zum Faststurm mit 8 Bft und Böen bis 10 Bft, gemessen auf der nahen Wetterstation. Wir liegen aber bequem und sicher.

Toilette 2. Teil: Auseinandernehmen der Toilette. Wieder nicht gerade eine angenehme Arbeit. In einem der Ventile steckt ein kleiner Fisch!

dsc 1375

Ein armes 5 cm-Fischlein! Es hat den Weg durch das Ansaugsieb gefunden. Es hat wohl an dem Sieb geknabbert und ist dann beim Spülen durch das Sieb gesaugt worden. Es regnet weiterhin. Ein richtiges bleib-auf-dem-Schiff-Wetter.

 

 

 

Segeln bei den Höga Kusten

Seit ein paar Tagen haben wir BERGE um uns, keine hohen und schroffen wie wir sie am Bodensee kennen, sondern rundgeschliffene, in der Höhe auf 350m begrenzt. Voller Wald. Keine so mächtigen Bäume wie bei uns, sondern dünne gerade Fichten und ebensolche Birken. Lichte Stellen nur dort, wo Holz eingeschlagen wurde. Die Inseln liegen nun nicht mehr wie Pfannkuchen flach auf dem Wasser, sondern haben angenehme Konturen Und: Das Wasser ist tief und fast immer frei von störenden Felsen. Also angenehmes, lockeres Segeln in schöner Umgebung.

Andalsundet (Copy)

Wir sind in den Höga Kusten, der hohen Küste.

 

Gestern fiel der Anker in einer kleinen Bucht vor Adal, im Adalsundet. Vor uns ein Hügel, das Gras teilweise gemäht, der Hang durchsetzt mit Felsen und schmucken Ferienhäuschen. Dahinter der höchste Berg der Gegend, 375m hoch mit seinem dünnen hohen Antennenstab an der Spitze. Am Ufer, in das Wasser auf Pfählen gebaut kleine Häuschen, sechs  nebeneinander, den früheren Fischerkaten nachempfunden. Die Architekten haben hier einfach, schnörkellos und der Gegend angepasst geplant und gebaut. Geschützt wird die Bucht von zwei Schilfinseln. Das Rufen der Seeschwalben und Möwen belebt die vollkommene Stille an diesem sonnigen Morgen hier in der Plicht der EOS.

Gestern waren wir wandern. Unser Beiboot MICRO EOS hat uns an Land gebracht. Der Weg führte uns hoch, leider ohne jede Aussicht auf die Buchten unter uns. Aber es gab die ersten süßen Walderdbeeren und blaue Heidelbeeren. Die Wiesen waren bunt voller Blumen und Schmetterlinge, so wie wir sie in unserer Heimat nicht mehr finden. Es müssen hier im Norden nicht so viele Menschen versorgt werden und das gibt der Natur Raum sich auszubreiten.

Der Link unserer letzten Reiseroute

Tricky ablegen,wilde Fahrt und wunderbarer Ankerplatz

Storklubben hat wirklich einen winzigen Hafen. Ehemals war da ein Lotsenboot stationiert. EOS ist das erste Schiff an diesem Tag. Nacheinander kommen noch vier weitere. Wie dann ablegen bei diesem kräftigen Wind? EOS entwickelt ja ein Eigenleben und will bei Rückwärtsfahrt dahin wo SIE will! Wir müssen EOS drehen. An Bug und Heck bleibt nur jeweils ein Meter Platz. Eine lange Leine vom Heck über den Bug an Land zum Helfer, eine Leine vom Bug zum zweiten Helfer an Land. Dann alle Festmacher lösen. EOS dreht in den Wind. Bug- und Heckleine drehen EOS die restlichen 90 Grad und ich an der Pinne korrigiere, damit wir kein anderes Boot rammen. Hat ausgezeichnet geklappt.

Draußen dann 4 bis 5 Bft von achtern. Teilweise nur unter gereffter Fock. Eine mächtige Schaukelei und nicht einfach, den Kurs zu halten. Aber Gerdi macht das sehr gut. Sie kann das besser als ich. Dann zeigt uns die elektronische Route (und natürlich die Papier-Seekarte auch) die notwendige Kursänderung und etwas später die Einfahrt in den Fanby-viken-Fjord. Vorher passieren wir aber noch ein kleines, kahles Inselchen ganz voller Kormorane. Sie leben vom Fischfang und scheiden kräftig aus. Man riecht das sehr stark. Dann Vorsegel einrollen und langsam mit Motor in den schmalen, langen Fjord. Langsam, weil er so schön ist. Birken und Laubwald zieht sich die Hänge hoch. Wir sind ja an der „Hohen Küste“ (na ja, 100 m ist in Schweden auch schon hoch). Bauernhöfe an den Hängen, Bootsschuppen am Wasser. Um in diesen wunderbaren Gewässern zu reisen haben wir auf den allerletzten Ostsee-Norden verzichtet.

Was für ein Ankerplatz! Schilfufer, Wiesenhänge und diese Ruhe. Ab und zu Hundegebell, gurrende Tauben, sonst nichts. Und: Ein Reh quert vor uns den Fjord.  Gerdi macht Pfannkuchen zum Kaffee. Nur eine Mail trübt, Michi hatte einen Gleitschirm-Unfall. Hätte aber schlimmer ausfallen können.

… und hier noch der Track mit unserem Navigationsprogramm

 

 

Reisewege, länderübergreifend

Jetzt gehe ich ein paar Tage zurück. Damit Ihr Euch ein Bild unserer letzten beiden Reisestrecken, die letzte nach Schweden, sende ich Euch ein Google Earth bild und jeweils zwei Links, einen könnt Ihr in Google-Earth reinzoomen, den anderen in meinem Navionics Navigationsprogramm.

Reiseweg(1)

Die Strecke von Vaasa zum wilden Ankerplatz zwischen den beiden Inselchen:

http://tinyurl.com/y3ax2t85

http://tinyurl.com/y5vf2ek2

Die Strecke nach Umea. Wenn Ihr genau hinseht, findet Ihr eine Schleife. Dort wollten wir in einen Hafen, der sich aber in der Karte als zu flach erwiesen hat:

http://tinyurl.com/yy8a49vq

http://tinyurl.com/y2ptfmsx

 

Ein Sprung nach Litauen und dann nach Lettland

Klaipeda, der quirlige Hafen: „Border Control“ schreit uns mit Lautsprecher an und möchte wissen woher, wohin, Staatsangehörigkeit. Große Seeschiffe fahren die Memel ein und aus. Wir mitten drin. Dann krächzt wieder ein Lautsprecher. Wir verstehen nur „Sailingboat stop immediately“. Vor uns rasen Schlauchboote mit aufgepflanztem Gewehr. Aha, eine Militärübung. Wir biegen ab. Die Brücke zum Hafen drehen die beiden Hafenmeister für die EOS auf Stellung „auf“. Nett hier im Zentrum im ehemaligen Wassergraben der Bastille. Die Altstadt ganz nah. Uralte, roh gepflasterte Straßen. Ein Lokal mit einheimischer Kost lockt. Gegrillter Bauch auf Kartoffelstampf, dazu Sauerkraut und Gurken. Vorher Rote-Beete-Suppe. Sehr gut.

Anderntags wieder abmelden bei der Border Control per Funk und dann nordwärts nach Liepaia in Lettland. Kaum Wind, wir bemühen den Volvo. Dann dreht der Wind auf West und wir setzen alle Segel. Jetzt können wir auch die Selbststeueranlage automatisch steuern lassen, weil das Boot ruhig liegt. Ich möchte nicht, dass er dauernd bei zu viel Seegang jede Welle auskorrigieren muss. Da sitzen wir, lesen, ich schreibe Mails für später, wenn wir wieder Empfang haben. Liepãia am Sonntag: Still, kein Frachter. Es riecht nach Holz, das hier verladen wird: Dünnes Verschleißholz und Hackschnitzel und Kohle. Vorbei an überholungsbedürftigen Fischtrawlern und Fregatten. Die Marina besteht aus einem Holzsteg, Steckdosen und einem Bürocontainer. Der freundliche Hafenmeister weist uns ein und wir besuchen die Altstadt. Ich persönlich empfinde die Stadt als schön, auch mit dem Verfall hie und da. Die Häuser strahlen etwas Heimeliges aus. Kein Protz, aber doch die Gediegenheit früherer wohlhabender Zeiten. Einige Trinkfreudige in zerlumpter Kleidung. Ich vermisse die vielen Cafés anderer Städte. Etwas Trauer liegt in der Luft. Vielleicht empfinde nur ich das  so. Zaghaft macht sich auch Neues breit. Ein Casino und Hotel in einem ehemaligen Speicher, Lofts mit viel Glas über einem Speicher am anderen Ufer und das runde gläserne Konzerthaus, sehr futuristisch. Gerade eine ärmere Stadt braucht etwas für ihre Würde. Das kennen wir schon von der Donau in Rumänien. Vier Jugendliche wollen das Schiff sehen und kommen rüber. Ohne Worte sind wir fröhlich.

Abends gibt’s Bremer Knipp, den hat Jan mitgebracht. Liegt etwas gewöhnungsbedürftig in der Pfanne, schmeckt aber gut.

Montag weiter nach Pavilosta:anfangs noch mit Motor, dann können wir gut segeln. Endlich ein netter kleiner, stiller Hafen. Die Marina ist einfach, aber hat alles, sogar Waschmaschine und Trockner. Den Fluss begleiten winzige kleine Häuser. Da wohnten mal einfache Fischer. Der Hafenmeister erzählt von den Problemen seiner Eltern zu DDR-Zeiten. Das war ja hier Grenzgebiet. Fischer durfte nur werden, wer verheiratat war und Kinder hatte. Wegen der Fluchtgefahr… Ein Kilometer des Strandes stand nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang zur Verfügung.