Windkraft

Wenn wir im Kalmarsund zwischen dem Festland und der langen, schmalen Insel Öland segeln, fallen die vielen Windmühlen auf der Insel auf. Der Wind wurde schon lange Zeit zum Mahlen des Korns, das dort angebaut wird, genutzt. Klar, die Hochfläche ist voll dem Wind von der Ostsee ausgesetzt und nur wenige Bäume mindern auf dieser Hochfläche die Windkraft. Ich kann mir vorstellen, dass damals die Müller während kräftiger Winterwinde in ihren zugigen Mühlen ihrer harten Arbeit nachgingen. Kräftiger Wind war wohl nötig um die schweren Flügel, hölzernen Achsen und Getriebe und die Mühlsteine in Bewegung zu setzen. Wie grazil sehen nebenan die riesigen hohen modernen Windräder aus. Kein Mensch ist vor Ort notwendig, die erzeugte Kraft wird über Leitungen nach andenorts übertragen und genutzt.

2000 Bockmühlen dieser Art solls gegeben haben, jetzt stehen noch 400, habe ich gelesen. Manche schön erhalten, andere verfallen langsam. Ist es nicht gut, dass der Wind immer noch, ja verstärkt auf die Art unserer Zeit genutzt wird?

 

Mit voller Anspannung in die schöne, stille Bucht

Pricken, Echolot und GPS im Blick

Unsere Ankerbucht ist unheimlich. Erst beim zweiten Versuch greift der Anker. Der Wind weht kräftig vom bedeckten Himmel und trägt Schwell und das Grollen der nahen See in die Bucht. EOS schaukelt.  Anderntags brechen wir um 07:30 Uhr auf. Wir möchten dem starken Wind, der im Laufe des Vormittags einsetzen soll, zuvor kommen.

Das Fahrwasser verläuft nahe den äußeren Schären und windet sich um Steine die sich unter Wasser verbergen. Manche sind durch grüne und rote Pricken markiert. Das Echolot-Bild zeigt ein wirres Gebirge. Die Tiefe springt von 15 Meter auf 1,8m. Das belastet die Nerven. Wir reduzieren die Geschwindigkeit auf ein Minimum. Rechts und links begleiten uns flachgeschliffene Felsen, die gefährlichere Sorte begleitet uns unsichtbar unter Wasser. Dann verlassen wir das aufreibende Fahrwasser für einige Meilen vorbei an Oskarshamn. Noch einmal die gleiche anstrengende kurvenreiche enge Strecke. Diesmal begleiten uns schmucke Ferienhäuser. Vor den meisten weht der lange blau-gelbe Wimpel.  Das GPS ist eine großartige Hilfe, zeigt es doch metergenau unseren Standort auf der elektronischen Seekarte. Dort sehen wir alle verborgenen Steine und Inselchen und die Wassertiefe in verschiedener Färbung. Was muss das aufwendig gewesen sein, als es noch keinen GPS-Standort gab! Jede passierte Pricke und jede Schäre abhaken. Hat man sich verfahren, wie fand man dann wieder heraus? Und die bösartigen Unterwassersteine? Respekt, wer sich dort zurecht gefunden hat! Auch kein Weg bei starkem auflandigem Wind. Brecher und Strömungen müssen dann brutal sein.

Wenn Ihr diesen Link öffnen könnt, dann seht Ihr bei starkem hineinzoomen, wie kompliziert der Fahrkurs ist.

Die stille Bucht

Vorsichtig kurven wir in unsere Ankerbucht. Auch hier warten ein paar Unterwassersteine. Testweise fahren wir eine Schäre an. Ein Handbuch sagt: So steil wie die Schäre ins Wasser ragt, geht sie unter Wasser weiter. Stimmt! Im zweiten Anlauf senken wir den Anker und binden EOS mit zwei Leinen am Ufer fest. Toll, dieses Schären-ankern! Da haben in einer Bucht viele Boote Platz. Wir sind aber in dieser großen Bucht wie meistens alleine. Wir steigen ans Land und durchwandern die moosweichen Pfade und glatten Schären. Im letzten und vorletzten Jahrhundert war hier ein großer Granitsteinbruch. Abbruchkanten und Abfallsteine findet man überall. Hinweistafeln informieren über die harte, entbehrungsreiche Arbeit. Die alten Fotokopien zeigen schmale, knochige Männer. Der Bodymaßindex war wohl bei diesen Arbeitern kein Problem. Was ist mit den rotbraunen, dürren Kiefern los? Bei manchen löst sich die Rinde vom Stamm und Käfergänge zeigen sich. Borkenkäfer? Der trockene vergangene Sommer?

Heute gibt’s Ratatouille. Gerdi ist fleißig dran und ich freue mich aufs Abendessen! Und es schmeckt danach auch gut.

Das Firmament zeigt volles Programm

Wir sehen kein künstliches Licht in unserer Bucht. Der Wald zeigt sich als gezackter Schatten gegen den Horizont. Darüber breitet sich das Firmament in voller Pracht aus. Die hellen Sternbilder Großer Wagen und Castor und Pollux  dominieren. Die Milchstrasse durchzieht als milchiges Band die Sternbilder. Die mächtigen Planeten Jupiter, Saturn und Mars stehen noch unsichtbar unter dem Horizont. In den hohen Breiten haben wir zugunsten des langen Tages auf dieses Schauspiel verzichtet. So legen wir uns zufrieden in unsere Kojen.

 

Eine steinreiche Bucht

Die Insel Alö verzweigt sich an ihrer Ostseite in eine vielarmige Bucht mit vielen sichtbaren und unsichtbaren Steinen. Mit Schleichfahrt steuern wir in der Einfahrt um die ersten Unterwasser-Felsen. Dann fesseln uns die Möglichkeiten hier in dieser Bucht. 6 Meter zeigt das Echolot, dann 3, dann 0,7. Voller Rückwärtsgang, aber zu spät. Ein Schlag, EOS schüttelt sich und steht. Da haben wir einen Fels übersehen. Er ist als winziges Kreuz in der Seekarte vermerkt. Ärgerlich, man darf sich nicht gleichzeitig mit zwei Problemen befassen: Den sicheren Weg wählen nach einem Ankerplatz Ausschau halten und dazu noch Reden. Gut dass die stabile EOS so einen Schlag mit einer kleinen Delle am Kiel wegstecken kann. Nach einigem Suchen steuern wir äußerst vorsichtig eine passende Schäre an, senken den Heckanker und sichern den Bug mit den Leinen an zwei Kiefern. Gerdi stellt den Motor ab und nun ist Stille um uns. Wie angenehm! Der Blick in die Runde. Vor uns die hohe, dunkle Schäre, etwas Schilf, Kiefernwald und ein Zweig über dem Bug unserer EOS. Vier Schiffe teilen sich die große Bucht. Flache Riffe ragen kaum aus dem Wasser. Rundum Fels und Wald.

Das Schiff zu verlassen ist einfach. Ein Sprung vom Bug und man steht auf dem Felsen. Bei meinem Spaziergang nehme ich diesmal das GPS mit. Der wilde Wald ist überall gleich. Vor ein paar Tagen habe ich mich in ihm fast verlaufen. Ich blicke von der hohen Schäre nahezu senkrecht auf unser Schiff herunter. Gerdi spielt Flöte und ich höre die Musik beim Laufen. Bäume und Felsen sind mit vielen Arten von Flechten und Moosen überzogen. Was alt ist fällt um und vermodert. Der harte, von Gletschern der Vergangenheit glatt geschliffene Granit bietet den Schuhen besten Halt. Zurück am Schiff umfängt mich wieder die Stille. Nur die Wipfel der Bäume rauschen leise im Wind. Diese Ruhe vermisse ich am Bodensee. Gegen Abend färben sich Fels und Wald rötlich, das Rot der höheren Breiten, bei uns im Süden ganz selten und nur im Winter. Das Ufer spiegelt sich im vollkommen stillen Wasser. Unglaublich schön hier. Gerdi zaubert Selleriebrätlinge zum Abendessen. Dazu gibt’s rote Linsen und das dünne schwedische Bier. Schmeckt auch (noch).

Die Nacht ist jetzt wieder dunkel, Planeten und Sterne ziehen ihre Bahn. Das volle Programm der Gestirne fehlt noch, dazu sind wir um diese Jahreszeit doch noch zu hoch im Norden.

In stiller Bucht an der Schäre

Vom Arkö-Sund nach Halsö sind es 32 Seemeilen. Wir wählen nicht den bei diesem starken Wind gefährlicheren direkten Weg durch die äußeren Schären, sondern den Umweg an der inneren Seite. Dort können wir zumindest 1/3 des Weges ganz hart am Wind segeln. Den Rest müssen wir den Volvo nutzen. Bei so einer langen Motorfahrt gegen den Wind und ohne Sonne hält sich die Freude in Grenzen.

Am Ziel in der Bucht auf der Nordseite der Insel Halsö fängt es an zu regnen. Wir legen Heckanker und lange Landleinen bereit und steuern langsam eine Schäre an, die es erlaubt, direkt vom Schiff auf den Fels zu springen. Ein freundlicher Schwede vom Nachbarschiff nimmt trotz des Regens die Leine in Empfang und gibt gute Infos zum Ankern an einem Fels. Wir sind ja noch fast Neulinge bei diesem Anlegemanöver. Der schräge Fels ist nach dem Regen rutschig. Vorsicht beim Übersteigen! Im Wasser ziehen die schönen unangenehmen kleinen Quallen vorbei. Morgen wird das Meerbad wohl entfallen.

Schäre m. Leinen+Quallen (1)

Draußen auf der Insel nur Natur. Alles wächst und vergeht wie die Natur es vorsieht. Nordlandfauna mit Krüppelkiefern, Heidelbeersträucher, viele Sorten Moose und Flechten. Die Insel ist schmal. Nach ein paar Minuten stehe ich auf der anderen, dem Wind ausgesetzten Seite. Uns auf der anderen, von hohen Bäumen geschützten Seite streift nur ab und zu eine Böe. Zum Abendessen macht Gerdi Spagetti mit Tomatensauce und zum Nachtisch Joghurt mit Pfirsichen. Dann setzen wir uns noch mit einem Glas Rotwein nach draußen. Dumpf dröhnt das Meer von der anderen Seite herüber. Langsam verlieren sich die Farben und die Inselkonturen sind nur noch als schwarze Schatten zu erkennen. Der Himmel zeigt nur einige wenige hellere Löcher im gleichmäßigen Dunkelgrau.

 

Beim ersten Foto kann man sehen, wo die Segelmacherin die Fock geflickt und den Verstärkungsstreifen angenäht hat.

Durch enge Fahrwasser an den Schären-Ankerplatz

Windfinder sagt für heute- und für die nächsten Tage auch- Windstärke 5-6 aus der Richtung in die wir fahren möchten, voraus. Und er hat recht! Gut, dass wir uns innerhalb der Schären bewegen, da entwickeln sich keine zu unangenehmen Wellen. Kaum aus dem angenehmen Vereinshafen von Nynäshamn heraus, empfangen uns Schaumkrönchen. Nur kurz, denn uns erwartet die erste gewundene Engstelle, wie gewohnt durch Bojen gut abgesichert. Dennoch erfordern diese Engstellen volle Konzentration und verminderte Geschwindigkeit. Dann ein kurzes Gegenwind-Stück und der Dragets Kanal liegt vor uns. Das war früher eine Tragestelle (Schiffe über Land), darum der Namensteil „Dragets“. Im 17. Jahrhundert wurde dieser kurze Verbindungsweg dann aus dem Fels gebrochen. Gegenverkehr. Wir warten, denn mit 4 m Kanal-Breite kann man sich keinen Gegenverkehr erlauben. Dann ein Warnton aus der Blas-Tröte und Gerdi steuert vorsichtig in den schmalen Kanal. Rechts und links Felsen und Wald. Jetzt biegen wir in das Buchtensystem Rasavikar ein. Nochmal wird’s zwischen Schilfufern eng, dann können wir uns auf unseren Ankerplatz direkt an einer Schäre vorbereiten. Heckanker klarmachen und zwei lange Vorleinen anschlagen. Ankern ist dort möglich und üblich, weil sich die Felsen sofort in tiefem Wasser fortsetzen. Gerdi fährt behutsam an die Schäre heran, ich lasse den Heckanker fallen und lasse das Ankertau nach. Kurz vor der Schäre übernimmt Gerdi das Ankertau am Heck und wenn EOS fast den Fels berührt springe ich mit einer Vorleine an Land. Diese und die zweite Leine werden an Bäumen befestigt und auf passende Länge gebracht. Gerdi holt das Ankertau straff, fertig! Es hat zwar nicht ganz geklappt, aber fürs zweite Mal (den ersten Versuch vor ein paar Wochen haben wir abgebrochen) gings recht gut. Auch das muss man lernen.

Draußen Urwald. Ich seh mich dort um und hätte mich bald verlaufen. Nur Wald und keine Sicht nach außen und die buckeligen Schären sind verwirrend. Aber irgendwann sehe ich doch EOS‘ Mast. Ein ruhiger Nachmittag beginnt. Abends sind wir die einzigen Menschen in dieser zauberhaften Bucht in der absolut nichts von Menschenhand Geschaffenes zu sehen ist.

Die VIDEOS wurden mit doppelter Geschwindigkeit hochgeladen! Gerdi steuerte die EOS langsam und behutsam durch die Engstellen…!!

 

Inselbucht Höko-Oxelösund, Savö-Engstelle. 16.8.19

Gerdi schreibt:

Copien-Segelfreude 16.8 (2)

Um 9.15 Uhr Anker auf, inzwischen Bordroutine. Es soll 3-4 bft geben, S und SO, also Segelwind von vorn. Gh refft das Großsegel.

Copien-Segelfreude 16.8 (4)Copien-Segelfreude 16.8 (5)Copien-Segelfreude 16.8 (6)Copien-Segelfreude 16.8 (7)

Copien-Segelfreude 16.8 (3)

Um 10.30 Uhr passieren wir im Schleichgang die Engstelle bei Savö. Eindrucksvoll… Erinnerungen an die Flußfahrt und den Donaudruchbruch mit unsrer EOS 2014… Noch durch 2 solche engen Stellen schiebt sich unser Schiff, der Volvo hilft teilweise brav, exakt in der engen Rinne zu bleiben zwischen den roten und grünen Pricken…! Savö (1) (Copy)

Savö (2) (Copy)
Ganz nah die Felsen: ehem. Lotsenhaus

Savö (3) (Copy)

Dann umgeben uns immer mehr düstere Regen- und Gewitterwolken. Wir legen Ölzeug an, Südwester, Gummistiefel. Schräg saust die EOS durch die Wellen… Und es regnet NICHT! Gereffte Fock, bissige Wellen von vorn, Eos kämpft. Da ändert Gerhard unsren Kurs zur Ankerbucht um und legt unsre GPS_Route etwas mehr zwischen die Schären. 12.30 Uhr, Ruderwechsel, der Käptn steuert nun in die düsteren Wolken.

Copien-Segelfreude 16.8 (8)Copien-Segelfreude 16.8 (9)Copien-Segelfreude 16.8 (10)Copien-Segelfreude 16.8 (11)Copien-Segelfreude 16.8 (14)Copien-Segelfreude 16.8 (15)

Bis 16.20 segeln wir hart am Wind … dann biegen wir in eine große Bucht ein, am Ufer Wohnwagen, Bootsanleger… Wir ankern lieber im Arkosund, im Lindöfjärden.

UNGLAUBLICH  !! Da kann man durch segeln…teilweise nur 3 m tief und weniger…

Hy-fotos 16.8 (5)

Copien-Segelfreude 16.8 (13)
Tiny-House schwedisch. auf engstem Raum

 

Hy-fotos 16.8 (1)
Oben links in der hellblauen Bucht (flach) liegen wir im Lindöfjord

Statt Sturzregen und Gewitter lösen sich die Wolken alle auf!! Ich bade im 18°C kalten (brrr) Meer, wir sitzen im sonnigen Cockpit und lesen… Um 20.35 Uhr geht die Sonne unter, noch sind wir es gar nicht gewöhnt, dass es so früh dunkel wird…

Von der Großstadt in die lauschige Ankerbucht

Wir haben in den vier Tagen in Stockholm ein wenig Gefühl für die Hauptstadt Schwedens bekommen. Gelassen, gut organisiert und sehr sauber.

Jetzt möchten wir wieder segeln. Daraus wird aber nichts, der Wind kommt genau von vorne und das Fahrwaser ist schmal. Kurz nach Stockholm zweigt ein schmaler, tiefer, von hohen Schären umgebener Fjord nach Süden ab, Üppige Villen an beiden Seiten. Lange Treppen führen zu den Bootsstegen hinunter ans Wasser. Die Wellen der vorbeifahrenden Schiffe können sich an den steilen Schären nicht totlaufen. Die Eigner heben deshalb ihre Boote mit elektrischen Liften aus dem Wasser. Bevor der Fjord wieder breit wird, durchfahren wir noch eine enge, flache Strecke mit verringertem Tempo. Dann bläst uns der Südwind wieder von vorne an. Nix Segeln. An unserem ersten geplanten Ankerplatz greift der Anker nicht: Steingrund.

Vorbei am Schloss auf Rägholmen. Dann eine Kurve um Erstholms Südwestspitze und nun regnet es leicht. Aber voraus sehen wir die enge Einfahrt in die Kolnäsviken. Die Bucht ist so schön und sicher, dass sie andere auch schon kennen. Um uns Wald und Fels. Wir ankern mit zwei anderen Seglern inmitten der Bucht. Andere Segler legen sich mit dem Bug an eine Schäre. Der Anker greift sofort und nur gelegentlich schafft es eine Böe bis zum Wasser. Gerdi bereitet den Lachs zu, Das Abendessen ist immer ein später Höhepunkt des Tages. Der Regen rauscht ganz leise auf die Kajüte. Sehr heimelig hier auf unserer EOS.DSC_1464

Lachs, Sauce, Karoffeln sind dann wirklich gut! Die feinen Regentropfen summen auf dem Kajütdach, nur gelegentlich von einem kurzen Schauer unterbrochen. EOS bewegt sich leise am Anker vor dem rabenschwarzen, nahen Wald. Irgendwann nach Mitternacht schütten die Wolken alles was sie noch haben auf uns. Irgendwann schlafe ich bei dem wilden Trommeln ein.

Und am Morgen? Die Sonne scheint, mildes Licht umgibt die Bucht. Kein Laut (auch kein Vogel). Das Wasser ist badewarm. Was bringt der neue Tag?