Bozburun, das Ende der Träume?

Bozburun, das Ende der Träume?

Bozburun liegt auf der Halbinsel mit gleichem Namen, dort hört die asphaltierte Straße auf. Es geht noch ein paar Kilometer die Schotterstraße weiter, dann ist Schluss. 9 km über dem Meer beginnt Europa mit der griechischen Insel Simi.

Wir anken in der schönen großen Bucht vor  dem Hafen. Beim Einkaufen sehe ich mich auf einmal mehreren Polizisten mit Maschinengewehren und einer Reihe von Bussen gegenüber. Völlig ungewöhnlich an diesem friedlichen Ort. Ein Segelboot, kein Seelenverkäufer, mit 50 Migranten wurde von der Coastguard aufgebracht und hierher zurückgebracht. Da sitzen sie nun in den Bussen, still, traurig. Was mögen sie denken. Nur noch 9 km fehlen bis ans Ziel Europa. Sehr viel Geld bezahlt, eine lange ungewisse Reise hinter sich, umsonst, zumindest vorläufig.

Das „Schleppen“ hat sich zu einem Geschäft entwickelt mit einem eigenen Netz der Kontakte. Die Kapitäne der Schiffe seien international, auch hier, Türken, Engländer, Deutsche. 2000 bis 5000€ zahlt ein Flüchtling alleine für die Überfahrt. Ein hervorragendes Geschäft für den Kapitän, wenn’s klappt. Wenn nicht, stehen der Schiffsverlust und eine mehrjährige Gefängnisstrafe in Aussicht. Nail erzählt mir beinahe jeden Tag, wo wieder ein Schiff aufgebracht wurde: In Selimiye, in Orhaniye. Aber es seien die wenigsten, deren Reise in einer nächtlichen, stillen Bucht beginnt –  aber nicht am Ziel endet. Der Traum ist die EU! Jetzt ist mir auch klar warum mir an diesem ländlichen Ort so viele Polizisten und Uniformen auffallen. So enden im beschaulichen Bozburun  nicht nur die Wege, sondern auch viele Träume.

EOS steht in der Werft ca. 6 km weit weg vom Dorf, von senkrechten Pfählen gehalten und unter Dach. Draußen stehen lauter große Gulets, unter anderem die „LADY SOVEREIGN II“, auch ein ehemaliges Boot für illegale Geschäfte in dunkler Nacht. Die Handwerker machen Ihre Sache gut, aber der Werft selbst mangelt es gewaltig an Ordnung und Sauberkeit. In unmittelbarer Nachbarschaft ist eine riesige, saubere Halle entstanden.

Hier drinnen entsteht das größte hölzerne Segelschiff der Welt

Nail möchte dort das Holz für EOS‘ Teak -Deck kaufen, weil es trockener sei, als das aus Istanbul. Der Bootsbauer dort lädt mich zu einem Rundgang ein. Das größte hölzerne Segelboot ist hier im Entstehen, 158m lang und daneben zwei weitere, kleinere. Welch eine Arbeit! Geländer so dick wie ein Menschenkörper. Keine Schäftung ist zu erkennen. Die Kajüte: ein Traum in Holz, allerfeinste Arbeit, innen unvorstellbarer Luxus. Hier waren wohl nur die allerbesten Profis am Werk, Edel-Handwerker. Der Bootsbauer zeigt seinen Stolz. Allein der Bau der leeren Halle hat 12 Millionen Euro gekostet. Über den Preis der Schiffe schweigt er. Fotografieren nicht erlaubt. So öffnet sich mir ein kurzer Blick in die andere Welt der überaus Reichen. Der Haken an der Sache: Es ist zu still in der Halle, nur 2 Arbeitern begegne ich. Diese Werft hat eine russische Gesellschaft gebaut, wie ich einem Zeitungsartikel entnehme. Alle 3 Schiffe wurden von schwer-reichen Ukrainern in Auftrag gegeben. Jetzt stockt die Bezahlung, wie man sagt, wegen der Kriegswirren dort. Darum wird derzeit nicht weiter gearbeitet. Die ursprüngliche Aufbruchsstimmung ist verraucht. Viele Fachleute wurden entlassen. Vielleicht geht es nach einiger Zeit wieder weiter. Vielleicht ist aber auch hier der Traum für die Arbeiter der Werft zu Ende.

Alle Träume enden irgendwann. Wir aber hoffen, dass das Werk von Nail und Mehmet gelingt und wir unseren Traum von einem weiteren Sommer mit EOS auf dem Meer fortsetzen können.

EOS in der Werft

Durch das Deck unsrer Yacht dringt bei heftigem Regen oder hohen Wellen Wasser ins Schiff. Das Teakdeck hat mit 40 Jahren sein Lebensende erreicht. Das ist auch bei andren Schiffen dieses Typs so! Damit wir nächstes Jahr mit dichtem Deck die Reise fortsetzen können, lassen wir diese Arbeit hier in der Türkei ausführen. Der Preis ist sehr günstig, aber wie wird das Ergebnis ausfallen? Wir sehen uns eine Arbeit von Nail, dem Bootsbauer an und meinen: Dieses Deck ist o.k. Sauber verlegt, fachgerecht aufgeklebt und optimal abgedichtet. Außerdem gefällt uns das ruhige und freundliche Wesen des Bootsbauers, er spricht gut Englisch, mankann sich gut verständigen. Die Zustände auf dem Gelände sind allerdings -für uns Deutsche- erschreckend. Unordnung, die sanitären Verhältnisse verlottert. 1 kaputtes Clo für alle.(Nach 4 Tagen hier wurde tatsächlich ein neues installiert:-)

Auch das Ausfahren aus dem Wasser geschieht auf abenteuerliche Weise mit einem rostigen Slipwagen, gezogen von einer riesigen Baggerraupe. Senkrecht gehalten wird alles von Holzstützen, so wie alle Schiffe hier. Das Manöver geht auch nicht ganz ohne Kratzer ab. Die sollen aber wieder in Ordnung gebracht werden.
Gerdi fliegt am 21.10.heim und ich bleibe während der Arbeiten hier. Nach 3 Tagen sind alle Beschläge und Relingteile entfernt, das alte Teakdeck abgebrochen, Hunderte von Schrauben gelöst und alles abgeschliffen. 2 Tage braucht es, um eine Sperrholz- Zwischenschicht anzupassen und mit Epoxi- Kleber zu befestigen.

Die Zwischenschicht aus Sperrholz ist angebracht

Als nächstes werden dann die 5 cm breiten Roco- Stäbe mit gelbem Sikaflex aufgeklebt. Echtes Teak ist mittlerweile kaum noch zu bekommen und sündhaft teuer. So greift man auf Iroko zurück. Mit Schrauben befestigt man diese Decks schon lange nicht mehr. Ich bin gespannt auf die Fertigstellung und werde mit wachen Augen über die Ausführung wachen.
Die beiden Bootsbauer arbeiten schnell. Vormittags eine Viertelstunde Pause, nachmittags ebenso und mittags 30 Minuten. Da wird immer viel gelacht und ich fühl mich mitten drinnen.

Der Pausenraum

Es macht auch Freude. Die Arbeit geht wesentlich schneller voran, als ich gedacht habe. Sie arbeiten mit einfachen Werkzeugen und ich muss schon aufpassen, dass nichts am Kajütdach oder den Kajütwänden zerkratzt wird. In ein Paar Tagen weiß ich mehr.

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Die ersten Tage in der Werft

Etwas wehmütig ist die Fahrt vom schönen Ankerplatz neben dem Hafen von Bozburun mit dem Schiff… Noch einmal lassen wir diese buchten- und bergreiche Gegend  an uns vorbeiziehen …

Die Fahrt zur Werft (1500x808)

Eigentlich wollten wir EOS in Kas(sprich „kasch“) in die Werft geben, aber die Fachkunde,  gelungene Decksarbeit , die Freundlichkeit der Handwerker und Bootsbauer und natürlich auch der Preis haben uns bewogen, hier zu überwintern.

Abenteuerlich war das „an Land ziehen“ schon und es ging auch nicht ohne Kratzer am Rumpf ab. Aber schließlich war EOS aus dem Wasser und der Mast gelegt. Gerdi hatte für Dienstag einen Flug gebucht und der Werftbesitzer fuhr uns am Montag im alten Mercedes auf der berg- und buchtenreichen Küstenstraße nach Marmaris. Eine wirklich schöne Gegend mit Berg, Fels, grünen Pinienwäldern und Wasser. Schaut von oben noch schöner aus als vom Meer aus. Zum Motel am Flugplatz gehts dann mit Dolmusch (Kleinbus) weiter. Eine kurze Nacht an Land schlafen, sogar ein beleuchteter Pool lädt zum Schwimmen ein, kalt! Gerdis Flug um 8 und ich im Dolmus zurück und Bootszubehör in Marmaris einkaufen. Bus zur Werft. Und am Nachmittag schon bin ich alleine an Bord in der Halle. Ungewohnte Ruhe, kein Gespräch. Es hämmert und kratzt an Deck. EOS im Operationssaal. Mehmet entfernt die alte Haut mit grobem Werkzeug. Nicht angenehm, das zu sehen. Holzbruch an Deck, Schrauben ragen heraus. Würdelos. Man muss schon an die Zukunft denken, wenn das neue, helle Teak-Deck aufgezogen wird und sich die die gewonnene Schönheit erahnen lässt.

Unter dem Teakdeck (1500x1125)

Die Umgebung füllt sich mit großen lackglänzenden Holz-Gulets. Viele davon sehen auf den ersten Blick edel und gepflegt aus, aus der Nähe aber zeigt sich Rott und Rost am Unterwasserschiff oder Brandspuren an Gräting oder Cockpit. Nebenan in einer riesigen Halle entsteht derzeit das größte hölzerne Segelschiff der Welt, 158m lang, für einen Eigner aus der Ukraine. Zwei weitere große Segler entstehen ebenfalls für Eigner der russischen Föderation. Ein Bootsbauer dieser Werft zeigt mir diese Schönheiten. Erstklassige Holzarbeiten, allerbeste Materialien, die Werft sauber wie eine Automobilfabrik. 12 Mio hat allein die Halle gekostet. Der Bootsbauer nimmt sich viel Zeit und erklärt mir die Qualitäten der Edelhölzer. Mit Nail, der sich um EOS kümmert, vereinbaren wir, dass er die Hölzer in dieser Werft und nicht in Istanbul kauft. Der Bootsbau dieser exklusiven Segelyachten hier hat nur einen Haken: Die politischen Wirren verhindern die Bezahlung und so ruht die Arbeit zum Teil. Diesen Luxus in Vollendung bezahlen die bettelarmen Leute. Da ballt sich die Faust von selbst.

So kehre ich zum fröhlichen Hämmern und Splittern auf die gemütliche und bezahlte EOS zurück. Auch die Handwerksarbeit wird von uns bezahlt: 50% in bar beim Beginn der Arbeit, der Rest nach Fertigstellung. Deutsche Sitte.

Alle Bilder:

Und Gerdis Blog

Eos in der Schiffswerft: das alte Teakdeck kommt weg…

Zum Abschied malte ich ein Aquarell
Zum Abschied malte ich ein Aquarell

Bozburun. Eos bekommt ein neues Teakdeck! Der Vertrag ist unterschrieben, am 20. Okt. wird ein Trailer ins Meer geschoben, die EOS darauf „gesetzt“ und an Land gehievt. Aus Marmaris kam ein Autokran und legte den Mast. Dann schob ein riesiger Bagger die Eos (auf ihren untergeschobenen Rädern) in die luftige Werkhalle. Hier kann der Skipper auch noch am Boot wohnen und einige Reparaturen an Bimini, Wasserleitungen, Beschlägen und Klampen vornehmen. Nachts ist er aber nicht „ganz“ allein: viele Hühner+Gockel jeden Alters rennen rum, 3 Hunde mit Hütte gibt’s und Katzen, auch junge. Der Ausblick ist atemberaubend.

Im Meer der Trailer
Im Meer der Trailer

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Bootshalle f. EOS und Gerhard
Bootshalle f. EOS und Gerhard
Da wartet ein Gulet aufs Rausziehen
Da wartet ein Gulet aufs Rausziehen
Geschafft!
Geschafft!
Mobiler Autokran zum Mastlegen
Mobiler Autokran zum Mastlegen
Mast mit Roll-Fock
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Er begann sofort mit der Demontage an Deck!!

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Rucksack schon 2 Tg. vorher gepackt
Rucksack schon 2 Tg. vorher gepackt

Mein Rucksack war schon in der letzten sehr windreichen Nacht vor Anker gepackt. Bissige Böen zerrten wieder am Anker, das Ratatouille mit Reis war ein Adieu-Menü. Ich bekam noch einen Platz im Flieger Dalaman-Istanbul u. von da nach Friedrichshafen(an Bord auch die Gulet-Crew mit Jan :-). Gerhard fuhr mit mir im Dolmus-Bus nach Marmaris, nach Dalaman, mit dem Taxi zu einem kleinen Motel, sogar mit Pool. Mini-Frühstück um halbsechs früh, kühl im Freien. Abschied am Airport um 7.30… Er nach Marmaris zum Einkaufen Bootszubehör, ich nach Norden. Beste Sicht auf diese paradiesischen Buchten, in Istanbul unsere Brücken und danach die Donau! Um 3 war ich daheim.

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Rückblick: GERDI

Steuerfrau vor 1. Moschee-TÜRKEI
Bosporus! Auf nach Istanbul!

Mitte Juli bis Mitte Oktober 2014: Es war ein gutesVierteljahr für mich, voller tiefer Eindrücke von vielen wechselnden Landschaften, mit herzlichen einfachen Menschen, den fröhlichen Ungarn, den bescheidenen Serben in all ihren noch misslichen Lebensumständen, schlechten Wohnungen, rostigen Autos, den selbstbewußten kleinen Unternehmerinnen in den Läden, den naturverbundenen Rumänen– nie klagend, nur freundlich und hilfsbereit. Das Donaudelta mit den unbeschreiblichen stillen Tagen im Schilf, das rauscht, mit den Seerosen, Reihern und Kranichen…. Die Begegnungen mit den Fischern, die heranruderten, wenn die EOS im Strom festgekrallt lag …die 2 großen lebendigen Hechte, der große weiße Wels…Der Forstmann  Georghe, der meine diatonische Mundharmonika als Geschenk erhielt. Die streng-gläubigen russisch-orthodoxen  Lipowaner, blaue Augen, blondes Haar, in ihren kleinen schmucken himmelblauen Häuslein, Blumen drum herum, viele Kinder. Die üppig mit Gold bedeckten russisch-orthodoxen Kuppelkirchen, die Frauen mit leuchtend rotem Rosenmuster auf den russischen Kopftüchern, die Männer mit langem, weißem Karohemd und Gebetskordel um die Taille, die von 3 Männern gesungene Andacht in der Gebetsstunde im Schein der kleinen Öl-Lampen in den Hängeampeln. Die Zigeuner mit ihren kohlschwarzen Pferden, in deren Schweif rote Satinbänder eingeflochten waren, die Brotbacköfen in den Gärten neben den niedrig hingeduckten winzigen Häusern, Kinder davor, barfuß alle, nie haben sie  Schule, immer frei. Pferdekarren mit Schrott oder tonnenschweren Wassermelonen.

Auf der 2700 Jahre alten Festung über Bozuk Büki (1000x750) IMG_8503

Wir haben 100 Tage auf unsrer kleinen EOS gelebt, zu zweit auf  nur außen 10 m  und max. 5 m innen. So lange, wie schon 5x früher mit unsren 2 und später 3 kleinen Kindern auf der Adria mit dem 8m-Stahl-Schiff „Marion“, 1983-90.

Rauschende Meerfahrt (1125x1500)

EOS, die Halberg-Rassy Mistral 33, Baujahr 1974 in Schweden,  ist unser Heim-auf-Zeit seit 2006. Vor 40 J. begann ich mit dem Segeln! Jetzt ist das Schiff 40 Jahre alt. Und dieser Törn ist schon der 4. mit ihr! Wenn wir so einfach leben, alles gemeinsam machen, die Aufgaben verteilen, die stillen Abende nach dem Essen- mit einem Glas Wein und ein paar Pistazien und meinen Abendliedern auf der Flöte… dann glaubt man oft, in der Stille, das läßt sich nicht überbieten an Ruhe und Sorglosigkeit. Tobt aber der Sturm und reißt höllisch am Anker, Tag und Nacht, oder wie in Foca(„Fodscha“) gleich 3 Nächte mit Getöse und Gerassel, dann heißt es Geduld haben, Angst überwinden, beten, sich gegenseitig Kraft geben, vertrauen, nicht zagen und jammern, sondern den Naturgewalten trotzen und gewissenhaft tun, was nötig ist, auch bei einer einsamen Nachtfahrt zwischen Rumänien und Bulgarien… wenn man 4 Stunden da draußen sitzt im Ölzeug, mit Schwimmweste und eingehakter Lifeline, und der Partner schläft bis zum Ruderwechsel früh um 2 oder 3 Uhr in finsterer Nacht, …aber  zur Kartenarbeit und GPS-Prüfung muß er immer wieder aufstehn…. Man muß sich vollkommen auf den andren verlassen. Ist kein andrer da- und weglaufen geht nicht.

Drei zauber-hafte Vollmonde haben wir erlebt, dieses Licht am Sternenhimmel, der so unbeschreiblich viele Sterne funkeln läßt, daß man den Atem anhält vor all der Schönheit…

Gott bewahrte uns erneut vor Unfall und Havarie, nicht aber vor Gefahren. Die mußten wir schon meistern! Doch Seegang und Windgebraus, störrische Segel-Reff-Manöver in Sturmgeheul und Nachtgewühl am umtosten Meer, auch ein 3-cm-Tau in der Schiffsschraube(!) haben wir überstanden- mit Gottes Hilfe und der nötigen Zuversicht. Unsere Kinder freuten sich über unsere Berichte und die Fotos im Blog, wenn auch diese „Hausaufgaben“ oft mit viel Zeitaufwand und auch Ärger verbunden waren (Internet war oft eine sehr „brüchige“ Verbindung) .

An der Sandinsel DANKE Dunarea veche f.d. Sunset (5) Karges Frühstück ..letzter Einkauf vor 15 Tagen in BrailaFoto anklicken, dann wird’s groß, danach auf „zurück-Pfeil“

Nun blicken wir zurück auf unvergessliche Erlebnisse, 4200 km, davon 2550 km auf der Donau, diesem großen erhabenen Fluß Europas(mit 2-3 m mehr Wasser wegen der Hochwasserlage,die Bäume waren im Wasser fast verschwunden, Inseln auch), dann ab dem Schwarzen Meer noch über 1600 km Segeln am Meer…die windreichen Tage hinter Nessebar, im Bosporus, bei Istanbul  und nördlich von Samos und Cesme/Izmir…

Nun aber wurden wir auch belohnt mit den 2 Wochen schönem Segeln zwischen Gözek  und Bozburun in herrlich blauen Buchten, die wohl die krönende Bezeichnung „PARADIES“ verdient haben. Manchmal sitze ich im Cockpit, habe die Bibel auf dem Schoß, lese einen Psalm und singe vor mich hin: Gute Nacht, Kameraden, bewahrt euch diesen Tag,..“ Oder „Nun danket alle Gott“ und „Großer Gott, wir loben dich“. Und es steigt aus tiefem Herzen empor… denn wir beide wissen, daß es ein Geschenk von oben ist, die Nähe auszuhalten, diese wundervollen Morgen am Boot zu erleben, die Sternenfülle am tiefschwarzen geheimnisvollen Nachthimmel auf dem offenen Meer zu erblicken, die gewaltige Bewegung des Meers zu fühlen und auch auszuhalten, das Schiff in seiner Kraft und Fähigkeit zu bestaunen, das mit Wellen und Wind diese Fahrten möglich macht zu neuen Gestaden, zu fremden Inseln, zu Völkern so verschiedener Sprache und Glaubensrichtungen. Wir fühlten uns beschenkt, wie schon  2009+10+11… zwischen Rhein+Rhône, Sardinien, Sizilien, Italien, Albanien, Griechenland, Troja und Türkei. Wir sind voller Dankbarkeit und auch froh, daß wir uns „aushalten“- demütig und frei, in aller Angewiesenheit auf solch einem Segeltörn über Monate.

Schon denkt man an Weihnachten, und es ist schon nah. Die Quitten warten aufs Marmeladekochen. Der ÖDP-Parteitag rückt näher. Das Gospelkonzert in Langenargen, das Kirchenchor-Singen beim Festkonzert am 14. Dezember. Vorher aber mal wieder unsre Kinder treffen, Erika nach 7 Monaten auf Klettertour mit dem VW-Bus von Spanien bis zum Nordlicht der Lofoten….Jojo+P. mit dem Bike rund Kreta, Martin+L. mit dem neuen Lastenfahrrad von Dijon zum Bodensee und nach Venedig. Wir sind wieder neugierig auf daheim. Und doch erwärmt uns auch schon die Vorfreude auf den 2.Teil der Segelreise, Mai 2015 bis in den November?

„Hast du nie Angst?“ fragen mich manche. Doch…Dazu lese ich im Logbuch Gedanken wie diese:

Man sollte nicht ängstlich fragen: Was wird kommen?

Sondern sagen: Ich bin gespannt, was Gott jetzt noch mit mir vor hat.

Auch ist mir der Psalm 31 gegenwärtig:

Seid stark und mutig,alle, die ihr eure Hoffnung auf den Herrn setzt.

Warum macht ihr das denn schon wieder? auch so eine Frage…

„Ob eine Sache gelingt, erfährst du nicht, wenn du darüber nachdenkst,

sondern wenn du es ausprobierst“

Beim Segeln habe ich einen Wahlspruch geschätzt:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann

und die Weisheit, das eine vom andren zu unterscheiden.

Das gilt auch für unsere EHE. Seit 33 Jahren.

So planen wir voll Vertrauen den nächsten Törn, wie seit 1983!

Seid gegrüßt. GERDI

Wandern: 3x auf den Hügeln von Bozburun

Abendbummel am Ufer in Bozburun (1), 16.Okt. GERDI

Die Eos ankert in der Bucht, nur noch wenige Segler steuern Bozburun an, die Saison geht zu Ende.

Hier ein paar Fotos vom Dorf und seinen Bewohnern, Mensch und Tier. Von Gerdi.

Meine Bildunterschriften kannst du lesen, wenn du mit dem Cursor aufs Bild wanderst!

Die Bilder von Gerdi: Klick

 Wandern über die felsigen Hügel hinter Bozburun /Felsenhafen(2)

Gerdi, am 17. Okt.14

Wenig Wind. Wir lassen die Eos vor Anker schwojen, tuckern mit dem Schlauchboot in den nahen Hafen und wandern gemütlich hinterm Dorf hoch in die Hügel. Nachts war ein großes Segelboot gekommen, das die Polizei aufgegriffen hat beim Versuch, 50 Emigranten aus Syrien zur griechischen Insel Simi zu schmuggeln… Der Bug beschädigt, das Holz der Planken zerschunden…in 5 kleinen Bussen wurden die Enttäuschten abtransportiert… Noch stehen Polizisten in Uniform mit Waffe am Hafen. Wir wandern hinters Dorf und freuen uns am sonnigen Morgen! In Deutschland kehrt der Herbst ein und hier hängen die prallen Früchte reif am Baum: Zitronen, Orangen, blaue und grüne Oliven, rotbackige Granatäpfel, süße Weintrauben in grün-rosé und blau… Der Blick schweift weit über die zackigen Felsgipfel und über die blaue Meeresbucht . Kein Fuß-Gänger, nur Mopeds und Roller. Ein Widder mit gedrehten Hörnern bockt, stolze bunte Gockel krähen (das hör ich soo gern am Morgen, noch bevor der Muezzin sein Lied in alle Täler und Gassen singt. Disteln und grüne Kohlblätter genügen den Ziegen, dunkelgrüne Steineichen säumen die Straße nach nirgendwo. Und dann erheben sich fast senkrecht die Felswände neben uns, bizarr steigen sie direkt aus dem blauen Meer! Kleine Fischerboote tauchen auf, mit handgeknüpften Teppichen wird das Holz an Deck abgedeckt.

Eine schroffe Felsenbucht (1000x750)

Ein kleiner Schutzhafen, Naturfels, Steine, Beton- und davor dieses unbeschreibliche Meer so blau! In der Schlucht tapfere Büsche und unten in Felsnischen die untergestellten staubigen Motorräder der Fischer… Der Rückweg wieder mit ganz neuen Ausblicken. Was für ein schöner Ausklang für unseren Segeltörn. Die EOS hat einen pittoresken Platz zum Überwintern, die Werft liegt in einer anderen ebenso schönen Felsenbucht, 8 km mit dem Fahrrad… Wenn das alte Teakdeck abgerissen wird, will Gerhard noch 2-3 Wochen am Boot wohnen und einige Arbeiten erledigen- und ein Auge auf die Bootsbauer und Schreiner werfen…

Am Abend hole ich frisches Rindfleisch beim Metzger, bei dem die Tierkörper an Haken sichtbar im Schaufenster hängen…Gerhard darf wählen: Fleisch-Soße Bolognese+Nudeln oder Fleischküchle türkisch (Köfte)mit griechischem Tomatensalat und Kartoffeln. Der Strom wird schwach, also speisen wir romantisch beim gelben Schein der Petroleum-Lampe. Als Dessert gibt’s rote Wassermelone und süßes Halva natur.
Tipp fürs Foto-Album v. Flickr:
Wenn ihr mit dem Cursor auf ein Foto wandert, könnt ihr die Bild-Unterschrift lesen!

Die Bilder: Klick

Spaziergang auf der Bergstraße hinter Bozburun(3)

Samstag, 18.Okt.2014- GERDI

Heute ist noch Starkwind 5-6 angesagt. Nach dem Frühstück am Ankerplatz bringt uns die kleine „micro eos“ ins Dorf. Wir lassen das türkische Telefon mit 4 MB aufladen und wandern hinaus aus dem Tal in die Berge. Dornig, distelig, staubig. Aber die Olivenbäume tragen schöne Früchte, die Ernte beginnt. Wir folgen der Straße Richtung Nordost, nach Selimiye. Fast allein sind wir, nur einige VW-Transporter und Pritschenwagen mit Gemüse sind unterwegs in die abgelegenen kleinen Bergdörfer. Schafe, Hammel, ein Esel, Ziegen mit gedrehten Hörnern und lustigen Ziegenbärten. In den Dörfern erstaunlich „stattliche „ große Häuser, alle Balkon- u. Treppengeländer aus makellosem glänzendem Edelstahl, flotte neue Autos unter ordentlichen Schattenmarkisen, überall wird angebaut, Wand gemalt, Zaun befestigt und zementiert an den Hauseingängen. Fast wie ein Puppenhaus wirkt da ein aus alter Zeit noch übriges, nicht verändertes kleines Natursteinhaus, vor dem eine Oma ihre Wäsche einweicht. Katzenkinder drängen sich um ihre Beine, das Kopftuch schützt vor der noch sommerlichen Hitze. Leuchtend magenta-rot blühen üppig Geranien, reife Granatäpfel hängen schwer an den müden Ästen. Im Schatten einiger Ölbäume setzen wir uns auf Felsen, beäugt von Schafbock und 2 Schafen. Ein Dorfbewohner spendet uns frisches Brunnenwasser, dann treten wir den Rückweg an, immer diese Berge im Blick, die mich manchmal an das Paschtunenland im Norden Afghanistans erinnern. Unvorstellbar, mit welcher Mühe die früheren Generationen in dieser steilen Felslandschaft diese Terrassen geebnet und von Steinen befreit haben, um Brotgetreide anzubauen. Gesättigt von den wunderbaren Ausblicken erreichen wir das Tal. Ich will nicht in ein Restaurant… der Wind frischte bereits kräftig auf, man wird sicher nass im Schlauchboot… So kaufe ich Auberginen, Zucchini, Tomaten und Paprika für ein Ratatouille in der Pfanne. Gerhard entdeckt den guten Wein „Angora“ aus dem Anbaugebiet um Bodrum. Wir werden im Cockpit sitzen und auf den Wind warten. Morgen soll er mit 6 Beaufort blasen… Am Montag soll die EOS in der Werft sein und mit dem Traktor aus dem Wasser gezogen werden, da wird er abflauen… Abends müssen wir nach Marmaris. 1 Nacht im Hotel in Dalaman. Früh um 8.35 Uhr startet mein Flieger, mit der Gulet-Crew und Jan, mit dem wir schon 2x Ende Oktober hier im Gulet die herrlichen Buchten besuchten…

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