Die Gegend um Göcek ist wohl die schönste in der schönen Südtürkei. Eine Insel neben der anderen, eine Bucht nach der anderen, ockerfarbener Fels, viel Kiefernwald. Malus: Tiefe Buchten, wasserlos, schwül zur Sommerzeit.
Wir fahren noch einmal durch diese beeindruckende Inselwelt, der Motor läuft langsam, wir wollen schauen. 15 Seemeilen westlich öffnet sich eine tiefe Bucht, Disiblimez Koyu, steile Felswände und am Ende nochmals eine Ausbuchtung. Westlich eine hohe Felswand, grau und abweisend, dann ein grauer Kiesstrand und anschließend ein wildes Felsgebirge, Höhlen in den Wänden, sie sehen uns wie Fratzen an.
Ein hausgroßer Felsblock klebt hoch über der Wand. Wann wird er in die Tiefe poltern? Am Ende dieser Ausbuchtung ein weiterer, diesmal einladender, grauer Strand und ein einsames Gasthaus dahinter. Unter dem Kiel flacher Sandboden. Eigenartig: Ringsum wilder Fels und der Seeboden feinster, ebener Sand. Das Wasser ebnet wohl ein. Der Anker in 12m Wassertiefe greift hervorragend. Noch 2 Boote sind mit uns hier. Gegen Abend verlassen sie die Bucht und ein neuer Nachtgast kommt. Es ist etwas unheimlich, als die Sonne untergeht. Ein Schlauchboot kommt angeflitzt und lädt zum Essen im Strandgasthaus ein. Gerdi hat jedoch schon vorbereitet: Hervorragende typisch-türkische Vorspeisen und Bohnensalat mit Zitrone. Die Bucht öffnet nach Süden, auch hier werden wir nachts geschaukelt. Wir schlafen draußen an Deck, im Schiff ist es zu schwül, da Wind fehlt.
Anderntags queren wir die weite Bucht von Marmaris und gehen in der Ciftlik-Bucht an eine Mooring. Wir lassen uns freiwillig an den Restaurantsteg fangen. „Schiffe-einfangen“, das geht so: In der Bucht konkurrieren mehrere Tavernen, alle haben Stege zum Anlegen. Nähert sich eine Yacht, dann erscheint Personal, winkt mit Fahnen am Kopf des Steges, um auf sich aufmerksam zu machen. Wir waren in dieser Bucht drei mal vor Anker, aber jetzt ließen wir uns fangen und genossen unser Abendessen im Restaurant. Alles war da: Süßwasserpool, Dusche, Trinkwasser zum Bunkern und Internetzugang am Steg. Nachts alles romantisch beleuchtet, sogar ein „einschaltbarer Wasserfall“ hoch vom Felsen runtr vor die Appartements.
Anderntags, kurz nach Sonnenaufgang, gingen wir beide das Tal hinter der Bucht hoch, Segler leiden an Bewegungsarmut. Sogar eine Quelle mit gutem kalten Wasser liegt am Weg. Uralte dickstämmige gewaltige Bäume säumen den Pfad. Weit oben bei ein paar hingeduckten Häusern sehen wir unter uns Felder und viele Bienenstöcke. Hier beenden wir den Ausflug. Auf dem Rückweg begegnen wir noch einem kleinen Jungen, der einen Sack Petersilie nach unten bringt. Er strahlt, als er seinen Englisch-Wortschatz gebrauchen darf. „Only for holiday“ – aha, aber die Naturstein-Mäuerchen zeugen von vielen fleißigen Generationen hier oben in der Einsamkeit der Berge.
Gerdi, 20.8.
Auf den 2 Fotos kann der blog-Leser nun nachträglich sehen, wie wir an Deck schlafen, siehe 15. Blog!
In jener Bucht, in der die Dolinenfelsen ausgehöhlt an wüste finstere Schädel oder viele Meter hohe Fratzen von Ungeheuern erinnerten, auch ein wenig wie die Stelle aus „Herr der Ringe“, wo die Bäume zu laufen beginnen, paddelten wir unter diese hängenden hallenartigen Felskuppeln, es hallte wider, über uns Tropfsteine, Stalagtiten. Einfach unheimlilch, wie leere Augenhöhlen in Totenschädeln. Als am Morgen um 6 die rote Morgensonne die Felsen anstrahlt, sieht alles ganz friedlich aus.
Zu den von mir nach der Erinnerung an die Vorspeisen in der Taverne in Göcek (und früher in Kusadasi) nachgekochten „Mezze“ möchte ich die daheimgebliebenen Hobby-KöchInnen mal anreizen, es auch zu probieren. Hier eine Anleitung meines roten Paprika-Petersilien-Rohkost-Tellers:
1 Bund Petersilie
2 Zwiebeln
3 Knoblauchzehen
1 Chili-Schote
2 rote Spitzpaprika
1 Tomate
1 Tl Sumakgewürz
1 kl. Tl Chili-Samen
Pfeffer
1 Tl Paprika
Saft v.1 Zitrone
2 El Olivenöl
Salz
1 Tl Zucker f.d.Zwiebeln
Alles ganz fein auf dem Brett schnippeln in Würfelchen und mit Zitrone säuern. Ab in den Kühlschrank. Es soll eiskalt sein.
Das ganz fein gewürfelte Gericht sieht so rot und grün sehr appetitlich aus, am besten in einer schönen Keramischale anrichten.
Was ich sehr mag, ist Auberginenpüree. Im Backofen werden die halbierten Früchte in heißem Öl unter Deckel mit Zwiebeln gedämpft. Dann gehäutet. Auberginen und Zwiebeln durch ein Sieb rühren, nun mit dem Holzlöffel rührend wie bei Majonnaise.
Die Küste zwischen Kalkan und Fethiye im Süden der Türkei ist sehr gebirgig. Wilde Felswände gehen übergangslos ins Meer über. Dort mündet aber auch ein kleines Flüsschen, der Esen und bildet ein riesiges, flaches Mündungsgebiet mit einem über 20 km langen Sandstrand. Segler lieben enge Landnähe nicht, aber auch von weit draußen fällt eine mächtige Düne auf, eine Laune der Natur. Gerdi und ich schätzen sie auf 30- 50 m Höhe.
Auf der Rückreise von Kalkan nach Göcek tastet sich die EOS vorsichtig unter Land. Auf 5 m Wassertiefe fällt der Anker. Kein Wind bewegt das Wasser, dennoch wirft eine alte Dünung die EOS von einer Seite auf die andere und die Brecher dröhnen von Land zu uns. Gerdi bleibt am Schiff, ich pumpe MICRO EOS auf, verstaue Kamera, Mobile und GPS im wasserdichten Sack und lege noch eine Flasche Wasser dazu. So rudere ich auf den Strand zu. Die EOS schaukelt mächtig. Im Uferbereich erfassen die Brecher MICRO EOS, werfen sie nach vorne und in wilder, kurzer Fahrt schießen wir ins ganz flache Wasser. Raus aus dem Boot bevor uns das Wasser wieder zurückzieht und MICRO EOS den Strand hochziehen muß ganz schnell gehen. Trotzdem bin ich arg geduscht.
Der Sand ist ganz fein und heiß. Ich mache mich auf den Weg, durchquere eine wildbewachsene Senke und steige auf. Es geht sich mühsam im lockeren Sand. Ausgebleichtes Holz liegt auf den kleinen Sandwellen, die der Wind geschaffen hat, ähnlich den Schneewellen im Winter. Auch im reinen Sand wachsen da und dort Büsche. Der Wind hat manche Wurzeln freigelegt, sie sind über 10 m lang.
Mit ihnen werden die Büsche ihren Lebenssaft aus der Tiefe holen. Auch trockene, abgestorbene Büsche ragen aus dem feinen Sand. Scharfe, elegante Grate bilden die Dünenrücken, westseitig flach, ostseitig steil. Weit draußen schaukelt EOS. Es ist knallheiß, kein Lüftchen regt sich, die Schuhe sind voll Sand. Vogelspuren und die breiten Doppelspuren von Schildkröten zeichnen sich im Sand ab. Am Gipfel bietet sich ein Rundblick über das türkisblaue Meer und auf der anderen Seite das fruchtbare Land mit Gewächshäusern, einem sumpfigen See und ein paar Hütten. „Meine“ Düne geht nach 100 m übergangslos in einen mächtigen Kiefernwald über. Das GPS zeigt eine Höhe von 65 m an.
Auf dem Rückweg laufen die Beine wie von selbst den Berg hinunter. Mächtig donnert die Brandung gegen das Ufer. Ich verpacke alles in den wasserdichten Sack, ziehe das Beiboot ins Wasser und versuche raus zu paddeln. Es gelingt nicht und eine Welle nach der anderen wirft ihr Wasser ins Gummiboot. Erst als ich noch mal aussteige und das Boot ins tiefere Wasser ziehe, können wir uns aus dem Bereich der brechenden Wellen freirudern. Noch ein paar Minuten und wir sind mit halbvollem Beiboot bei der EOS. Gerdi hat´s mächtig durchgeschaukelt. Jetzt holen wir den Anker ein und richten den Kurs ins tiefe Wasser.
GERDI’S ANEKDOTEN, 17.8.10
DIE NEUGIERIGE MEERESSCHILDKRÖTE
Wir liegen im Anker-Becken der Bucht vor der senkrecht aufragenden Felsenwand vor Kastellorizon. Ich fotografiere gerade die wunderschöne bunte Flaggengala auf 4 Schiffen vor uns. Da ruft Gerhard hinter mir: „Da! Da! Schnell!“
Ich dreh mich um, seh die wohl über 50 cm im Durchmesser große Meeresschildkröte 4 m neben dem Rumpf der EOS auftauchen, Klick. Und schon hebt sich erneut der große gelbe Kopf aus den Wellen. Neugierig ist sie! Klick! Da staunt der Leser – oder?
MARIÄ HIMMELFAHRT AUF DER GRIECHISCHEN INSEL
Wir laufen rund um die Felsen auf dem Ringpfad rüber zum Dorf, um in einem Internetcafé den blog einzuspeisen. An der Kirche ist der Vorplatz mit viel saftig grünen Buchszweigen und gestreuten Lorbeerblättern, auf griechisch Daphni, geschmückt. Fahnen flattern im Wind, alle kirchlichen Wimpel sind als Flaggenleine aufgehängt, Lesepulte mit gestärkten weißen Spitzendecken behängt, der reichlich mit Gold bestickte Ornat der Popen hängt schon bereit auf Kleiderbügeln, prunkvolle Kerzenständer stehen bereit, viele Holzstühle wurden in Reihen aufgestellt, eine Musikkapelle macht sich fertig, alles deutet auf einen abendlichen Festgottesdienst hin. Nach Wochen der lautschallenden Muezzinrufe aus den Lautsprechern der Minarette an den Moscheen kommt einem das als Christ doch recht heimat-lich vor. Wir hören später die Kirchenglocken, den singenden Popen und die Bouzuki-Geigen-Gesang-Darbietung noch bis früh morgens um 1 Uhr, als wir vor Anker liegen.
VOM FISCH DEN KEINER ESSEN WOLLTE
Im letzten türkischen Dorf bei der eiskalten Quelle, wo wir an Land ruderten, um 10 Liter Wasser zu erbitten und Brot zu kaufen, gibt es leider keinen einzigen Briefkasten. Also wandern die Briefe an Erika und den SMCF wieder in den Rucksack. Auch beim einzigen Gemüsestand: keine Nektarinen. „Doch! Komm, Frau!“ gestikuliert der Händler. Er führt mich hinter seine Zeltplane, hebt den Verschlag, öffnet die schwere Tresortüre des Kühlwagens – und drinnen in der Eiseskälte ist sein Obstlager. Gurken, Nektarinen, Tomaten, Paprika, herrlich. Gerhard fragt nach Fisch. „Balik?“ Man deutet uns den Weg an hinter eine Hecke. Auf dem Boden kauern Frauen, alte Männer. Dazwischen liegen Plastiktüten mit Fisch. Unser „Führer“, Kapitän auf einem Gület auf dem Marmarameer, dolmetscht, dass wir Fisch kaufen wollen. Oh! Ja! Ganz frisch sei er. Aber nur im Kilo zu haben. Na gut, wir wählen 2 große, bläuliche, mit großen Schuppen fast wie ein Karpfen und einen kleinen, 1 kg! 15 Türkische Lira. Wir haben 13. Und nehmen sie begeistert mit. „Mmmmh. Die grillen wir heute Abend in Kastellorizon.“
Gleich nach dem Zurückpaddeln wandern sie in einer Dose in den extra kühler gestellten 30x30cm großen Kühlschrank.
Nach unsrer Rückkehr vom blog-Senden öffne ich jene Dose, sie riecht etwas unappetitlich, aber der Zitronensaft wird das schon neutralisieren. Da es inzwischen draußen mit starken Böen heult, können wir es nicht wagen, ein Feuer am Grill zu machen, da die Funken auf die neben uns ankernden Yachten fliegen würden. Also, trotz der Hitze im Schiff, Herd anmachen und in der Pfanne braten.
Tapfer und schweißüberströmt mache ich mich an die Arbeit: Bäuche aufhalten, Zitronensaft reinträufeln, Fischgewürz, Knoblauchwürfele, Dill, Olivenöl. Dann zaubert Gerhard an dem widerspenstigen Petroleumherd ein Feuer. Pfanne drauf, alle 3 Fische ins zischende Öl. Einige saftige Knoblauchzehen hinterher. Ich brate, es spritzt höllisch heiß auf meinen eignen Bauch. Durchhalten! Nach ca. 10 Minuten hebe ich den ersten Fisch knusprig braun gebraten auf Gerhards Teller. Wie der Oberratten-König spielt er den Vorkoster.
Er zupft sich mit der Gabel prüfend das 1. Stück des weißen Fleisches, dann ein Aufschrei: „Iiiii! Widerlich. Grässlich. Den esse ich nicht! Weg! Weg damit!“
Und im nächsten Moment fliegen alle 3 Fische, unsre köstlich geplante Abendmahlzeit, über die Reling ins Meer. Platsch. Aus. Vorbei.
Es gibt Honigbrote. Den letzten Rest des Brotes. Und unser letztes Bier.
DER OBER ALS POSTBOTE
Wir waren in Göcek beim Abendessen. Wenn es tagsüber immer 38 – 40° Hitze hat und man im Cockpit fast schmilzt oder geradezu verdunstet, so schwitze ich da, ist einem am Abend nicht nach Kochen und Tischdecken. So geht man doch mal in eine Taverne. Mich sieht Gerhard tagsüber immer mit dem Frottéetuch in der Hand, um wenigstens die Augen frei zu halten. Ich warte sehnlichst 12 Stunden lang auf den Untergang der „güldnen Sonne“, die ich am Anfang des Törns festlich mit Flötenmusik begrüßte!
Die Ober sind alle sehr freundlich und humorvoll. Es tut gut, so freundlich bewirtet zu werden. Vielleicht sind ja alle Brüder, denn sie sind alle mit strahlenden Gesichtern bei der Arbeit, spielen in allen Sprachen mit den Kindern der Gäste, machen kleine Scherze, erschrecken sie mit laut knisternden Wasserflaschen, die sie heimllich hinter deren Ohren zerdrücken.
Köstlichste aller Erfrischungen ist ein Stand-Ventilator, der beim Drehen alle 6 Sekunden auch mich streift. Gerhard bestellt ein „Mythos“- der Ober schmunzelt und legt grinsend den Kopf schief. Mythos? (Das ist ein griechisches Bier! Die gemeinte türkische Marke heißt EFES.
Nach dem Essen, köstlilches Hühnchen in Stücken gegrillt, das heißt hier shish chicken, halte ich erklärend meine Post hoch, ein Brief an Martin (den mit dem Kunst-Objekt aus der neuen Istanbuler Kunsthalle!), eine Karte an Erika, eine an Petra: Wo ist ein Briefkasten?
Der Kellner hat Sprachprobleme, er möchte mir so gern den Weg zum Postkasten erklären. Er gibt es auf, legt die Hand aufs Herz, beteuert glaubhaft: „Das erledige ich für Sie, Madame!“ und er notiert sich das als Erinnerung auf einen „To-do“-Zettel und zeigt mir den noch mal, als wir uns verabschieden. Wieder mal erliege ich dem Charme und der natürlichen gastfreundlichen Einladung zum Helfen. Kommt dir das bekannt vor, Erika? Du willst doch auch immer den Gästen die Wünsche von den Augen ablesen und alle, alle erfüllen.
LUFTIGES HIMMELBETT
An Land in Göcek gibt es ein Café, in dem Diwans, große 1qm-Kissen auf dem Boden, Baldachine aus gerafften Vorhängen auf dem schmalen Steg, abends mit Kerzenschein schwach erhellt, einladen zum Verweilen. Der ganze lange Steg sieht aus wie eine Spielecke für Kinder bei uns im Familientreff. Der Ober bedient adie lagernden lümmelnden Touristen an ganz niedrigen kleinen Tischchen. Ich finde das sehr exotisch. Und denke schon an das Brutofen-Bett im Bug heute nacht.
Gerhard bietet mir an Bord seine komfortable edle superleichte, 5 cm hohe, perfekte Luftkammer-Matratze zum Nachtschlaf im Cockpit an( USA-Modell, Neon-Air? 150 g, 120 €, winziges Packmaß 6×20 cm). Er schläft damit seit Wochen openair, unter dem Nachthimmel, auf einem aus 3 Brettern 20×180 cm gebauten Liegetablett über der 7 cm hochragenden Traveller-Schiene zwischen den Cockpitbänken.
„Liebe ist…“ – so lautete auf Erikas Snoopy-Kalender mal jedes Blatt. Ich nehme das großherzige Angebot an. Er bläst sie in 2 Minuten auf, serviert mir dieses Freiluft-Bett. Es ist im doppelten Sinne ein wahres HIMMELBETT! Ein ganz leichter Lufthauch streich manchmal über mich.
Im Vorschiff, wo ich sonst schlafe, auf neu gepolsterter Matratze, ist es seit 3 Wochen höllisch heiß, um 3 wache ich oft auf und fühle mich wie gedünstet. Besonders der ja nur 50 cm flache Fußraum wird sehr heiß, auch das über mir offene Klapp-Luk lüftet das1,70 m tief unten liegende Vorschiff nicht. Die Luft „steht“ wie in einem Einmachglas. Ich messe mit dem Thermometer 38° Schlafzimmertemperatur.
Dies als Erklärung. In den KW-Nachrichten hörten wir gerade, dass es in Süddeutschland Höchsttemperaturen von 16 °C hat, und des Nachts 10°.
Die Nächte in Häfen oder Marinas zu verbringen ist hier und in dieser heißen Jahreszeit unangenehm. Die Schiffe liegen dicht an dicht, kein Lüftchen bewegt sich und im Schiff macht sich Tag und Nacht drückende Schwüle breit. Vor Anker richtet sich ein Schiff nach dem Wind aus, Luft streicht hindurch und nimmt die Hitze (etwas). Durch Windsack im Vorschiffsluk und unser großes Sonnendach lässt sich das Klima noch etwas verbessern.
Marmaris, vor der Stadt
EOS ankert direkt vor der Uferpromenade, wolkenloser Himmel, Temperatur um 35°C, kein Lufthauch regt sich. Um uns laufen Yachten in die Marina ein und aus, Gulets ziehen mit Musik und Badegästen vorbei zu ihren Ankerplätzen. Das Panorama der Stadt vor den hohen Bergen beeindruckt. Die untergehende Sonne taucht die Landschaft in ein warmes Licht. Die Uferpromenade füllt sich mit Menschen. Erst etwa 1 Stunde nach Sonnenuntergang senkt sich die Temperatur, dann laufen die ersten Gulets zur Abendausfahrt bei lauter Musik aus. Noch später wird es auf der Uferpromenade eng. Aus mehreren Richtungen hören wir laute Diskomusik und das Stimmengewirr der Leute. Erst jetzt erwacht die Stadt und genießt bis weit nach Mitternacht. Dann wird es ruhig, die Gulets liegen wieder am Kai und die Diskolichtfinger haben ihr sinnloses Strahlen eingestellt und die bunten Werbeflächen strahlen nicht mehr.
Um 5 Uhr früh hellt sich der östliche Horizont leicht auf, Die Geräusche der Müllautos eröffnen den Arbeitstag, Die Sterne verblassen am Himmel und das morgendliche himmlische Farbenspiel beginnt.
Kastellorizon, Malerische Kulisse umgibt uns
Kastellorizon, die kleine griechische Insel 5km lang, 2,5 km breit, liegt mit 2 kleineren unbewohnten Nachbarinseln keinen Kilometer vor türkischem Gebiet. (Zur nächsten griechische Erde, Rhodos, sind es allerdings 250 km Fährfahrt.) Auch hier könnte man direkt vor der malerischen Altstadt liegen. Wir jedoch ziehen den luftigen Ankerplatz vor der Mandrakibucht vor. Auch bei voller Rückwärtskraft des Motors hält der Anker. Ein sicheres Gefühl. Den westlichen Dorfteil vor uns, dahinter eine mächtige 100 m hohe Felswand. Ein gepflasterter, weiß eingefasster Treppensteig (400 Treppen) windet sich steil dort hoch und führt zu einem längst verfallenen Kloster. Mit uns ankern noch einige Yachten, aber Platz ist genug. Beruhigt verlassen wir das Schiff bei abendlicher „Kühle“, laufen um die runde Bucht, drüben Tavernen und kleine Souvenirläden.
Kastellorizon liegt längst hinter uns, der Meltemi hat auf 6Bft aufgefrischt, Groß und Fock ist gerefft. Dort wo die „7 Kaps“, wilde abweisende Felsenhügel enden und in eine brettebene Fluß-Mündungslandschaft übergehen, weicht das Land etwas zurück, geeignet zum Ankern. Da jedoch der Wind immer dem Bergverlauf folgt und seine Richtung mit ihm ändert, liegen wir auch hinter dieser Landkante voll im Wind. Lediglich die Wellen werden etwas gebrochen. In guter Entfernung vom flachen Land fällt der Anker und gräbt sich fest in den Sandboden. EOS schwankt allerdings stark hin und her. Nach so langer Seezeit stört uns das zwar schon, ist aber auszuhalten. Wir werfen den Grill am Heck an. In Minuten hat der Wind das Feuer voll entfacht, funken stieben weit übers Heck hinaus ins Wasser. Die Rinder-Steaks könnten zwar weicher sein, schmecken aber halbwegs. Wieder breitet sich das Firmament in aller Pracht über uns aus. Ich schlafe wie meistens bei dieser Hitze auf der ausgebreiteten Gangway im Cockpit. Das heftige Schaukeln wirft mich einmal auf den Cockpitboden. Mittlerweile haben wir großes Vertrauen in die Haltekraft von Anker und Kette. Dennoch schalte ich die elektronische Ankerwache ein. Sie warnt selbsttätig, wenn wir in zu flaches oder zu tiefes Wasser geraten. Die Nacht wird sicher, aber nicht ganz angenehm.
Zwischen Riffen
Wir steuern das historische Teimiussa in der Geyikova Demiryeri an. Einer der 4 Zufahrten zu dieser buchtartigen Wasserstraße führt durch eine Flachwasserzone mit ca. 5m Wassertiefe. Schutz bieten Inselchen und Riffe fast ringsum. Nur nach Südwest fehlt Schutz. Der SMS- Wetterbericht sagt jedoch nur schwache Winde voraus. So entschließen wir uns, hier in guter Gesellschaft mehrerer Gulets und Ausflugsboote zu ankern. Der Anker will nicht so recht greifen, hält aber bei 1600 Umdrehungen (Motorkraft imRückwärtsgang). Den Felsgrund bedeckt nur eine dünne Sandschicht. Eine wilde zackenreiche Landschaft! Ich rudere mit MICRO EOS eine der Felsinselchen an. Reste schön behauener Säulen und Torbögen lassen auf eine frühe dauerhafte Besiedelung schließen. Ein paar Ziegen bewohnen dieses Inselreich. Abends verlässt ein Boot nach dem anderen die „Bade-Bucht”. Dann gehört der Platz uns allein. Wegen des zweifelhaften Ankergrundes lege ich den Scheinwerfer bereit und suche in der Karte einen Notankerplatz, falls wider Erwarten unangenehmer Wind einfällt. Wie immer ist EOS vor dem Schlafengehen fahrbereit. Und wieder breitet sich das Firmament über uns aus. Neumond. Sternschnuppen.Weit in der Ferne blinken die Lichter eines kleinen Dorfes. Es wird eine friedliche Nacht.
GERDI’s Rückblick
6 Beaufort und 15 Stunden in der nächtlichen Schiffschaukel!
Im Vergleich zum Vorjahrestörn in der mittleren Ägäis haben wir heuer eher mäßige starke Winde. Aber am 9. August überfällt uns fast ein böiger Starkwind, erst 4,5, dann 6 Windstärken, im Nu habe ich auf nackter Haut die Schwimmweste an und klinke den Lifebelt ein. Hohe Dünung macht das Kurshalten zum Sport an der Pinne. Von 18 Uhr bis früh um 9.15 wirft sich die EOS in dieser Dünung umher, ich kann nur quer zur Längsachse im Bug schlafen, es ist eine richtige Schiff-Schaukel.
KASTELLORIZON – griechisches Inselchen
Nach 8 Stunden mit wenig Wind laufen wir diesen malerischen Urlaubsort an. Wir laufen rund um das Dorf auf die andere Seite zum runden hafen. Die kleinen Häuser sofort als griechisch zu erkennen. 3 Kirchen. Glockenklang. Es klingt im Rhythmus wie „Betet an, betet an, betet alle Jesus an!“Und gleich daneben? Die Moschee. Morgen beginnt der Ramadan.
Wir entdecken einen von dichtem Weinlaubdach beschattetes Gartenlokal in der 2.Reihe: „Goat in the oven“ – Ziege aus dem Backofen. Das wär doch mal ’ne Abwechslung. Ein Leuchtschild kündet „Maisel’s Weizen aus Bayreuth”! Eine Verheißung. Wir bleiben. Leider schadete der Stromausfall der Zartheit der Geiß, denn sie war noch nicht ganz durchgegart. aber die 5 Katzen nahmen gern die übrigen Teile. Und das kühle Maisel Bier mundete köstlich.
Traumhafte Buchten – Wieder in der Türkei
Am 11. August segeln wir 5 Stunden, traumhaft schön die grün bewaldeten Küsten, unbeschreiblich die ständig wechselnden Ausblicke, über und zwischen Inselchen, Felsriffen und wie hintereinander geschlichteten Berghängen, meist mit 45° schrägen Hängen bis ins Meer. Bei der schönsten Bucht wagen wir vorsichtig das Anlaufen zum Ankern. Meine Fotos sprechen für sich! KARA AD – die Landurlauber von Göcek werden hier hergefahren zum Schwimmen. Fast kreisrund die hellen Felsen. Ich gehe mit Flossen zum Schnorcheln, glasklar das türkisgrüne Wasser, Schwärme mit kleinen silbrigen Fischlein schwommen mir gegen die Tauchermaske. Aber den großen Mantel-Rochen mit 50 cm Spannweite in den Flügeln sieht Gerhard, als er zum Anker schwimmt.
Eine Quelle am Ufer, 16° kaltes Süßwasser!
Nur eine halbe Stunde brauchen wir bis zum Kastell vor Kalekoy, ein Dorado für Touristen. Wir machen am Steg vor einer Taverne fest (Wireless Internet), kosten das gewöhnungsbedürftige türkish breakfast: 3 Scheiben kalte Pellkartoffel, 3 Scheiben grüne Gurke, 6 Scheiben geschälte Tomate, ein ganzes, gepelltes, gekochtes Ei, 2 Stückchen salziger Schafskäse, Brot. Ich bekomme noch frischgepressten Orangensaft und Naturjoghurt. Dazu türkischen Kaffee. Wir lagern auf Diwankissen. Schatten. Und dann: Treppensteigen hoch zur Burg. Bei 40°. Puh.
Nach 8 Stunden in der sengenden lieben Sonne fällt unser Buganker in der Ucagiz Limani-Bucht nahe einer im Hafenhandbuch beschriebenen Quelle!
Wir paddeln hin und sind dann doch überrascht von der Kühle des aus dem Felsen rinnenden eiskalten Wassers. 1m tief das von der Natur „gebaute“ Becken, beim Untertauchen fühlt es sich an wie 14°, wir fühlen uns an Norwegen erinnert, als wir öfter in 16° kaltem Wasser schwammen. Und im Oktober oder Mai im Bodensee. Und in Damp im Ostseewasser im Oktober, täglich früh um 6. Ein himmlischer Genuß. Am nächsten Tag segeln wir zur nächsten Bucht, Gökkaia: und wieder auf der Oberfläche kaltes Wasser, denn hier mündet ein kleiner Fluss! Wir paddeln ihn hinauf und waschen im Brackwasser unsre durchgeschwitzten Hemden und die Frottées. Das Baden bei mal nicht 33° heißem Meer ist herrlich.Auch die Nacht erfreulich „kühl“, wohl nur 30°. Fast „kalt“. Um uns noch viele Frei-Ankerer, viele plaudern auf Französisch und Spanisch. Meine Flötenlieder finden Beifall. Die angekündigten zahlreichen Sternschnuppen sehen wir nur teilweise, zu müde nach dem heißen Tag.
Als wir am Freitagmorgen, 13. August, weitersegeln, haben wir teils schönen Wind. Ich „setze Gerhard aus“ im Schlauchboot, mit seiner Kamera. Dann segle ich allein mit einigen Wenden, Q-Wende und Aufschießer vor ihm her ! Wir haben nun endlich mal Fotos von der Segel-Yacht EOS, die EOS unter geblähten Segeln und in voller Fahrt. Das war eine gute Idee!
Als wir um 16 Uhr wieder in der Bucht Ucagis vor der kalten Quelle ankern, nehmen wir zum Bade das Thermometer mit: das „eiskalte Wasser“ hat 16°, unglaublich. Weder die Kanadier noch der Brite samt Schäferhund hätten es für „so wenig eiskalt“ gehalten. Wir genießen es 3x, essen die letzten Vorräte (sogar den Zwieback der ZF’ler!).
Dann geht der goldfarbene zunehmende Sichelmond neben dem Abendstern über dem Wald in der runden Bucht unter, bis zuletzt senkrechte Licht-Stangen als Spiegelung unter dem tiefschwarzen Abbild des Walds. Ich singe „Der Mond ist aufgegangen, der Wald steht schwarz und schweiget“ – wunderbare Dichterworte von Matthias Claudius. Später grunzt es laut und kämpft da draußen – ob es ein Wildschwein war?? Unheimlich in der dunklen lautlosen stillen Nacht…
MARMARIS – BOZBURUN – CIFTLIK und zurück nach MARMARIS
Rückschau v. GERDI
Am 31. Juli kam um 17 Uhr bei ca. 40° sengender Hitze der Folklore-Sänger, Komponist und Bootsattler „Schwarze Wolke“, Karabulut, mit Sohn und Helfer an Bord der EOS.
4 Stunden Präzisionsarbeit zeigen uns eindrucksvoll, wie man eine Sprayhood und ein Bimini „vermisst“ und mittels eines Doppelklebebandes(auf dem Gestänge festgeklebt) und Seilen und 8 cm-Stecknadeln aus Plastikplane eine perfekt sitzende Schablone anfertigt. Kompliment. Das Gestänge der neuen Sprayhood wird aus V4A-Stahl gebogen und 10 cm höher als das alte. Wir wählen in alter MARION-Tradition wieder einen grünen Stoff, forest-green. Beim Bimini wird Gerhards Gerüst bewundert, das man in der Seitenlänge ineinander schieben kann, also oben den nur mit 3,30 m Distanz im Seegrund fixierten Bohlen im Friedrichshafener Hafen angepasst und dadurch die Breite verschmälern kann! Wir bekommen Luxus-Reißverschlüsse, salzwasserfest. Falls ein Skipper auch ein neues Sonnendach , Persenning oder Polsterbezüge braucht, empfehlen wir, mit dem deutschsprechenden sympathischen Meister Kontakt auf zu nehmen. Er wird sich an die EOS-Crew gern erinnern. Ich malte ihm auch eine Schwarze Wolke, als Bild für die neue CD. Im Internet via google kann man sein Lied „Von Datscha bis nach Marmaris“hören. Er polsterte meine Bug-Liege neu, famos. „Kuschelweich oben, drunter fest“
Abends besuchen wir in der Marina das „La Fortune“( vorzüglicher Service, Erika!), essen Köfte am Schwert gegrillt und Penne, gehen zum blog-Senden ins Internet, hören von Jojos Urlaub mit Sabina in Norwegen, mit Zelt und Wanderstiefeln,- als Bahnreise. Martin plant Insel-Hopping in den Kykladen, in der kühleren 2. Septemberhälfte.
1.August, Marmaris ade – für 2 Tage
Der Auftrag ist erteilt, der Vermessungstermin ist erst übermorgen. Nix wie weg von der schwül-heißen Marina. Die vielen um uns herum festgemachten Charter-BAVARIAS haben alle Klima-Anlage, es plätschert 24 Std. lang aus den Rümpfen, Niedergang und Luken sind meist fest verschlossen. In der EOS hat es 38°C. Um 11 flüchten wir, Ziel die 2 Ankerbuchten von Ciftlik und Bozburun.
Wir segeln mit 3-4, später 5bft zur großen von Ansichtskarten bekannten Bucht Ciftlik.
Malerisch gelegen zwischen felsigen Bergen, davor eine Insel in Form eines Doppelhügels wie ein Bikini. Fast senkrecht ragen die Felsen auf, fast wie in den Dolomiten, darunter grüner Pinienwald. Ein Hotel mit Sandstrand (mit Animateur und Disco-Musik), viele Touristen aus Russland. Herrlich kühl das Meer, „nur“ 24°C, eine Erfrischung.
Montag, 2.Aug.:
Früh um 5.50 Uhr geht’s sofort mit 6 Windstärken los. Reff in die Fock, 2 Reffs ins Groß. Böig und aus wechselnder Richtung, fast überfallartig werfen die Fallböen die EOS mit teils wohl 7 bft zur Seite. Die Neu-Charter-Kapitäne bergen bald alle Segel auf den wenigen andren Yachten. Steuern ist mal wieder Schwerarbeit an der Pinne. 7 Stunden Segeln, erst ab 11 ohne Reffs. Dann gibt’s im Cockpit unter geblähten Segeln Rührei und frisch gepressten Orangensaft! Wir ankern frei im Rund der Bucht vor Bozburun, was auf deutsch Grau-Nase heißt .
Nach dem Wasserfassen am Dorfbrunnen lassen wir uns aus der ganzen Lamm-Seite vom Metzger Lammkoteletts hacken. Im Schaufenster baumeln die Hammel, ohne Kopf, der Haken zwischen den Hinterklauen. In der Taverne genießen wir im Schatten der Bäume den starken türkischen Chai. Abends Stromausfall im ganzen Ort. Von einem ehem. Gastarbeiter (aus Hamburg) hören wir, dass es hier kaum Arbeitslose gibt, viele sind mit den 170 Gulets irgendwie beschäftigt, oder mit den Tavernen und Souvenirläden. Er hat hier eine kleine Pension, das DoZi ÜF für 25 €. Dann geht’s zurück nach Marmaris, der Fensterbauer mit einem anderen Pantryfenster und Schwarze Wolke erwarten uns.
Kaum Wind, motoren.
„SCHWARZE WOLKE“ , der Komponist, Sänger und handwerklich hervorragende Bootssattler, kommt samt fertiger Sprayhood und Heckpersenning, alles grün, um 4. Alles passt wunderbar, man vermisst noch die „Netze“ für die Persenning.
Dann kommt der junge IBIS mit dem neuen Pantry-Fenster (zum Öffnen und Lüften!). Der Fensterausschnitt im Mahagoni-Holz ist etwas zu klein. Er holt die elektrische Stichsäge und schneidet auf 1 Schmalseite zu viel weg. Der Schreck ist groß. Das (gebrauchte) Lewmarfenster passt nicht mehr, es klafft eine Lücke neben dem Rahmen. Jammer. Nervosität. Gerhard bleibt standhaft: Überleg dir was! Er plant einen formgenau angefertigten „Kragen“, einen Chrom-Rahmen hinter das Originalfenster. Ich bete – Er auch. Armer Plexiglasmeister!
Ich nehme alle Bodenbretter aus dem Salon heraus und schrubbe mit Hilfe des Wasserschlauches und Haka-Schmierseife alle blauen, aufgeklebten Teppichstücke mit der Bürste. Wie neu nach dem Trocknen in der Sonne.
Bei der Moschee finde ich einen Silber-Juwelier, der mir beide Uhrenbatterien neu einsetzt, 2 wunderschöne neue Ohrhänger mit Koralle und Türkisen, für 20 €, passend zur Indien-Kette daheim. Auch ein Schuster wird gefun
den, der mir meine orthopädischen nur ½ Jahr alten Sandalen neu besohlt. Die handgenähten Nähte und die Gummisohle lösten sich im Salzwasser auf! Spricht man einen Wunsch aus, ist sofort einer zur Stelle, um zu helfen. Die Juwelierin kennt den Uhrmacher der nächsten Gasse, der ruft einen Backgammonspieler in der kleinen Bar und jener sagt, sein Bruder macht mir die Schuhe bis früh um 9. Alles spielt sich in den engen Bazar-Gäßchen ab, schummrig das Licht unter schützenden Markisen, sehr gastfreundlich alle Dienstleister, man redet, ein andrer übersetzt das Englische, kennt einen da drüben, der etwas Deutsch kann (er hat Betriebswirtschaft studiert) und so gibt’s Handschlag, die Uhren sind mal kurz weg (ohne Vertrag oder Namensaustausch) und gleich wieder da Madame?Kaltes Wasser? Bitte! Hier! Moment please) oder die Schuhe sind im nächsten Laden verschwunden. Als ich sie am Abend hole, ist ein andrer Türke auf dem Schemel neben den Wasserpfeifen und Teppichen, aber „jaja, ich weiß!“ – gleich sperrt er den Blechkasten mit dem 6 cm-Vorhängeschloß auf und da erscheinen meine Sandalen, neu besohlt, rutschfest, fein gecremt und poliert. 5 €.
Am Donnerstag, 5.Aug., kommt die Persenning. Ein dickes LOB den Spezialisten von der „SCHWARZEN WOLKE“ Beste Arbeit, wir können ihn nur empfehlen. Um 6 noch ein Gebet: Meister IBIS kommt, das Fenster mit dem neuen Chrom-Rahmen unterm Arm. Und Gott lob! Es passt. Da fällt uns dreien ein Stein vom Herzen. Danke an alle!
Um 19 Uhr, nch einem erfrischenden Dusch-Fest im Dusch-Haus an Land verlassen wir mit unsrer verschönerten, „grün bedachten“ EOS die heiße Marina Netsel und ankern vor der Stadt draußen, Nebel verhüllt die Hügel, 100 % Luftfeuchte schätzt Gerhard, und es ist fast wie so oft im „Löchle“ vor Bodman am Bodensee! Auch früh dichter Dunst, als wir am Freitag mit MOTOR und Totalflaute gen Osten weiterfahren, Ziel Ankerbucht nördlich von Kara Bu.
Bleiern fast die See, kaum Sicht zu den Ufern. Beim Ansteuern der Bucht sind wir verzaubert von den grünen Pinienwäldern, die Zikaden kreischen, hinter einem Inselchen lugen spitzige Felsen aus dem Wasser, Wespen gelb-schwarz gestreift besuchen uns.
Wir schwimmen im glasklaren türkis leuchtenden Wasser, ein Seestern liegt im Sand neben unserem Anker, sagt Taucher Gerhard.
Das Einlaufen in solch eine Felsenbucht ist eine abenteuerliche Sache: Das Echolot zeigt draußen mehr als 300 m Wassertiefe. Wir biegen ein, 200m, 100m, 60 ° steil ist der Winkel der abgebildeten Meeresgrund-Formation. Dann 40, 20, 12. Bei 8 m WT fällt unser Anker. Immer wieder ein Erlebnis.
Als der Wind nachts dreht und von Land kommt, duftet es himmlisch süß nach Harz und Piniennadeln, wie Honig. Dankbar sind wir.
Südlich von Göcek ankern wir, mit Landleine, in einer großen, von vielen Seglern und Gulets aufgesuchten Bucht, diesmal spricht das Luftbild und die Fotoserie für sich!
Samstag, 24.Juli 2010: Von Pethi auf der griech.Insel SIMI zur türkischen Bucht Bozburun
In knapp 4 Stunden segeln wir mit gutem Nordwest 4 die 13 Seemeilen rüber an neue türkische Ufer: Bozburun, eine kleine Hafenstadt, die heißt wie die Halbinsel.Es ist sehr heiß, das Thermometer zeigt zum 1.Mal 41°C (wie voriges Jahr in LEUCA / Südende von Kalabrien am Stiefel-Ende und auf Zakynthos), das Meer hat 28°C. Wie sagten Freunde in Bayern? „Antalya und Zypern im Juli-August? Hölle!“
Beim Landgang fallen gleich die wunderschön aufgebauten Obstberge auf: Dunkle große Kirschen, orange leuchtende duftende kleine feste Aprikosen mit pinkrosa Bäckchen, saftige rot-gelbe Nektarinen, vollreife große Pfirsiche, die nie den Transport bis zum Schiff überstehen, Druckstellen überall. Birnen, frisch aus der Schale geholte Mandeln, frische Feigen, rosa-violette kleine Auberginen der Region, Maulbeeren.
Gerhard hat die große Bucht von Bozburun als Ankerplatz erwählt.
In „Turkish waters and Cyprus pilot“-Yachtmen’s guide von Rod Heikell – steht für diese Bucht: „The „meltemi“ will send strong gusts off Kizil Adasi“! Also sehr starke Fallwinde!
Ab 18 Uhr preschen urplötzlich brummende, heulende Sturmböen 7-8 in die Bucht, fegen über die viele vor Anker liegenden Yachten. Wie wild sausen die Schiffe 180° um ihre Anker, unheimlich diese wilde Jagd an ihren Fesseln. Ein Schauspiel wie am Bodensee beim Föhnsturm. Fast alle Skipper stehen nun am Bug vorne und wachen über ihre festgekrallten Anker, beobachten die schwere Kette. Wir haben 40 m draußen. Die EOS hält sich tapfer. Das Meer poltert gegen die Bordwand, rauscht in den Böen und schäumt weiß auf. Dann um 21 Uhr: R U H E! STILLE. Glatt die See. Nun tuckern die Schlauchboote eins nach dem andern an Land, landfein die Crews zum Essengehen in den Hafenlokalen.
Wir konnten natürlich nicht grillen am Heck! So schnitt ich die 500g Rinderkoteletts aus SIMI in 4mm-Streifen und brutzelte sie in 5 Chargen im Wok, in der Gluthitze der Kombüse, dazu habe ich fünferlei Gemüse nach Thai-Art zart „rühr-gebraten“ im heißen Wok, in Ingwer-Knoblauch-Öl, dazu gab es duftenden weißen Basmati-Reis. Wir speisten im Cockpit, stilvoll aus Schalen und mit Stäbchen, im warmen gelben Schein unsrer Petroleumlampe vom Salon. Der Vollmond versilberte die ganze Bucht. Dazu erklang von der Taverne 2 Stunden lang klassische Musik! Eine Sinfonie, ein Violinkonzert, dann Buena Vista-Kuba-Klänge. Ein Traum.
Von Martin eine SMS:“ Ich sitze gerade mit 6 bayer. Ministern am Podium in München, nach meinem Vortrag über Kunst und Wirtschaft, lab binaer kam gut an!“ Schön zu hören. Kompliment an den erfolgreichen Sohn + Unternehmer.
Sonntag, 25.Juli:Bozburun vor Anker: WINDSTILLE.
Wir holen Wasser am Dorfbrunnen. Abends paddeln wir rüber zur Laundry. Nein, die Wäsche ist nicht fertig. Am Abend gab es nicht genug Wasser und am Morgen fiel der Strom für den Trockner aus. Alles flattert auf der Leine. Im Holzofen backt man, wie Pizza, Teigfladen mit feinstem Hackfleisch, Pita und LAHMACUN. Wir essen eine mit Aubergine und viel Chili drauf. Es ist „Mäh und Muh gemixt“ – aha.
Abends bei Vollmond nutzen wir noch das Internet, lassen uns Köfte (Hackbällchen, gebraten) schmecken mit essigsauren Seegrasstengeln, Auberginen- und Bohnensalat, ich trinke kühlen Ayran (aufgeschäumte Buttermilch, sehr beliebt in der Türkei zum Essen). Man spielt andalusische Tango-Musik, wunderschön. Wir 2 tanzen Tango, Chachacha, Rumba, Waltz und Samba. Vor Mitternacht relaxen wirbeide im Liegestuhl auf dem Holzpaneel vor unserm Schlauchboot. Im Mondenschein tanzen im Seegang die Top-Lichter der vielen Yachten vor den schwarzen Bergen von Bozburun. Traumhaft schön.
Neben der EOS schwojt eine blaue alte Stahlyacht, die KATAMA, die Form ähnlich wie unsre gute alte MARION war, auch so „nah überm Wasser“ das Cockpit. Sie sei gerade von einer dreijährigen Weltumsegelung zurückgekehrt!
Friedlich alle Schiffe. Wie Geschwister, mit allen Nationalflaggen. Ein Paar aus Südafrika, Kapstadt, gibt uns die Visitenkarte eines Persenning-Machers in Marmaris. Und sie kennen unser Schiff aus jungen Jahren: sie kannten den 1. Besitzer der EOS, den „Heinz“ aus Meersburg. So klein ist die Welt. Wir fanden nie heraus, wer der Edelstahlbauer war.
Dienstag, 27.Juli: GERDI
Zur Traum-Bucht INCE
Geruhsames Segeln bei 4 Bft durch wunderschöne, felsige, waldreiche Küstenlandschaft mit Hügeln, halber Wind, rum ums Kap und an die Südküste.
Dramatisch schön das Durchsegeln einer engen Stelle bei den Inseln und Untiefen auf 3 m Wassertiefe. Gegen 16 Uhr steuern wir den Bug der EOS in die schon im Hafenhandbuch als Luftbild einmalig gelegene INCE- Bucht, zwischen senkrecht aufragenden Felsen, eng wie ein norwegischer Fjord, die Felsnadeln wie im Elbsandsteingebirge oder bei Tüchersfeld in der schönen Fränkischen Schweiz bei Hersbruck. Gerhard klettert hoch und fotografiert diese einmalig schöne Bucht.
3 kleinere Gulets mit Landleineteilen sie sich mit, 5 Seglern, am Abend kommen noch 4 Fischer und hängen sich alle an die einzige Boje. Die Paare hocken im Kreis im größten Boot und essen das in Edelstahl-Kasserolen vorgekochte Essen.
Dazu gibt es Wasser und Ayran, die zum Essen beliebte Buttermilch aus einem mitgebrachtenEimer. Vergnügt lachen sie beim gemeinsamen Mahl. Wir grillen Steaks am Heck. Im Schein des Vollmonds flöte ich Abendlieder. Das gefällt den Nachbarn. Der Fischer ruft: „Bravo!“
Der Fallwind fällt immer häufiger von den Felsen in die Bucht. Die Schiffe „geigen“ und die EOS macht sich auf in Richtung Fischerboote.
Die Windrichtung hat gedreht, die Landleine wird lockerer.
„Alaman!“ ruft ein Fischer rüber.“Bayan!“ (Frau!) Sie helfen mir, die EOS abzuhalten, die fast zärtlich die Nähe der behäbigen Holzboote sucht.Gerhard springt ins Schlauchboot, paddelt behände ans Ufer und zerrt die E
OS an ihrer Sicherungsleine am Land in die richtige Richtung, macht die 50 m Leine fest an einem Felsen am Ufer.
Alle Anker halten, aber die „gusts“, diese scharfen, brummend-heulenden Fallböen lassen keinen richtig schlafen. Fast jeder Skipper läuft im Mondschein immer mal zum Bug und prüft die Kette. Früh bei Sonnenaufgang sind wir alle müde, zu kurz waren die Schlafphasen. Ein junger Hirte kommt mit seinem Kahn in die enge Bucht, klettert an Land, lässt 4 schwarze seidig-glänzende Kühe und ihr Kälbchen frei. Die Fischer erwachen, sie schliefen auf Polstern mit Decken und Kissen auf Deck, kuscheln und schäkern nun wie auf einem Diwan, essen dann Joghurt und Tee. Um 8 Uhr gehen wir Anker auf, etliche Yachten folgen unserem Beispiel.
Mit guten 6 bft segeln wir an bewaldeten Hügeln die Küste entlang, zwischen kleinen Inseln durch, wir fühlen uns erinnert an den Bregenzerwald, an die baumlosen felsigen Gipfelregionen der Dolomiten.
Dann taucht die Touristenstadt MARMARIS auf. Sie wurde 1958 von einem Erdbeben heimgesucht. Blaue Umweltsiegel-Fahnen flattern an kleinen Stränden, dahinter Wald, Appartments im Schatten, große Hotels, Wasserrutschen-Areale von –zig Tausend qm. Dorado der Touristen aus Holland, England, Frankreich, Deutschland. Unser vorbestellter Liegeplatz in der Marina ist frei, es wird unsere 3. Marina in 10 Wochen Urlaub, und unsere 3. Dusche! Die kalte üppige Süßwasserbrause im Badekomplex ist eine Wonne. Davor ein Jasminbaum, dessen Duft vom Wind in das marmor-geflieste Gebäude trägt! Orientalischer Luxus. Sauber, duftend, winddurchblasen.
Schön sind die kleinen Häuser mit den Restaurants rund um den Hafen, sehr gepflegt die Gulets, die Spezialität der türkischen Ferienzeit.
Dann kommt der herbeitelefonierte Persenning-Schneider an Bord: „Schwarze Wolke“ nennt er seine Firma, so heißt sein türk. Name auf deutsch. Er war lange in Fulda, spricht fließend deutsch, singt Folklorelieder, die er selber komponiert und textet! Er wird die in 35 Jahren durchgelegene Matratze mit einem neuen Schaumstoff füllen, die Sprayhood neu anfertigen und das Bimini mit grünem Stoff UV+50 beziehen. Der Nachbar der Näherei ist ein Plexiglas-Fachmann. Und als der deutschsprachige 30 j. Fachmann „Ibis“ an Bord kommt, werden wir uns schnell handelseinig: 8 neue wieder durch-sichtige Fenster für die EOS. Das seh ich mal als vorgezogenes Geburtstagsgeschenk für Gerhards 63. an. Der Meister trennt gleich die alten blinden Fenster aus dem Mahagoni-Aufbau. Wir haben „Durchzug“ im Salon! Himmlisch!
Voller großer Pläne für diese Reha-Kur für unsere 36 Jahre alte Segel-Lady bummeln wir mit Tausenden fein gewandeten Touristen an der breiten Promenade entlang, entscheiden uns für einen winddurchblasenen, nur tisch-breiten Balkon im 1. Stock, essen als Vorspeise Mezzes (sauer eingelegte Gemüse), danach Beef Madras und gedünsteten Fisch mit Gemüse-Julienne, warten 1 Stunde geduldig auf dieses delikate Mahl mit Blick über die weite Bucht und die großen Gulets. Das i-Tüpfelchen nach dem Mahl: Ein feiner heißer Chai mit Würfelzucker im zierlichen, tulpenförmigen Teeglas auf kleinen Porzellan-Tellerchen mit Goldrand: Urlaub!
Eine Nacht ankerten wir vor den Hotels an der Palmen-Promenade, frei in der Bucht, Blick auf die vielen Gulets und dahinter die bunt illuminierte Häuser- und Restaurant-Meile. Parasailing: da wird man am Seil hinter einem Motorboot hochgezogen und hängt unter einem halbkugelförmigen bunten Fallschirm. Dieser Spass geht bis um 20 Uhr, die Disco-Techno-Musik-Gulets ziehen ihr Kreise in der Bucht bis um 1 Uhr nachts.
Eine fröhliche Stimmung an Bord, sie fahren ganz nah an unser Schiff heran und rufen tanzend rüber. Wir freuen uns über den uns fast kühl umschmeichelnden Nachtwind, der vom Land weht. Gerhard schläft an Deck am Bug vorne, beim Ankern also der komfortabelste, windluftigste Platz. Neben uns Spanier, Kanadier, alles Langzeit-Segler.
Zum Schluß noch ein Tip für Genießer der orientalischen Lebensart: Guckt mal im Internet nach, wie schön die alte Karavanserei in CESME wieder aufgebaut wurde, nun als Boutique-Hotel. Im blog schriebe ich bei Cesme am 8.Juli darüber, wir waren dort im Innenhof und auf dem zauberhaften Dachgarten mit Erika beim Essen:www.cesmekervansaray.com
Am frühen Nachmittag: Wir laufen in die Bucht Dirsek ein. Einige Yachten liegen vor Anker, mit der Landleine zum nahen Ufer. Auch wir werfen den Anker. Ein Boot nähert sich und bietet sich an, die Landleine entgegenzunehmen. Das nehmen wir gerne an und im Nu hat sie der freundliche Helfer an einer vorbereiteten Mooring befestigt. Ich drücke ihm ein Trinkgeld in die Hand. Als alle Abschlussarbeiten auf der EOS erledigt sind und der Motor ruht, nähert sich sein Boot wieder. Unser Helfer schlägt die Decke vom Boot zurück und bietet uns Souvenirs, Ringe, Kettchen, Tücher, handgewebte Decken und Kelim-Teppiche zum Kauf an. Wir haben wirklich keinen Bedarf, stellen aber im Laufe der Zeit fest, dass er bei anderen Ankömmlingen Geschäfte tätigt. Abends kommt unser Kaufmann noch mal und fragt, ob wir am Morgen Brot möchten.
Das wollen wir! Anderntags noch vor Sonnenaufgang –ich schlafe im Cockpit- ist die Frau des Helfers schon mit Brotbacken zu Gange. Alles ganz improvisiert, Die beiden leben unter einem einfachen Sonnendach, haben eine Liege für die Nacht und einen Backofen aus aufgeschichteten Steinen.
Das Brot, ein einfaches, gutes Fladenbrot, wird den Yachten an Bord gebracht. Es kostet 5 Türkische Lira, normal sind 2 TL. Ein ordentliches Saisongeschäft für eine Unternehmerfamilie!
GERDI, am 23.Juli
„Was macht ihr denn die ganze Zeit so am Schiff? Wird’s dir da nicht langweilig??“
Eine oft gestellte Frage. Ich guck mal ins Logbuch:
1.Ich moniere einen eindeutigen WC-Geruch, wo er nicht hingehört, im „Getränkekeller“ im Salon unter dem Tisch. Muss wohl ein winziges Leck am WC-Tank unter meinem Bett im Vorschiff sein, das läuft dann vom Bugbereichin die Bilge. Gerhard findet die kleine Undichtigkeit am Einfüllstutzen des Kunststofftanks, schraubt alles ab, säubert im Cockpit, igitt, die Teile und dichtet neu ab. Er sieht mit Gummihandschuhen aus wie ein Arzt! Alles im Bilgenfach wird gründlich mit Neutralseifenlauge und Essig gewaschen und mit Sagrotan eingesprüht. Ich mach mich gleich an den Hausputz innen. Alles frisch. Dann wollen wir um 10 Anker auf gehen.
2.Der Heckanker hat sich in den nach uns geworfenen Anker einer holländischen Yacht verkrallt. Tauchen auf 3 ½ m. Der Skipper als Sportler. Der Holländer geht Anker auf und umkreist uns. Dann aber hängt unser Anker wieder fest. Diesmal im einzementierten Mooring-Anker eines Einheimischen. Gerhard taucht erneut, hebt unseren Anker über dieses Seil, taucht wieder auf. Und los geht die Reise.
3.Wir bemerken, dass uns so eine türkische 30 m- Luxus-Segelyacht aus Bodrum beim Ausfahren aus der sehr engen „Parkbucht“die Bimini-Stange abgefahren hat. Deren Relingstützen waren höher als unser Sonnendach.
Wir segeln wunderschön an die türkische zerklüftete Küste und ankern ganz allein in einer traumhaften, smaragd-grün leuchtenden Bucht! Günaydin Türkei. Die rote Gastflagge mit dem weißen Halbmond flattert im Wind. Am Strand bimmeln die Glocken der 3 Kühe. Ziegen meckern. Sonst kein Laut. Erfrischend kühl ist die sternklare Nacht. Erstaunlicherweise haben wir Südwind statt Meltemi. Früh lege ich eine Putzschicht ein, säubere mit Herbosan alle Teppichfliesen auf den Bodenbrettern, wasche alle Chromteile und Fenster. Nach dem Frühstück segen wir mit Leichtwind vorbei an schroffen Felsen. Als wir um 14.30 Uhr ankern, erinnert uns mich die Umbebung an Südnorwegen, der Törn 1976. Wie in einem Fjord, grün, grün, grün. Unglaublich.
OVA Bükü. Bäume, eine Taverne, viele ganz fröhliche, aber nie laute Familien am Strand der runden Bucht.Die Väter spielen mit Engelsgeduld mit ihren Kindern, die Geschwister kümmern sich lilebevoll um die Kleineren… Die Tischdecken des Lokals sind bestickt, jede anders, es duftet nach frisch gebratenem Fisch und deftigen Köfte=Hackbällchen vom Grill. Sogar wireless Internet hat der liebenswürdige Wirt zu bieten…Nachts schaukelt es lebhaft, aber wir sind es gewöhnt… Vor 1 Jahr waren wir 3 Tage in Leuca, Starkwindphase, 40° Hitze…
Am 20.Juli ankern wir vor der Hafenstadt Datca, sprich Datscha, viele große „Gullets“ liegen hier bereit, sehr schöne gepflegte Segler aus Holz, 15 – 25 m lang. Man mietet sich ein für 1 Woche, es gibt Doppelkabinen, Duschen, Barbecue am Schiff, Fitness-Trimmgeräte an Deck. Aber sie sind „leise“! Keine laute Disco-Musik am Abend. Aber Wasser-Mopeds und Wasserski.
Nun sind wir 8 Wochen auf Segeltörn! Das ist ein Drittel unsrer geplanten Zeit. Langweilig ist es uns noch nie gewesen.
Aber heute, am 23. Juli auf der griech. Insel Symi, hat uns die Hitze erwischt: 41 °C. Die Frau im Supermarkt sagt, das bleibt nun so bis Mitte August: „Tagsüber kein Wind und alle bleiben drin, am Abend dann Wind, Meltemi.“
Als wir um 18 Uhr noch in der heißen Sonne zum Ende des Dorfes Pedi hochsteigen bis zur hochgelegenen Kirche, rinnt der Schweiß in Strömen. An die Hitze muß ich mich nun ganz schnell „gewöhnen“.
Mit heftigem Wind 6+ segeln wir an Untiefen und einem mit Masten aus dem Meer ragenden Schiffswrack vorbei nach Cesme. Trutzig ragt die Burg der Ottomanen aus dem 17. Jahrhundert mit ihren hohen Mauern über die Hotelmeile. Wir sind überrascht:Ein adrettes neues Hafenareal liegt vor uns!
Zur Erinnerung:
– Cesme Ende September 2009 war ein leerer, ausgebaggerter Hafen, einige Pontons waren verankert, ein Clo-Container auf der großen freien Fläche, es regnete in Strömen.
– Cesme im Juli 2010: ein idyllisches Dorf mit vielen kleinen neu erbauten Häuschen und schicken Läden, Restaurants, Hafenamt!
Cesme, Restaurant in der neuen Hafenmeile
Terracotta-rote Ziegeldächer, Blumen vor den Fenstern, reizvolle Kleeblatt-Öffnungen an den neuen Duschgebäuden, himmelblaue Tavernen neben rosa Cafés, ein Hafenamt mit würdevollen, Ehrfurcht einflößenden hohen Säulen, Marmorböden, golden beschrifteten Pflanzpötten, die Strom-Wasser-Stelen an den Anlege-Pontons mit effektvollen blauen Leuchten, überall wachhabende Security-Leute in weißer Uniform, auch Damen. Fotografieren im Hafen nicht erlaubt, dauernd fragt uns wer nach unsrem Schiffsnamen.
Granatapfelbaum, Natur und handgemalt!
Cesme, eine schön bemalte Decke am Portal
Wir trauen kaum unsren Augen! In nur 6 Monaten haben die fleißigen ehrgeizigen Türken ein Kleinod erschaffen, eine Création aus Kunst und Style, ein Produkt aus Tradition und historischen Bau-Stilen, zwischen Kunst und Kitsch. Jedes Lokal in einem eigenen Stil, unterschiedlichsten Stühlen und Polster-Möbeln, Sonnenschirmen, Bar-Theken, Laternen, innen Stehlampen und Lüster mit Murano-Glas!
Die Wege mit Naturstein gepflastert, die Treppen von Hand mit Blumenmustern bemalt, die Decken der großen Portale am Eingang zur Marina mit orientalischen Ranken und geometrischen Ornamenten, Blumen, Blattwerk. Das große schmiedeeiserne Tor zeigt lebensgroße Kolibris, die an aus Eisen nachgebildeten Blüten Nektar saugen. Naturgetreu gemalt „wachsen“auf den Hauswändendie Maulbeer- und Olivenbäumchen bis zum Dach, die davor in Tontöpfen gepflanzt stehen. Eine kleine Bogen-Brücke in der Form der Rialto-Brücke in Venedig führt über einen Meerwasserarm zu einem kleinen flachen Hafenbecken hinter dem Marina-Dorf. In allen Lokalen reges Treiben, die Ober in eleganten Schürzen, sehr jung alle, sehr bemüht. Das Défillé der bummelnden Besucher, dichtgedrängt, an den weltstädtisch dekorierten feinen Modegeschäften vorbeiwogend, ein Brennpunkt der Neugier, denn der neue Hafen ist erst seit 14 Tagen fertig und eröffnet.
Handgeschmiedete Kolibris im Portal
Wir sind überrascht und voller Bewunderung – ein Kompliment den Planern, Camper&Nicholsons, Schiffsbau- und Marina-Designer. Kein konkurrierendes Land am Mittelmeer hätte das in dieser Zeit auf die Beine gestellt. Die Griechen sollten mal Erkundungsreisen hierher machen und nacheifern im Fertigstellen solcher Planungen!
Wir bummeln durch Cesme, an den Teelokalen vorbei, den Juwelieren, den kleinen Dönerlokalen.
In der Karawanserei speisen wir von edlem Geschirr, unter Arkaden mit im Wind wehenden Mousselinvorhängen auf der Empore, deren Decken reich ausgeschmückt sind von Ornamenten aus Suleimans Zeiten. Wir sitzen auf dem mit Glasscheiben abgedeckten Wasserbecken, gespeist von der Naturquelle zwischen Felsen…Fast gotisch anmutende Spitzbogentüren vor den Hotel-Zimmern, bunt und golden gemalte Ornamente an den Wänden, Palmen fächeln Wind mit ihren Wedeln.
Cesme, vorzügliches Mahl in der neu eröffneten ehemaligen Karawanserei
Ayran, das für die Türkei typische Getränk, wird von silbernen, getriebenen zierlichen Metallkellen getrunken, ruhend in Silberschalen, die diversen Vorspeisen werden von 2 „Dienern“ auf kleinen Tabletts serviert. Auberginen-Mus, undefinierbare grüne Pflanzenstengel, Weizenkeime in Buttermilch, Ruccolablätter, Joghurt mit Dill und Knoblauch, Chili-Zwiebel-fPetersilile-Rohkost, frische Gurken und Tomaten mit Maiskörnern, dann Lammfleisch von einer heißen Stahlplatte, als Dessert Grießschnitte mit Zimt und eiskalte Kirschen.
DER SULTAN wäre entzückt gewesen. Auf der Visitenkarte der „Alten Karawanserei“ steht auch das Wort SERAIL, wir haben fürstlich gespeist. Für 45 türkische Lira, ca. 20 € pro Person. Die edel möblierten Suiten (wir sehen die Portale auf der luftigen Empore) – mit riesigen Himmelbetten unter Volant-Gardinen, prunkvollen Badezimmern und Blick übers Meer, wären wohl unbezahlbar.
Den Chai nehmen wir oben auf dem Dachgarten ein. Die Kuppel wird rot und blau angestrahlt, wir genießen den Blick über Marina und Castell.
Cesme, 6.Juli: ERIKA kommt.
Mit etlicher Mithilfe zahlreicher türkischer Bürger hangeln wir uns von Busstation zu Haltepunkt und mit Zeichensprache und englischen Wortfetzen der andren Wartenden an den Haltestellen finden wir schließlich zum internationalen Flughafen von IZMIR!!! Nach 2 Stunden geduldigen Wartens kommt Erika um 17 Uhr als erster Passagier mit Rucksäckle und ohne Koffer fröhlich durch das Gate am Arrival!! 1 Stunde im Bus über Land. Mosch
een, Wohnblocksiedlungen, Autobahn-Outlet-Monster, Auto-Anbieter,…das Meer.
Cesme.Wir führen Erika aus ins Serail, sie parliertauf Englisch perfekt und charmant mit dem Trainee, dem jungen Ober, der ebenfalls Hotelmanagement studiert, über Service, Erasmus-Auslandsstudium und Praktika in aller Welt. Und wir sitzen noch auf dem Roofgarden, eine eigens für uns gebrachte weiße Stola um die Schultern…der starke Wind ist kühl… Stolz sind wir auf unsre weltgewandte große Tochter.
Mittwoch, 7.März
Um 5.30 Leinen los, Ziel Insel Samos und SEGELN.
Gleich nimmt der Wind zu! Bis um 10 Uhr sind es böige5 Windstärken. Die See stark bewegt, wir steuern abwechslend von Hand. Gerefft die Fock und das Großsegel. Unruhig wirft sich die Eos in den Wellen, Gottlob kommt der Wind achterlich und nicht von vorn.
Nach fast 12 Stunden Seefahrt in Ölzeug und Südwester bei stark böigem Wind undunangenehmem Seegang, Erika schläft viel im Salon und muß keine störrische Schwimmweste anlegen, tasten wir uns nach 17 Uhr in die Bucht Mourtia.
Samos. Erika und ich steigen hoch zu einem Kloster
Anker ab, die Böen zischen pfeifend von dem Berg herab, unaufhörlich. Aber wir lassen uns den Spass nicht verderben, grillen am Heck unsre Lammfleisch-Spieße und essen Ruccola-Eisbergsalat.
Sternklar die Nacht, böengeschüttelt. Kein Abflauen, im Vorschiff ist es höllisch laut vom Windgeheul und von der knarrenden Stahlkette des Ankers, auf den voll der Wind steht. Dank Kurzwellenempfang ab ca. 22 Uhr kann ich das Halbfinale hören:
WM Fußball: Deutschland verliert0:1 gegen Spanien.
Donnerstag: 8.Juli
Wir segeln bei kräftigem Wind und hohen Wellen bis Pythagorio Marina Samos.Auch in der Marina hören die scharfen Böen nie auf. Gerhard und ich laufen ins Städtle rüber und in der großen Bucht ankern Segler in fast friedlich im fast windarmen weiten rundenHafenbecken. Unglaublilch. Wir besuchen die üppig ausgemalte orthodoxe Kirche, vom Tonband ertönen die wunderschönen alten Mönchsgesänge. Wir entzünden 3 handgezogene Wachskerzen für unsre Kinder und eine dicke für den Vati-Opa, der nach 3 Wochen wieder heimkehrt von der Reha nach Nürnberg.
Freitag, 9.Juli: Zur Insel Fourni, südlichste Bucht.
Von 8.45 – 13 Uhr mittags sportliches Segeln! Die Eos kämpft tapfer, ob es 6 oder 7 bft sind, ist schwer zu schätzen.
Rauschende Fahrt trotz schlecht gesetzter Segel
Rauschende Fahrt. Weiße Gischt fliegt über die hohen Wellenkämme, legt sich in Streifen aufs Wasser. Dazu Sonnenschein über wild bewegter See. Erika erlebt richtige Seefahrt – und es macht ihr Spass. Immer 6-7 kn Fahrt, schneller kann die EOS nicht. Nach 4,5 Std. tasten wir uns gegen 13 Uhr in eine von Böen gepeitschte Bucht unter steilem Hang. Es bleibt vor Anker stürmisch, Böen rasen übers Wasser, eine ausgebrachte Landleine reißt sich 1x los und die Kette slippt über den kleinen Felsvorsprung.
Wir lassen uns die Ferienlaune nicht nehmen: Erika wünscht sich mittags Spaghetti, o.k., und abends gibt es Hühnerbrust mit Thai-Gemüse aus dem Wok. Pfeifend und bissig röhrt der starke Wind die ganze Nacht lang.
Freitag, 9. Juli : GERHARD
Wieder bei rauschender Fahrt nur mit Fok steuern wir die zerklüftete InselFourni an.Diese kleine buchtenreiche Insel liegt zwischen der 1000m hohen Insel Ikaria und der 1400m hohen Insel Samos. Der Wind wird zwischen diesen Bergen „eingepresst“ und nimmt an Stärke zu. Das wird noch verstärkt durch zwei 400m hohe Berge auf der Insel Fourni. Hier dazwischen nimmt der Wind nochmals zu. Die Segelanweisungen im Handbuch würdigen den Wind in den Buchten dieser Insel auch entsprechend als außerordentlichbzw. „very strong, frequently frantic and with violent gusts“. Daher wähle ich die südlichste Bucht aus, in der ich mit den wenigsten Böen rechne. Erika und ich bringen in dem klaren türkisfarbenem Wasser eine zusätzliche Landleine aus. Gegen 18 Uhr nehmen die Böen auf etwa Bft 9 zu. Wir aber liegen sicher wie in Abrahams Schoß, während die Böen die Wellen wie kleine silberne Fischschwärme aufwerfen und ganz schnell an der EOS vorbeiflitzen.
Erika steuert 4 Stunden sportlich und versiert alleine durch stark bewegte See, bei kräftigem Wind. Kompliment. Zuverlässig und unerschrocken bedient sie das Ruder. Unser im Vorjahr entdeckter kleiner von Felsen umgebener Ankerplatz in der Bucht vor GRIKOS ist frei! Anker fällt um 12. Oben die Johannesburg mit ihren 15 m hohen Mauern und die in der Sonne leuchtende Chora, die Oberstadt, in der sich die Dorfbewohner, die sonst in der Scala unten wohnen,
vor den Piraten verteidigten. Morgen werden wir um 6 hochwandern und den Morgen genießen.
Ich hole die Schwimmflossen und die Tauchermaske und geh vom Schiff aus schnorcheln. Herrliches Wasser.
Gerhard und ich wandern an der Felsküste entlang zum Badedorf GRIKOS.
Am Abend installiert der Skipper mit Mühe und viel Geduld einen neuen Elektrostecker für das Ladekabel der Solarzelle. Sieg! Er funktioniert nun wieder zuverlässig. In den vergangenen 7 Wochenwaren wir völlig „autark“ und nahmen auch in Häfen nie Strom vom Land.
Sonntag, 11.Juli
Aufstehen um 6.30 Uhr. Ein sanfter sonniger, kühler Morgen.Nur ein weißes großes TUI-Kreuzfahrerschiff verlässt den Hafen drüben und zieht hinter dem wellen umtosten Riff vorbei. Wir wandern hoch zu der wie eine weiße Mütze auf dem Berg sitzenden weißen Stadt CHORA. Um 7.15 ist noch keiner wach. Nur in der Kirche singen die Popen, sehr festlich gekleidet in Schwarz-Weiß kommen erste Kirchgänger. Weiße Schleier an dicken Kerzen werden gebracht – eine Taufe? Eng die sauber gefegten Treppengassen, hinter den Fenstern Kerzen in großen Laternen, über den Türen überall das typische symmetrische Johannes-Kreuz in den Naturstein gemeißelt. Die Souvenirläden sind noch alle geschlossen, wunderbar diese Stille. Das hochgelegene Johanneskloster, eine Burgfestung, wird nur von weißen Tauben umflattert.
Wir trinken einen Kaffee auf der Terrasse hoch über der Bucht. Unten hat ein superfeines matt-schwarzes „kleines“ Kreuzfahrschiff angelegt. Levante. Erika guckt etwas „begehrlich“ und job-orientiert hinüber. Aber jetzt ist erst mal Segelurlaub und Australien im Programm.
Bummel durchs Hafenstädtchen, im Bus zurück. Spanien wird Fußball-WELTMEISTER , 1:0 gegen Niederlande.
Ruhige Nacht. Sternklar.
Montag, 12. Juli 2009: GERDI
Ein goldener Morgen. Baden im Meer. Frühstück mit Ei. Und dann eine flotte Segelei mit über 6 kn und 5 Windstärken nach LIPSI.
Sehr gepflegt und einladend! Tiptop die Studios und Appartement-Häuser. Üppig grün eingewachsene Terrassen mit Blütenpracht. Alle Wände weiß gekalkt, die Treppenstufen farbig abgesetzt, ordentliche Schilder an den Tavernen, Mülltrennung Plastik-Papier-Metall-Glas (aber kein einziger Restmüll-Container!), ein Helfer gibt am Hafen jedem Skipper jene 4 Tüten! Rosa, gelb, grün, blau.
Am Abend finden wir ein sehr ansprechendes Lokal, der Wirt singt beim Auftragen der Gerichte, empfiehlt uns mit schnalzender Zunge den „octopus-boiled“ (warm, in Essig-Sud gekocht, wundervoll drapiert und verziert kommt er auf einer 45 cm-Platte. Endlich gibt es mal die von mir so geliebten Dolmades, Reis in Weinblätter gehüllt! Die Moussaka (Hackfleisch-Kartoffel-Schafskäse) kommt im Tontopf überbacken und die Kalamari vom Grill sind ebenso lecker. Köstlich der weiße Hauswein im braunen Tonkrug. Da ich auf griechisch ein Lied singen kann, haben alle einen Ouzo frei. Gut gespeist! Bei sehr ansprechender Musik. Erika geht noch bis um 3 „ins Internet“ um mit den Freunden zu kommunizieren. Früh entdecken wir, dass die neben uns liegende deutsch „BLUE PEARL“ nach 3 Jahren von einer Weltumsegelung zurückkehrt, via Samos, Thailand, Rotes Meer,…und nun geht’s heim über die Biscaja an die Ostsee. Interessiert? Probiert’s mal: http://www.sy-blue-pearl.de/
Wir telefonieren mit der Marina KOS, da wir am „überlaufenen“ Freitag einen Liegeplatz benötigen, um Erika am Samstag zum Flughafen zu bringen. Puh! Voll ausgebucht. Man habe eine Groß-Regatta mit zahlreichen Yachten. Man merkt die EOS mal vor. Daumen drücken! Sonst ankern wir aim alten Hafenrund an der Bastion, neben den traditionellen türkischen Dickschiffen für die „Daily tour Bodrum!“
Gerhard
Gläubiges Lipsi
Lipsi, die kleine Nachbarinsel, 10 sm östlich von Patmos:
Von unserem Liegeplatz zähle ich 11 Kirchen und Kapellen, alle in und um das Dorf.
Auf der flotten Herfahrt ist mir eine Kapelle mitten in den Bergen aufgefallen. Da es Seglern an ausreichender Bewegung mangelt, will ich diesen Ort aufsuchen – wenn ich den Weg finde. Eine Autostraße führt zuerst auf dem Bergrücken, dann auf der Nordseite unten am Meer in den westlichen Inselteil. Ein Abzweig windet sich den Berg hoch, an der Sperrmüllkippe der Insel vorbei zu einem besonderen Ort. In einem ummauerten Gelände stehen 3 Kapellen, verschiedene kleine Häuschen, man sieht einfach ausgerüstete Küchen durch die Fenster, Geräte liegen auf den Tischen, als wären die Bewohner nur kurz weg. Draußen stehen Denkmale oder sind es Grabsteine (?) mit Büsten von Soldaten und griechischen Inschriften. Einige Ställe beherbergen Tiere und sogar ein Pfauenpaar. Das Rätsel bleibt ungelöst.
Ein Bergpfad zweigt ab in Richtung des Kirchleins am Berg. Er wurde erst vor kurzem gründlich ausgebessert. Frische Meißelspuren an den Steinen zeigen das. Nach 2 km stehe ich vor der Kirche mit einer überwältigenden Aussicht auf Berge, Meer und Inseln. Angebaut an die Kirche ist eine winzige „Wohnung“ mit einem offenen Herd, einem Stuhl und einem Klapptischlein, aber ohne Schlafstelle. Hier hat, vermute ich, ein Einsiedler gelebt. Jetzt sind die Gegenstände verkommen, Müll müsste entfernt werden. Die Kirche aber erstrahlt, wie alle, an denen wir vorbeikommen, in strahlendem Weiß-Blau. Über einen vollkommen gepflasterten Weg mit kräftiger Mauer zum Abgrund hin verlasse ich diesen besonderen Ort. Der kilometerlange Weg muß erst im letzten Jahr mit viel Aufwand (und Kosten)erstellt worden sein.
Lipsi: Ein komfortabler Weg zur ehemaligen Einsiedelei
Warum? Er führt doch nur von einer unbedeutenden Bucht zu diesem schönen aber verlassenen Ort. Auch an dieser Bucht steht eine Kapelle mit einer noch winzigeren Wohnung. Alle Geräte, die man zum Leben braucht sind vorhanden, Teller, Gläser, Besteck.
Lipsi: Als wäre die Einsiedelei bewohnt
Ein Gaskocher mit gefüllter Gasflasche. Einige Bilder zeigen einen uralten bärtigen Mönch. Ein Stall mit Streu hatte wohl noch kürzlich ein Tier beherbergt. Alles verlassen und offen. Eine kleine Quelle tröpfelt auch. An diese einsame Bucht führt eine breite Straße, gleichfalls ganz neu. Die Bucht selbst bietet aber nur Platz für ein paar Badegäste. Gerne hätte ich gewusst, was sich hinter diesen eigenartigen Orten verbirgt, wer und warum diese erheblichen Baumaßnahmen veranlasst (und wer sie bezahlt).Wohl steckt ein tiefer Glaube hinter all dem Rätselhaften.
Wieder mit 6 Bft- Meltemi südwärts, entlang den gebirgigen wilden Westküsten der Inseln Leros und Kalymnos, sehr beeindruckend. In der kleinen Bucht Vlycharia im Süden von Kalymnos zeigt uns der Meltimi seine Kraft, wenn er von 500m hohen Bergen herunterprescht. Die EOS zieht mit aller Kraft an ihrem Anker, doch der krallt sich unerbittlich im guten Sandgrund fest. Die ganze Nacht heult er in den Wanten. Ich schlafe außerhalb um immer mal wieder den Standort zu peilen. Am anderen Morgen hält uns nichts mehr in dieser Düse und wieder geht es mit hoher Geschwindigkeit und gerefften Segeln südostwärts. Der Volvo kann sich ausruhen. Diesmal ist Gerdi von 9 – 13 Uhr die Steuerfrau, bewegte See! Kos Marina ist belegt und so parken wir im runden, schönen Hafen mitten in der Stadt Kos. Diese Stadt mit ihrem mächtigen Bollwerk ist Fährhafen und viele Gäste bevölkern die engen Gassen mit den vielen Tavernen und Souvenirläden. Mir scheint es, als wären diese von Touristen so vielbesuchten Inselorte allsamt austauschbar. Kos, Mithymna, Hydra, alle Ortsstraßen und Bazargassen
gleichen sich.
Kos: Unser Ausflug mit dem Auto
Kos: Kap Daphne, von Erika fotografiert
Anderntags mieten wir ein kleines Auto und fahren über die Insel. Die Westseite besticht mit ihren Kirchen und Klöstern oben in den trockenen Bergen. Den großen flachen Mittelteil durchziehen wilde Sandsteinschluchten und im Gebirge hält sich Tannenwald. Das Örtchen Zia inmitten dieser alpenähnlichen Felslandschaft mutierte zum Touristenort. Die Tavernen werben mit dem Sonnenuntergang. „Enjoy the sunset“ Der Blick ist allerdings auch atemberaubend! Auch hier warten Straßen voller Figuren, Olivenölprodukte, Schals, Schmuck und anderem Tand auf Käufer. Wer kauft nur das alles? Morgen verlässt uns Erika. Wir genießen den letzten Abend in einer baumbestandenen Taverne bei feinem Essen im Kerzenschein und mit gutem Inselwein. Morgen werden Gerdi und ich wieder alleine auf der EOS wohnen. Am Samstag fahren wir Erika noch zum Flughafen und dann bleiben wir- anfangs dochtraurig-zu zweit zurück. Neue Küsten rufen.Und hier die Bilder: