Stadtführung Altstadt Greifswald

Greifswald- eine Stadtführung durch die Altstadt 18.9.19

FOTO-GALERIEN AM ENDE DES TEXTES

Am roten Rathaus mit dem imposanten Treppengiebel treffen sich die Gruppen für die Führung (14 € f. 1 ½ Std.).

Informiert euch genauer: https://de.wikipedia.org/wiki/Greifswald/…. es lohnt sich!

Der große Marktplatz ist umgeben von stattlichen Häusern, teils noch im typischen Stil der Backsteingotik erhalten oder re-noviert, teils von den stolzen Besitzern in den Jahrhunderten umgebaut, höher oder mit neuen Fassaden, Giebeln, Erkern und Gaupen verändert errichtet worden. Im 30 jhr. Krieg nahm die Altstadt Schaden, Napoleon verwüstete die Altstadt, aber im 2. Weltkrieg blieb sie von Bomben verschont. Der Bürgermeister und eine Delegation übergab die Stadt im Mai 1945 kurz vor dem Einmarsch der Russen kampflos an die Rote Armee und rettete sie nachts um 2 Uhr… weiße Fahnen aus den Fenstern, die Stadt war gerettet. In DDR-Zeiten waren viele Häuser unbewohnt und heruntergekommen. Man ließ 52% der historischen Bausubstanz abreißen, um Wohnraum in Plattenbauweise zu errichten.

1456 war bereits die Universität gegründet worden – im Wettstreit mit Stralsund um den Standort. 1535 kam die Reformation und die Stadt wurde evangelisch. Seit 2005 heißt die Stadt auch wieder Universitäts- und Hansestadt Greifswald! Verlor sie nach der Wende ca. 12000 Einwohner durch Wegzug, so sind es inzwischen wieder fast 60.000 Einwohner und davon 10.000 Studierende! Eine sehr junge Stadt- mit grünem Bürgermeister(Bündnis mit SPD, Linke + Piraten). Die Straßen sind noch wie bei Stadtgründung, der Wind fegt durch die Stadt und es ist immer „frische Luft“. Viele Straßen sind mit kleinen quadratischen Steinwürfeln gepflastert, auch die Gehsteige, und sie sind autofrei, 44% der Bürger nutzen das Fahrrad täglich. So ist Greifswald Fahrradhauptstadt- noch vor Freiburg!

Wiek ist eigentlich die Dänische Wiek, eine Ausbuchtung der Küste, ganz flach, eine Lagune im 514 km² großen Bodden! Die Stadt liegt nur auf 3-7 m ü.MH. Der höchste Hügel ist 27 m hoch.. Keller gibt es nirgends, das Trinkwasser kommt von einem Ort aus ca. 5 km Entfernung, heute in Rohren, früher mit Fuhrwerken. Am Marktplatz erinnern 2 Säulen mit Trinkwasserhahn an diese Zeiten. Damals wurde für jedes Haus nach Braurecht Bier gebraut, das sparte Wasserlieferungen…. Auch gab es schon ganz früh Latrinen, kein Kot+Urin wurde (wie sonst noch üblich) auf die Straßen und Gassen gekippt. Auch entstand die erste Gebärstation, da ein Arzt erkannt hatte, dass die Frauen bei den Hausgeburten an Blutvergiftung starben. Der Wettstreit zwischen Geld (Kaufleute) und Klerus (Kloster, Kirchenobrigkeit) führte zu der verschiedenen Entwicklung der Stadtteile um St. Nikolai und Marienviertel. Die Universität wurde immer bedeutsamer, v.a. für Jura, Kirchenrecht und Theologie, Medizin, Physik+Mathematik, Sternwarte.

Ein berühmter Sohn der Stadt ist der Maler Caspar David Friedrich.

Beim Wiederaufbau bemüht man sich erfolgreich, den Stil der Gassen und die Art der früheren Häuser zu bewahren. Man findet noch alte runde Steinrosetten in neuen Hausfronten, man gibt den Häusern frische bunte Farben, die Fensterform wird nachgeahmt, die Türen aus Abbruchhäusern wurden wieder in neue Bauten eingefügt. Es gibt Gaupenreihen oder kleine Fensterchen in den 2 Obergeschossen, die aussehen wie früher die Lagerraum-Etagen der Kaufmannshäuser. Aus Grabplatten alter aufgelassener Friedhöfe baute man Steintreppenstufen.

Die Kirche St. Marien hat eine gotische Kanzel (aus 60 Holzsorten!), zu der man auch im Raum zwischen Kanzel und Altar in den neuen protestantischen Zeiten auf den Pfarrer oben sehen konnte, indem man die Rückenlehne drehbar gemacht hatte. In einem abendlichen Orgelkonzert mit Bach und Rheinberger waren wir begeistert vom zarten weichen Klang der Mehmelorgel der Romantik, die die Kantorin mit Bravour spielte und pianissimo und con brio herausholte-atemberaubend die Akustik in der hohen Halle.

Originell sind 2 ganz flach gehaltene Brunnen, die ein moderner Künstler am Rubenowdenkmal und hinter dem Rathaus gestaltete. Im Sommer ein Platz für planschende Kinder, mit Figuren aus Erz, Fischern, Fischerfrau mit Kind. Lebensnah.

Zum Ausklang lassen wir uns wieder Fischsuppe und warmgeräucherten Lachs mit Bratkartoffeln schmecken im Fischkutter Schwalbe II – im Fluß.

Hier nun die Bilder als Galerie: Die einzelnen Galerien anklicken und nacheinander betrachten.

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Am roten Rathaus beginnt unsere Stadtführung, die 1 1/2 Std. dauert. Spannend!

Marktplatz Greifswald (1) (Copy)

IMG_6153 Nachempfundene Dach-Speicher-Lager (Copy)
Nachempfundene Speicher im Dach wie in alten Kaufmannszeiten
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Kunst mit gebrannten Lehmziegeln

Weitere Info: Link anklicken!

https://de.wikipedia.org/wiki/Greifswald/

Ein Hafen voller alter Schiffe

Wenn ich unsere EOS mit den Schiffen im Museumshafen von Greifswald vergleiche, ist sie mit 45 Jahren eine „reife Dame“, aber bei weitem noch keine „alte Dame“ wie sie hier in Greifswald am Ufer des Ryck liegen. Sie sind zwischen 60 und 100 Jahren alt, aus Holz oder Stahl. Die meisten dieser Schiffe waren ehemalige Fischerboote. Es ist nicht einfach, diese alten Schiffe zu unterhalten.  Dauernd stehen Arbeiten an: Streichen, Lackieren, Planken oder Spanten erneuern, verschlissene Teile ersetzen. Einige dieser Schiffe gehören (wohlhabenden?) Eignern, andere einem Verein. Auf manchen Schiffen werden Ausfahrten angeboten oder sie dienen sozialpädagogischen Zwecken. Irgendwoher muss Geld für den Unterhalt kommen.

Kaum eines der Schiffe ist noch original. Die meisten wurden irgendwann und öfter den neuen Zwecken angepasst und verändert. Auch die Bootsgeschichte lässt sich durch die Wirren der Zeit oft nicht mehr feststellen.

Die Bundesanstalt für Seeunfalluntersuchungen beschäftigt sich immer wieder mit Unfällen dieser Schiffe. Kein Wunder, es fehlt doch manchmal an Geld und an professionellen Bootsbauern. Darum musste sich vor wenigen Jahren auch diese Art von Schiffen engeren Regeln unterwerfen.

Da liegt z.B. die NORDWIND, ein ehemaliger Haikutter, Baujahr, 1919. Die Werft erstellte ihn damals in 1 ½ Jahren aus Holz. EOS liegt gegenüber bei der Hanse-Werft. Diese erstellt moderne Kunststoffschiffe ähnlicher Größe in 1 ½ Monaten. Oder die stählerne JAN HUYGEN aus den Niederlanden, Baujahr 1908. Eine 35 m lange Tjalk mit Seitenschwertern, für flache Gewässer geeignet. Wir sahen sie in Sassnitz anlegen und der Skipper hat in diesem engen Hafen ein hervorragendes Anlegemanöver hingelegt.

Der Niedergang der Fischerei und dann die politischen Wirren führten zur Schließung auch der letzten Werft in Greifswald. Nachfolgend entstand dann die Museumswerft, eingetragen in die Denkmalliste der Stadt und betrieben von einem Verein. Die Werft stellt Maschinen, Geräte und Flächen zur Verfügung, für die die Eigner der Traditionsschiffe sicher sehr dankbar sind.

Der Reisekreis hat sich geschlossen

Eine Mail an die Begleiter auf der Reise

Die Ansteuerungstonne „Ariadne“ schaukelt einsam mitten im Boddengewässer zwischen Rügen und Greifswald.

Liebe Reiseteilnehmer,

gestern hat uns EOS an dieser Tonne in flotter Fahrt vorbei gesegelt. Ein besonderer Augenblick, denn als wir im April zu unserer Ostseereise gestartet sind, haben wir am zweiten Tag diese Tonne auf dem Weg nach Polen passiert. So hat sich dieser „Reisekreis“ hier und jetzt geschlossen. Drei Wochen möchten wir in diesen Gewässern noch segeln, dann werden wir am 7. Oktober die Reise in Neuhof bei Stralsund beenden.

Jan und HaJü, ihr hattet mich auf dem kältesten Teil der Reise begleitet und dazu noch bei heftigem Gegenwind. Das war alles andere als angenehm. Kein Wunder, dass uns die Ostsee alleine gehört hat. Es gibt eben nicht viele „harte Hunde“ dieser Art. Dann waren da noch die Schießgebiete als Relikte vergangener Verteidigungsstrategien. Hinter Kaliningrad haben diese Millitäreinrichtungen nirgends mehr eine Rolle für uns Segler gespielt. In Danzig fand dann Euer Reiseteil noch ein kulturelles Ende. Ob Ihr wohl vor Reisebeginn mit diesen widrigen Wetterverhältnissen gerechnet habt? HaJü, da ist selbst ein nordschwedischer Kälteanzug überfordert. Herzlichen Dank, dass Ihr mich auf diesem ersten Kälteteil begleitet habt! Ich reiste heim zur Hochzeit unsrer Tochter im Allgäu!

Rainer, wir haben in Danzig einige Tage auf gutes Wetter gewartet, dann ging’s rüber nach Hel und von dort bei nahezu Windstille weitab von russischem Staatsgebiet in einer Nachtfahrt nach Klaipeda. Was wohl aus dem „Goldfisch“ geworden ist, der das gute Zeitfenster verstreichen ließ? Und es hat sich auch nie geklärt, warum er in Kolberg(?) aus einem komplett leeren Hafen vertrieben wurde, während wir bleiben konnten. Hafenmeister-Ideen können seltsam sein. Dann hat uns wieder Gegenwind empfangen und auch wir wurden nicht von Kälte und Spritzwasser verschont. Etwas ruhiger wurde es dann zwischen den estnischen Inseln. Leider blieb auf dem Weg dorthin mein guter Bügelanker auf steinernem Meeresgrund. Vor Tallinn mussten wir  wegen sehr unangenehmem Gegenwind vorzeitig noch einen geschützten Ankerplatz neben einem Fährhafen ansteuern. Tallinn war unsre Bunkerstation für Bier. Die Dosen haben dann auch monatelang in Finnland und Schweden gereicht. Rainer, danke dass Du dabei warst!

Mit Gerdi ging es am 7. Juni von Tallin neben der Fährroute nach Helsinki, ein Tagestrip. Ab da galt die Aufmerksamkeit der Kardinalbetonnung mit den diversen Farbkombinationen Gelb und Schwarz. Verwirrung wenn man nicht weiß in welche Himmelsrichtung man gerade fährt. Aber man gewöhnt sich schnell daran, wenn der dazu extra angeschraubte Kugel-Kompass ständig direkt vor einem ist und die Richtungsbedeutung der Farbkombinationen auf einem Zettel in der Plicht sichtbar ist. Von Helsinki nach Hanku war dann die gesamte Schärenpalette geboten. Fröhliches Fahren durch enge und weite Fahrwasser, vorbei an 1000 Pricken, vor hohen Wellen geschützt, aber auch in den flachen, baumlosen Außenschären ohne Windschutz mit ganz kleinem Vorsegel zwischen schmalen roten und grünen Torpricken durch und um viele viele gelb/schwarze Untiefen-Pricken herum. Fehler darf man sich hier keine leisten und immer ist nur das flache Wasser zwischen 3 und 10 Metern unterm Kiel! Dösen an der Pinne nicht erlaubt. So konzentriert ging’s dann nahezu die ganze Reise nach Norden und rüber nach Schweden. Der GPS-Strahl war unsre Leit-Linie. Außer an den „Hohen Küsten“ in Schweden. Dort sind die „Berge“ bis 300 m hoch und die Fahrwasser tief und die Ankergründe gut. Da konnten wir auch mal kreuzen. Die Schweden werfen gerne den Heckanker und machen mit dem Bug an steilen Schären fest. Das hat bei uns anfangs nicht gleich geklappt. Aber wir beide lernten es schnell und fanden es auch gut, direkt vom Schiff an Land steigen zu können.

An der Ostsee weht der Wind viel kräftiger als bei uns am Bodensee. Ab September war er dann ein richtiges Hindernis. Immer aus Süden, wohin wir wollten. Manche Tage verbrachten wir im Hafen. Und bei der 25-stündigen Überfahrt von Karlskrona nach Sassnitz wehte es ausgerechnet stark direkt von achtern. Eine wilde Schaukelei mit einer Regendusche im Morgengrauen. Wenn ich mich recht erinnere war das der einzige richtige Regentag der ganzen Reise. Wasser kam eher von der See hoch.

Jetzt in Greifswald warten wir wieder auf weniger Wind. Wir haben noch viel Zeit bis zum Auswassern. Gerdi und ich, wir beide sind ein eingespieltes Team. Gerdi steuert viel exakter als ich. Ihre Anlegemanöver sind vorsichtig und sicher. Und zu zweit ist das Leben auf dem Schiff doch einfacher und die Bordküche gut. Schön, dass Du dabei bist. Ohne Dich hätte ich die Reise wohl nicht unternommen. Eigentlich müsste ich Dir jeden Tag danken.

Jetzt genießen wir  die letzten Seemeilen an der Küste, werden noch da und dort ankern und kleine Häfen besuchen, bis am 7. Oktober EOS aus dem Wasser gehoben wird. EOS hat uns nie im Stich gelassen. Sie ist klein aber stark. Wir haben uns nie unsicher gefühlt. EOS gehört zum Team.

Gestern war die Ostseerunde beendet und heute am Sonntag haben wir den riesigen St. Nikolai-Dom zu einem Dank-Gottesdienst besucht. Eine lange Reise, keine ernsthaften Probleme. Gottes Segen war mit uns.

Herzliche Grüße mit viel Dankbarkeit sendet Euch

Gerhard

Abschluss der Reise in Deutschland

Der Reiseweg in den Boddengewässern bis sich der Reisekreis geschlossen hat

Reiseweg(4)

Der gesamte Reiseweg bis zur Rückfahrt in die Boddengewässer


GERDI:

Dank sage auch ich meinem Mann, dem Navigator der langen See-Reise mit ca. 4800 km über mehr als 5 Monate. Er hat mich immer ermutigt, wenn ich -trotz all meiner Segelerfahrung!- ein wenig zaghaft wurde angesichts des starken Windes. Auf dem Törn reparierte er wo nötig alles selbst (bis auf das eingerissne Vorsegel in Nynäshamn) und war der zuverlässige Frühstücksboy. Unsere Rucksack-Einkaufstouren waren stets spannend… Ich gab mir als Smutje alle Mühe, abwechslungsreich und gesund zu kochen, denn gutes Bordessen hält Leib und Seele zusammen.

Seit 1981 segeln wir nun gemeinsam, das schmiedet aus 2 Ehepartnern ein gutes harmonisches Team. Seemannschaft ist an Bord lebensnotwendig, und um Gottes Hilfe betete ich nicht vergeblich. So geht dieser für uns zwölfte große mehrmonatige Segeltörn bald zu Ende und wir wissen um die Gnade, solche Reisen unternehmen und meistern zu können- ohne Schaden an Mannschaft und Boot. Unsere EOS ist nun 45 Jahre alt und wir führten sie in das Land ihrer Erschaffung zurück, nach Schweden.. Auch das war ein Erlebnis. Wir blicken als über 70-jährige Segler dankbar zurück und hoffen, dass euch Lesern unsere Erlebnisberichte und Fotos im  Blog gefallen haben.

 

Unter gerefften Segeln über den Bodden, bis Greifswald, 14.9.19

Aquarell am Abendhimmel, noch in Thiessow (2) (Copy)Aquarell am Abendhimmel, noch in Thiessow (3) (Copy)Abend in Thiessow, Gischt v. Sturm (Copy)

Nach der 25 Std.-Überfahrt Schweden-Sassnitz und dem stürmischen Tag im Hafen freuen wir uns auf ein schönes Segeln bis Greifswald. Um 10 Uhr Leinen los in Thiessow, der Hafen ist voller Gischt vom stürmischen Meer. Wieder tasten wir uns hinaus zwischen engen Pricken und müssen draußen gleich 2 Reffs einbinden in Groß und Focksegel. Dann aber segeln wir mit kräftigem Schub am Wind zur Ansteuerungstonne Greifswald.

Bodden-Segelüberfahrt n. Greifswald (Copy)

Beim Einbiegen kommt die blaue HANSE-SY „Happy our“ der netten Leipziger vor uns.Die Happy our (Copy)

Alle Boote müssen in den Fluß Ryck einfahren, bis zur Hebebrücke mit dem Hochwasserschutzbollwerk des Fischerdorfs Wiek. Wir fühlen uns fast wie auf der Donau 2014, da fuhren wir 80 Tage im Fluß-2200 km bis ins Schwarze Meer….

Vor uns das Hochwasser Sperrwerk des ryck (Copy)

Nach 1 Stunde Motorfahrt zwischen Schilfufern finden wir gegenüber dem himmelhohen alten (eingefallenden) Speicher mit dem großen Greif auf dem Ziegelmauerwerk einen freien Liegeplatz am rechten Ufer, am Innensteg. Ein Graureiher wartet nach unsrer Anmeldung beim Hafenmeister direkt am Steg vor der EOS!

Am Boot ein Graureiher!

Mich erfreuen bunte schmale Giebelhäuser in langer Reihe, fast wie die Grachtenhäuser in Amsterdam. Vor unsrem Boot entdecken wir „slubes“, winzige Betonwohnröhren, mit Stockbett, 2 ÜN f. 2 Pers. für 135 €…seltsam. Ohne WC oder Kochmöglichkeit.

GOTTESDIENST DOM NICOLAI (1) (Copy)

Beim Gottesdienst in der großen Domkirche St. Nikolai danken wir am Sonntag für die Bewahrung auf unsrer langen Seereise. Es findet eine Taufe statt und wir alle tragen ein Fläschchen Taufwasser zum Taufbecken und gießen es ins Taufbecken, auf dem alle Taufkinder-Namen eingraviert waren. Ein schöner Brauch.

Die Altstadt wurde nach der Wende wunderbar wieder hergestellt, auch Plattenbauten rückgebaut. Ein Schmuckstück! Man bemühte sich beim Wiederaufbau, die Eigenart der Stadthäuser zu bewahren, mit Fensterart, alten Türen, Gaupen am Dach, mit Lagerflächen im 3. Stockwerk, mit den hohen Parterres (mit Einfahrt f.d. Pferdekutschen und Lastenfahrzeuge mit Waren, die erst im Hinterhof entladen und an Kranhaken ins Dach gezogen wurden). Die Läden klein und abwechslungsreich, keine C&A-Riesen oder Mc Donalds-Einheiten…

Ein Augenschmaus sind die 45 historischen Museumsschiffe am Ufer der Ryck, meist renoviert und gepflegt, viele noch im Einsatz als Fischerkutter oder als große Gaffelsegler. Die Geschichten sind aufregend: gekentert, versenkt, gefunden, von Minen getroffen, von Fischern gehoben und wieder zum Fischen benutzt. Auch in der alten Werft floh der Besitzer 1953… aber als VEB ging’s weiter und heute werden hier die schönen alten Holzschiffe renoviert und auch neue gebaut.

Museumsschiffe+Speicher Greifswald (1) (Copy)Museumsschiffe+Speicher Greifswald (2) (Copy)Museumsschiffe+Speicher Greifswald (4) (Copy)Museumsschiffe+Speicher Greifswald (3) (Copy)

Beim Stadtrundgang besuchten wir auch die Kirche mit dem dicken Turm mit 4 m-dicken Mauern, genannt „dicke Marie“, die Marienkirche. Ein Wal war vor 500 J. gestrandet, verirrt im Ryck. Den malten die Bewohner an die Kirchenwand.

St. Marien, Greifswald, Backsteingotik (Copy)

 

 

Eine köstliche Matjessemmel oder warmgeräucherter Lachs mit knusprigen Bratkartoffeln im Fischkutter „Schwalbe II“ ersetzte uns täglich das Mittagessen. Dann fegte stürmischer Wind über die Stadt, es hagelte und regnete… Schwere Sturmböen meldete der NDR, Bahnverkehr teilweise lahmgelegt… wir werden 3 Tage hier ausharren und erst Freitag weiter segeln können…

Am Mittwoch werden wir eine Stadtführung mitmachen und ein Orgelkonzert mit Bach und Rheinberger in der Marienkirche besuchen. Ihr gotischer Altar besteht aus 60 verschiedenen Hölzern, deshalb bleibt sie unbeheizt, auch im Winter. Wunderschön die Wandbemalung in frischen Farben, spielerisch, romantisch, ähnlich der Kirche in Überlingen.

Klein Zicker

Klein Zicker, ist das nicht ein lustiger Name für ein Dorf und den Hügel, an dessen Fuß die paar Häuser liegen. Schon wegen des Namens sollte man das Örtchen besuchen. Vom Hafen in Thiessow kommt man über einen schönen Wiesenpfad am Ufer des Zicker Sees dort hin. Dann empfängt uns gleich ein netter Imbiss mit guten Fischsemmeln und Blick auf den stark bewegten Bodden. Viel Zulauf von Feriengästen hat dieser Erlebnisort, auch noch so spät im Jahr. Vom Hügel, nicht ganz 40 m hoch, sieht man ein kleines Segelboot weit weg in den Wellen stampfen.

EOS liegt sicher längseits im Hafen. Die Sportboote teilen sich den Hafen mit den Fischern. Die Bojenfähnchen flattern lustig im Wind. Alte hölzerne Nachen finden hier auch noch ihren Platz. Teer hält sie dicht und es riecht aromatisch. Ein Ort mit Leben. Zweimal in der Woche gibt’s Markt hier. Im Sommer ist der große FKK-Campingplatz am Sandstrand begehrt.

Es lässt sich an diesem Ort gut ein Starkwind-Tag verbringen. Man muss nicht immer auf dem Wasser unterwegs sein.

Groß Zicker gibt’s übrigens auch: Es liegt auf der anderen Seite des Zicker Sees.

Weltkulturerbe Kreideküste Rügen

Weltkulturerbe Ntionalpark Jasmund – Kreideküste Rügen, 11. Sept.2019

Nach der 25-stündigen Überfahrt freuen wir uns auf einen Wandertag. Vorher verlegen wir die EOS vom zu großen Liegeplatz auf einen kleineren, besser vorm Wind geschützten Platz am Schwimmponton. Nach dem pausenlosen Regen holen wir uns beim alten ehemaligen Fischkutter Räucherfisch. Lest mal seine Geschichte! Sooo frisch und lecker, an Bord verzehrt.

 

 

Dann nehmen wir in Sassnitz den (leeren) Linien-Bus zum Königsstuhl.

Kreidefelsen (Copy)

 

 

Das Weltkulturerbe nimmt einen sofort gefangen: das üppige Grün der Wälder und das frisch sprießende Gras, Löwenzahn, Brennnesseln – nach monatelanger Dürre im Osten. Zauberhaft tritt man ein in den Buchenwald mit seinen kirchhohen kerzengeraden glatten Buchenstämmen-wie „heilige Hallen“.. Vor 800 Jahren eroberte die stolze Buche die Halbinsel. 100 Moore, Bäche, Quellen nähren sie. Die Jasmundbuchen, oft 500 Jahre alt und gezüchtet als ast-armes feines Holz für Furniere feiner Möbel und Parkettböden… Nun sind sie unter Naturschutz, keine Buche darf mehr gefällt werden. Fast ehrwürdig wölbt sich das Laubdach hoch oben über den Wanderern auf den Gehwegen im Wald. Wo das Moor zurückweicht, treten Stelzenwurzeln in den Tümpeln zu Tage. Exotisch anmutend. Wir ersteigen eine alte zig-meter hohe Ringwall-Anlage aus der Slawenzeit, die sich vor einem See erhebt. „Wilde unberührte Natur und letzte Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen“- Perlmuttfalter, Sonnentau, Rotbauchunke…. 🙂 aber 1/3 der Besucher sind angeleinte Hunde.

Schließlich der Höhepunkt: die weißen Kreidefelsen vor dem blauen Meer. Wind, Wasser und Brandung halten die Kliff-Küste ständig in Bewegung. Die regelmäßigen Abbrüche lassen die Kante so weiß leuchten. Der Publikumsliebling ist die eintrittspflichtige interaktive Erlebnis-Ausstellung mit Audioguide, Welterbe-Kino u.ä.! Wir verzichten und laufen zum alten Aussichtspunkt Viktoriafelsen. Eine grandiose Aussicht. Sogar unsren riesigen Windflüglerpark sieht man von da oben!Drei ältere Lebewesen (Copy)

Der riesige Windpark (Copy)Versteckt im Wald hat eine aus sicher hier liebenswerter DDR-Zeit stammende kleine Gaststätte überdauert. Eine Matjessemmel, ein Bier. Nett…

Zurück zum Bus 3 km und zur EOS. Am Abend trotten wir im Regen zum Restaurant Kutterfisch.

 

 

Die Fischsuppe, klar und mit Muscheln und Krabben, war köstlich und die in Butter gebackene Scholle mit knusprigen Bratkartoffeln war vorzüglich. Es regnet. Unter unsrer Sprayhood sitzen wir noch und lassen den Abend ausklingen -der Vollmond ist nicht zu sehen.

Überfahrt im Sonnenschein in den Bodden bis Kurort Thiessow, Donn.12.9.

Die Fischer säuberten am Abend ihre Netze, am Morgen zeigt sich im Hafen Sassnitz die Nachsaison. Hier ist es sonst voll von Segelyachten.

 

 

 

 

Hier folgen 2 Videos:

Start zur Überfahrt zum Bodden

8.45 Uhr: Leinen los in Sassnitz, gleich 2 Reffs in Groß und Fock. 5 kn Fahrt… Seegang…

Plötzlich flattert eine junge graue Möwe überm Cockpit. Sie guckt uns an und bittet, ob sie mitfahren darf, ihr ist wohl der Wind zu stark geworden und sie wurde immer weiter abgetrieben. Sie hockt sich auf unsere grüne Persenning und versucht das Gleichgewicht zu halten. Dankbar blickt sie uns an… Wohl eine Stunde sitzt sie am Bimini, 30 cm über unsren Köpfen. Möwe Jonathan?! Wir kreuzen ein Stück raus um dann wieder auf den GPS-Strahl segeln zu können.

Dann müssen wir exakt der Fahrrinne folgen, nehmen die Segel runter und steuern kraftaufwendig an der Pinne entlang des Nationalparks Jasmund. Schutzzone. Heftige Wellen kippen den Bug fast 45° in die Wogen und werfen das Schiff wieder zurück. Seegang klingt zu sanft… Der Motor jault, das Wasser wird vorn aufgeschöpft und saust zum Heck, wo es sprudelnd wie in einer Wanne hin und her schwappt. Lärmend kämpft sich die EOS durch Gegenwind und hohe Wogen.

Von 14 Uhr bis 14.30 dauert die unruhige Partie… Dann fast wieder „zurück“ auf Kurs 62°, um zu der nun ganz schmalen Fahrrinne in den kleinen Fischerhafen im Bodden zu gelangen, sehr langsam tasten wir uns nach den Richtbasen zwischen den Bojen vorwärts… Thiessow, ein Badeort.

14.45 Uhr: Geschafft. Der Hafen bietet 4-5 Schiffen längsseits Platz, wir haben Glück als 4. Schiff und der Hafenmeister hilft beim Leinen-Annehmen. Wir spazieren zum FKK-Campingplatz, an Hunderten von schwarzen Jung-Rindern auf der großen Weide vorbei. Ein Deich zeugt von den Gefahren hier… Viele Ferienwohnungen, Gasthäuser. Ich koche eine deftige Suppe. Radio NDR Kultur! Mal wieder deutscher Rundfunk 🙂

Hier noch Gerdis Fotos: Verzeiht den Tippfehler unter den Galeriefotos… , es muß Thiessow, nicht Thiessen heißen;-(

 

 

Thiessen, Regen+Wind (5)
Links unten ist Greifswald grad versteckt
DSC_1568 (Copy)
Abschied von Sassnitz und Kreideküste

Thiessen, Regen+Wind (2) (Copy) Wunderschöner Spaziergang am Freitag, dem 13. , es hat 6-7 bft und als wir die Sandwege hoch zum kleinen Zicker laufen, breitet sich vor uns das Boddenmeer ganz weiß aus, sturmgepeitscht fliegt die Gischt  in langen Straßen von den hohen Wellenkämmen. Schmuck die Reetdachhäuser, überall Ferienwohnungen. Eine herrliche Landschaft, es soll wieder 10 000 Kegelrobben geben hier. Ein Geschenk an die Natur, dieses große Schutzgebiet.

 

Wieder im Heimatland

Ein paar Tage liegen wir in Karlskrona um ein günstiges Wetterfenster für die Überfahrt nach Deutschland abzuwarten. Bisher seit Wochen nur Südwind über 4 Bft. Ab Samstag soll der Wind günstig auf Nord drehen. Das tut er auch.

Eine letzte Ankernacht vor der Insel Aspö und nach Sonnenaufgang „Anker auf“.

06.15: U-Boot-Sperren bei Drottningskär passiert (da hat sich 1981 ein sowjetisches U-Boot „verlaufen“, wohl auf der Suche nach dem Schwedischen Militär-Marinehafen)

Abfahrt von Schweden(Copy)

06.45: Der Motor hört sich plötzlich wie ein Traktor an und die Kühlwassertemperatur steigt. Ursache ist ein verschlissener Kühlwasserpumpen-Impeller. Austausch nach 30 Minuten erledigt. Erkenntnis: Impeller regelmäßig wechseln!

DSC08270 (Copy)

Um Bft 6 im Bereich der Boddengewässer zu vermeiden, müssen wir bis Montag am Mittag in Sassnitz sein. Deshalb lassen wir den Motor zum Großsegel mitlaufen. Wind 2 Bft direkt von achtern. Die schwedische Küste wird immer kleiner. Eine sehr schöne Segelzeit in diesem besonderen Revier geht zu Ende. Der Steuerautomat hält EOS auf Kurs, muss aber wegen der achterlichen Wellen und dem heftigen Schaukeln kräftig arbeiten. Wir möchten ihn nicht überlasten und steuern von Hand. Wachwechsel alle 2 Stunden.

14.00: Wind weiterhin genau von achtern, höhere Wellen, ein Reff ins Großsegel. Eine Bullentalje verhindert ein Überschlagen des Segels. Dauerndes von Hand Steuern bei diesem Wind ist unangenehm.

14.30: Wir ändern den Kurs, um das Verkehrstrennungsgebiet schneller zu queren. Jetzt, entlang, aber außerhalb dieses Großschiffahrtsweges begegnen uns Frachtschiffe wie auf einer Perlenkette aufgereiht. Was sich da so alles auf dem Wasser bewegt! Stückgutfrachter, Autotransporter, Containerschiffe, undefinierbare Spezialboote. Die Insel Bornholm kommt in Sicht und sie begleitet uns stundenlang an Backbord.

18.00: Abendessen: Von Gerdi vorbereitete breite Nudeln mit Schinken. Für diese Zeit steuert der Automat und wir beide essen gemeinsam in der Kajüte. Eine schöne Dämmerung. Bornholm löst sich langsam im Dunkeln auf, nur der Leuchtturm von Rönne sendet weiter seine Blitze zu uns und der Lichtschein der Stadt leuchtet in den Wolken.

Copy v.Schaukelei 25 Std. Karlskrona bis Sassnitz (22) (Copy)

02.00 Uhr: Gerdi weckt mich wegen starkem Schiffsverkehr. Ein weiteres eigenartiges Erlebnis: Hunderte von roten und weißen Lichtern blinken im Takt. Ein tolles Bild nächtliches Bild liefert so die Baustelle von ENBW an diesem neuen riesigen Offshore-Windpark. Die GPS-Route führt uns nahe daran vorbei. Leider haben wir keine Zeit, dieses skurrile Bild zu genießen. Drei undefinierbare nahe Schiffe und einige Bojen erfordern volle Aufmerksamkeit und Kurskorrekturen. Das Funkgerät liegt für eine Kommunikation bereit. Erste Müdigkeit durch das konzentrierte Steuern. Es beginnt zu regnen, richtig fest. DAS ERSTE MAL SEIT BEGINN DER REISE VOR FAST 6 MONATEN.Copy v.Schaukelei 25 Std. Karlskrona bis Sassnitz (19) (Copy)

04.30: Mit Leuchtfeuer Puttgarten begrüßt uns die Insel Rügen. Weiterhin anstrengendes Handsteuern bei Bft 4, jetzt Gott sei Dank der Wind etwas seitlicher. Stockdunkle Nacht. Fähren mit ihrer Christbaumbeleuchtung tauchen auf und verschwinden wieder im Regengrau. So eine Nachtfahrt in belebtem Seegebiet ist irgendwie schön und doch auch unheimlich. Man sieht nur Lichter, aber man weiß was sie bedeuten und mit Hilfe der Seekarten werden die Situationen (meistens) klar. Und es vertreibt die gefährliche Müdigkeit. Wir sind nur zu zweit…

Copy v.Schaukelei 25 Std. Karlskrona bis Sassnitz (12) (Copy)

05.30: Es dämmert ganz langsam. Zuerst wird der Horizont schwach sichtbar, dann zeichnet sich das Segel gegen den Himmel ab. Eine Stunde später tauchen die hohen Kreidefelsen an Steuerbord auf. Alles grau im Regen. Die Lichter vom Zielhafen weisen nun den Weg. Gerdi kommt ans Steuer. Segel einholen, Leinen an Bug und Heck und weiter mit Motor um den grünen Leuchtturm an der Hafeneinfahrt von Sassnitz.

07.00: Nach 130 Seemeilen (240 km) und 25 Stunden nonstop Leinen fest an Pollern und Steg. Wir sind wieder im Heimatland.